Stuttgarter „Tatort": Patt im Flüchtlingsheim

Kann er das Leben von Flüchtlingen retten? Thorsten Lannert (Richy Müller). Foto: swr

Im Stuttgarter „Tatort" ermitteln Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) am Sonntag (21. Februar, ARD, 20.15 Uhr) im Flüchtlingsheim. Man sollte unbedingt einschalten.

Was ist der Ausgangspunkt der Krimi-Handlung?

Ein Lkw steht führerlos auf einem Rastplatz, Polizisten observieren über Stunden die Szenerie. Die Vermutung: Hier werden Drogen geschmuggelt. Doch als die Fahnder den Laderaum endlich öffnen, finden sie 23 tote Flüchtlinge, versteckt und erstickt in einem Bretterverschlag. Ein grauenhaftes Bild.

Das erinnert nicht von ungefähr an die 71 toten Flüchtlinge , die im August 2015 in Österreich entdeckt wurden, oder? Dort hatten Schlepper den Lkw auf einem Autobahn-Standstreifen abgestellt.

Autor Christian Jeltsch entwickelte die Idee vor über zwei Jahren, wie er sagt. Solche Transporte gehörten zum Alltag der Schleuser. Die Realität habe die Fiktion nur auf schreckliche Weise bestätigt.

Wahrscheinlich geht es den Stuttgarter Kommissaren um die Hintermänner?

Ein Drogenfahnder reagiert mit Eiseskälte auf den Fund der Toten. Der fassungslose Lannert, der vergeblich verlangt hatte, früher zuzuschlagen, klemmt sich im Alleingang an die Fersen von Milan Kostic (Sascha Alexander Gersak), der eines Mordes im Drogenmilieu verdächtig ist und auf dem Parkplatz gesehen wurde. Lannert landet in einer heruntergekommenen Asylbewerber-Unterkunft.

Kostic und seine Schwester und Komplizin Mitra (Edita Malovcic, die Staatsanwältin aus den Til-Schweiger-„Tatorten“) nehmen ihn als Geisel. Lannert erfährt: Es gibt noch einen Lkw. Sollte er dem Schleuserduo nicht zur Flucht verhelfen, würden weitere Flüchtlinge qualvoll sterben. Oder bluffen sie nur? Derweil versucht Bootz rauszukriegen, wo sein Partner steckt.

Lohnt sich bei diesem „Tatort“ das Einschalten?

Unbedingt. Regisseur Züli Aladag reduziert diesen „Tatort“ über lange Sequenzen zum Kammerspiel in einem Raum des abgewrackten Hochhauses. Lannerts Patt-Situation ist packend. Aladag sei „ein politischer Film gelungen, der ohne politische Statements auskommt“, sagt Drehbuchautor Jeltsch. Das liefert er selbst im Pressetext: Eine durchdachte Einwanderungspolitik der EU könnte den Schleusern Profite entziehen und den Flüchtlingen ihre gefährliche Flucht ersparen. Das derzeitige Scheitern ist im „Tatort“ zu besichtigen.

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