"Tatort"-Kommissarin Adele Neuhauser im Interview

Sie ist die gute Seele des Wiener "Tatort". Doch in der neuen Folge wird es für Adele Neuhauser alias Bibi Fellner ganz schön blutig. Wir haben mit ihr gesprochen.

Adele Neuhauser ermittelt seit fünf Jahren als Bibi Fellner an der Seite von Harald Krassnitzer, der im Wiener „Tatort“ Ermittler Moritz Eisner spielt. Wir sprachen mit der 57-Jährigen über die neue Folge „Die Kunst des Krieges“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) und ihre Selbstmordversuche.

Frau Neuhauser, im neuen Wiener „Tatort“ wird das Mordopfer extrem verstümmelt aufgefunden - ist das nicht zu viel Gewalt am Sonntagabend?

Adele Neuhauser: Na ja, wir kennen es aus anderen „Tatorten“ wie beispielsweise den Hamburger Folgen mit Til Schweiger, dass es noch blutiger zugehen kann. Außerdem ist „Tatort“ eine Plattform, um über reale Zustände zu erzählen. Da gehören leider eben auch organisiertes Verbrechen und Gewalt dazu.

Muss Wien jetzt nachziehen, weil andere „Tatorte“ so brutal sind?

Neuhauser: Nein, ganz sicher nicht. Wir sind da in keinem Zugzwang oder Konkurrenzverhalten. Es geht um keine reißerische Darstellung - diesmal hat die Wiener Episode einfach diese Attribute.

Bibi Fellner versteckt in diesem „Tatort“ die Hauptzeugin, eine Geflüchtete aus Russland, in ihrer Wohnung. Würden Sie auch privat Flüchtlinge aufnehmen?

Neuhauser: Nein, weil das in meiner kleinen Wohnung schwer möglich ist. Aber ich engagiere mich finanziell und sicher ein Stück weit auch mit meiner Haltung, diese Menschen ins Land aufnehmen zu wollen. Die Botschaft der Filmszene aber ist, dass man einfach Empathie haben soll.

Apropos Empathie - Moritz und Bibi wird klar, wie viel sie sich bedeuten. Kann das mehr zwischen den beiden werden?

Neuhauser: Harald und ich wünschen uns, dass Bibi und Moritz kein Paar werden. Sonst wäre die Geschichte schnell auserzählt. Das Team sollte die Kraft aus ihrer Freundschaft und Kollegialität ziehen können. Bibi hegt für Moritz tiefe Gefühle, aber sie muss nicht mit ihm ins Bett steigen.

Bibi ist das Gegenteil einer Vorzeigepolizistin: Sie hatte Alkoholprobleme und stand kurz vorm Burn-out. Können Sie sich mit ihr identifizieren?

Neuhauser: Total. Bibi ist eine empathische, dünnhäutige Frau, die vieles sehr nah an sich heranlässt. Das ist oft schwierig, aber ich verstehe sie gut. Ihr „Angekrazt-sein“ ist für mich als Schauspielerin eine Herausforderung.

Stichwort „Keine einfache Vergangenheit“. Sie haben es öffentlich gemacht, dass Sie nach der Trennung Ihrer Eltern bis zu Ihrem 21. Lebensjahr sechs Selbstmordversuche unternommen haben. Warum?

Neuhauser: Ich hatte keine Lust, das Bild einer perfekten, glücklichen und unanstastbaren Person von mir abzugeben. Ich wollte Menschen, die in einer schweren Situation sind, zeigen, dass man dort auch wieder herauskommen kann.

Wer oder was hat Sie denn dort herausgeholt?

Neuhauser: In erster Linie die Liebe meiner Eltern. Aber auch die Sehnsucht, am Leben zu bleiben, und der Impuls, Schauspielerin zu werden, haben mich gerettet.

Der Wiener „Tatort“ hat ungefähr so viele Zuschauer wie Österreich Einwohner. Sind die Österreicher so „Tatort“-verrückt wie die Deutschen?

Neuhauser: Scheinbar. Ich erlebe es auf jeden Fall häufig auf der Straße, dass Menschen mich als Bibi ansprechen.

Was ist das Besondere am Wiener „Tatort“?

Neuhauser: Unser österreichischer Humor macht uns anders. Die Stimmung und auch der Zugang zu den Fällen sind besonders.

Gucken Sie alle „Tatorte“?

Neuhauser: Nein. Sonntagabend ist für mich kein „Tatort“-Muss. Aber natürlich sehe ich mir ab und an Fälle der Kollegen an. Jan Josef Liefers und Axel Prahl aus Münster sind für mich ein Dream Team. Wobei ich das Gefühl habe, dass dies kein „Tatort“ mehr ist, sondern inzwischen schon ein anderes Genre.

Zur Person: Adele Neuhauser (57) wurde als Tochter einer Österreicherin und eines Griechen in Athen geboren und kam als Vierjährige nach Wien. Sie absolvierte ihre Schauspielausbildung in der österreichischen Hauptstadt und spielte Theater auf Bühnen in Deutschland. Sie war in Filmen wie „Wo ist Fred?“ und „Polizeiruf 110“ zu sehen. Seit 2010 spielt Neuhauser die Wiener Ermittlerin Bibi Fellner. Mit ihrem Ex-Mann, Schauspieler Zoltan Paul, hat sie Sohn Julian, der Musiker in Berlin ist. Neuhauser lebt in Wien.

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