Tatort-Kritik: Spiel mit Geschlechter-Klischees

Ein vom Körper abgetrennter menschlicher Fuß, der auch noch vor den Augen des Zuschauers aus dem dazugehörigen Stiefel gezogen wird – nur wer solche Bilder aushält, wird Freude am neuesten ARD-„Tatort“ aus Münster gehabt haben.

Ein vom Körper abgetrennter menschlicher Fuß, der auch noch vor den Augen des Zuschauers aus dem dazugehörigen Stiefel gezogen wird – nur wer solche Bilder aushält, wird Freude am neuesten ARD-„Tatort“ aus Münster gehabt haben. Viel Freude! Denn auch Axel Prahl als Hauptkommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Karl Friedrich Boerne lassen sich vom Schrecklichen, das sie sehen müssen, nicht sehr beeindrucken, liefern sich in „Zwischen den Ohren“ vielmehr wieder die wunderbarsten Scharmützel eines ungleichen (Ermittler-)Paares.

Lassen Bier und Wein, Fußball und Oper so animiert aufeinanderprallen, dass man die Lust daran an ihren Gesichtern abzulesen glaubt. Hinreißend der Running Gag mit dem Pokalspiel, das Thiel nie zu Ende schauen darf, oder Boernes Gockelei vor dem heimischen Spiegel, mit der er sich auf die Verleihung eines Preises vorbereitet (Buch: Christoph Silber und Thorsten Wettcke).

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Tatort - die älteste Krimireihe im deutschen Fernsehen - begeistert auch nach knapp 40 Jahren noch die Zuschauer. © Bild: WDR
Tatort-Ermittler, Krimireihe, ARD
Diese Augen sind Kult: Seit Beginn der Krimireihe im Jahr 1970 wurde der Vorspann der Serie nicht verändert. © dpa
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Er ist in jeder Tatortfolge dabei und trotzdem kennen ihn wohl die wenigsten: Horst Lettenmayer ist der Mann zu den bekannten Augen und Beinen aus dem Vorspann. 400 Mark soll er damals einmalig für seinen Auftritt bekommen haben. © dpa
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Ulrike Folkerts verkörpert bereits seit 1989 die Ludwigshafener Tatort-Kommissarin Lena Odenthal. © dpa
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An ihrer Seite ist seit 1996 auch ihr Kollege Mario Kopper (gespielt von Andreas Hoppe) auf Spurensuche. © dpa
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Das Team Leitmayr und Batic kümmert sich um die Münchner Fälle. Miroslav Nemec (r.) ermittelt seit 1991 als Kommissar Ivo Batic neben Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr. Wachtveitl wurde im Jahr 1990 zum Tatort gerufen. © dpa
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Das bayerische Team hatte bekannte Vorgänger. Von 1972 bis 1981 ermittelte beispielsweise Gustl Bayrhammer als Hauptkommissar Veigl im Münchner Tatort. © dpa
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In Berlin ermittelt Dominic Raacke seit 1990 als Hauptkommissar Till Ritter. Ihm zur Seite steht seit 2001 Felix Stark, gespielt von Boris Aljinovic. © dpa
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Charlotte Lindholm, die Ermittlerin in Hannover verzichtet auf einen festen Kollegen. Maria Furtwängler spielt die souveräne Kommissarin seit 2001. © dpa
Gunther Witte gilt als Tatort-Erfinder. Von ihm stammt die Idee, die Krimireihe regional anzusetzen. Die einzelnen Rundfunkanstalten der ARD produzieren die Folgen des jeweiligen Ermittlerteams. Durch abwechselnden Kommissare wird für Abwechslung gesorgt, was zum Erfolg der Krimireihe beiträgt. © dpa
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Klaus J. Behrendt nahm als Max Ballauf in Köln die Spurensuche erstmals im Jahr 1992 auf. Dietmar Bär kam als Kriminaloberkommissar 1997 zum Kölner Tatort hinzu. © dpa
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Klaus J. Behrendt hatte übrigens 1989 in einer Nebenrolle schon seinen ersten Tatort-Auftritt in Duisburg. Dort ermittelte von 1981 bis 1991 Kommissar Schimanski (Götz George) und sein Kollege Thanner (Eberhard Feik). © dpa
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Seit 1997 ist Sabine Postel als Inga Lürsen in Bremen auf Verbrecherjagd. Ihren Kollegen Stedefreund spielt Oliver Mommsen. © dpa
Seit März 2013 ermittelt Til Schweiger als Nick Tschiller in Hamburg. Er ist der Nachfolger von... © NDR
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... Mehmet Kurtulus, der als Hauptkommissar Cenk Batu in Hamburg ermittelt hat. © dpa
Vor Kurtulus (von 2001 bis 2008) leitete Robert Atzhorn (r.) als Kommissar Jan Casstorff zusammen mit Tilo Prückner als Kommissar Holicek die Geschäfte in Hamburg. © dpa
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Atzhorn und Prückner waren wiederum die Nachfolger der Hamburger Ermittler Stöver (Manfred Krug, l.) und Brockmöller (Charles Brauer). © dpa
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Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) hat sich aus Hamburg nach Münster versetzen lassen. Zusammen mit Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) geht er dort auf Spurensuche. © dpa
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Ihm ist die Tatort-Titelmusik zu verdanken: Klaus Doldinger komponierte die Melodie im Jahr 1970. Seine bekanntesten Werke sind die Titelmusik zu „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“. © dpa
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Das Kieler Team bilden Axel Milberg als Kommisar Klaus Borowski und Sarah Brandt. © NDR
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Simone Thomalla verkörpert seit 2008 im Tatort Leipzig Kommissarin Eva Saalfeld. Unterstützt wird sie von Andreas Keppler (gespielt von Martin Wuttke). © dpa
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Vor Thomalla und Keppler kümmerten sich um die Leipziger Fälle Peter Sodann (l.) und Bernd Michael Lade als Hauptkommissare Ehrlicher und Kain. © dpa
In Saarbrücken ermitteln zur Zeit Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück). Sie haben das Team... © dpa
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... Stefan Deininger (Gregor Weber, l.) und den bayerische Kommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner) abgelöst. © dpa
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Zuvor war Jochen Senf als Kommissar Palu in Saarbrücken auf Verbrecherjagd. © dpa
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Die Stuttgarter Fälle klären Richy Müller als Kommissar Thorsten Lannert und Felix Klare als Kommissar Sebastian Bootz. © dpa
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Zuvor ermittelte Hauptkommissar Bienzle (Dietz Werner Steck) bei den Stuttgarter Tatorten. © dpa
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Am Bodensee ermitteln Hauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel). © SWR/Schweigert
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Um die österreichischen Fälle kümmert sich Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). © dpa
Weimar: Nora Tschirner und Christian Ulmen ermitteln in einer Art "Event"-Tatort nur einmal im Jahr. © dpa
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In mehr als 700 Folgen ermittelten über 70 Ermittler. Manche kamen nicht über einen Fall hinaus, andere begleiten die Krimifans nun schon über Jahre hinweg. © dpa
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Einige Kommissare und der Tatort-Erfinder waren anlässlich der 600. Folge im Jahr 2005 zu Gast in der Talkshow „Beckmann“. © dpa

Hinter so viel Esprit muss der Fall automatisch zurücktreten. Und so bewegt sich die Geschichte der talentierten Tennisspielerin Nadine Petri (Anna Bullard), die intersexuell ist und um ihre Karriere fürchten muss, wenn dies bekannt werden sollte, hart an der Grenze zum Melodram (Regie: Franziska Meletzky). Die Lösung, dass Nadines ehrgeizige Familie die Vertraute der jungen Frau gemeinschaftlich umbringt und im Wasser versenkt, wirkt doch ein wenig konstruiert.

Es sind die schauspielerischen Leistungen (allen voran die Bullards), die „Zwischen den Ohren“ vor der Klamotte retten. Immerhin geht es um ein Phänomen, das die davon Betroffenen in existenzielle Krisen stürzt. Der Rest sind Spiele mit Geschlechterklischees – von den ach so harten Rockern bis zur vollherben Staatsanwältin (Mechthild Grossmann), die den Pullover auszieht wie ein „Er“.

Rolf Ogiermann

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