Tatort-Kritik: Ein herausragendes Paar

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Tatort Zug: Die beiden Hauptkommissare Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) ermitteln.

Hochmodern und ein beeindruckender Film noir: Was beim Frankfurter "Tatort" altertümlich scheint, ist mit "Der Tote im Nachtzug" vor allem eins: herausragend. Lesen Sie hier die Kritik!

Schon der Titel „Der Tote im Nachtzug“ klingt wie von „Der Kommissar“-Autor Herbert Reinecker erdacht, und auch die ersten Bilder haben etwas fast anheimelnd Altertümliches – ein Schienenstrang im morgendlichen Zwielicht, ein geheimnisvoller Reisender, ein Schaffner, ein Schlafwagen, über den die Zeit hinweggegangen ist (Kamera: Armin Alker). Doch tatsächlich ist dieser „Tatort“ (ARD) aus Frankfurt in seiner Machart hochmodern, eine Art Film noir der Gegenwart.

Das hat viel mit den neuen Ermittlern Conny Mey und Frank Steier zu tun, die so gegensätzlich sind und doch jeder für sich so authentisch. Nina Kunzendorf ist als flippige Kommissarin mit Hang zu billigem Chic so meilenweit entfernt von dem, was das deutsche Fernsehen sonst an Kriminalerinnen zu bieten hat (und das ist nicht wenig!), und auch Joachim Król hat man schon lange nicht mehr so gut gesehen wie hier als einsamen grauen Wolf.

Tatort: Die 18 Ermittler-Teams

Die Ermittler-Teams beim Tatort

Wie schon beim ersten Fall des Duos führte Lars Kraume Regie, er schrieb auch das Drehbuch nach einer wahren Begebenheit. Mag sein, dass der Krimi um Drogenhandel und rivalisierende Banden im Umkreis der Bundeswehr (auch) deshalb so stimmig ist und auch kleine Schlenker wie eine Schießerei im Hinterhof oder die Informationsbeschaffung in der Horizontalen aushält. Aber vor allem nimmt man den Hauptfiguren ihr Tun ab, die sich nicht nur darauf beschränken müssen, im Akkord Verdächtige abzuklappern, sondern tatsächlich am Tatort „arbeiten“ dürfen. Die Rekonstruktion des Tathergangs im Zug gehört zu den stärksten Szenen einer starken Episode, die auch noch mit einem starken Schluss aufwartet.

Auch wenn’s schwerfällt – Król und Kunzendorf sollten sich rar machen. Damit man auch noch in ein paar Jahren über ihre Einsätze sagen kann, sie seien wie dieser – herausragend!

Und das Fernsehpublikum scheint die neuen Frankfurter “Tatort“-Kommissare zu mögen. 9,30 Millionen Zuschauer schalteten am Sonntagabend den ARD-Krimi “Tatort: Der Tote im Nachtzug“ ein. Das war rund jeder vierte Fernsehzuschauer zur Hauptsendezeit (Marktanteil: 24,8 Prozent). Die Einschaltquote ihres zweiten Falls gehört zu den besten in der “Tatort“-Reihe in diesem Jahr.

Rudolf Ogiermann

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