"Tatort"-Kritik: Ist Köln wirklich so tolerant?

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Die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt)

Köln - Wenn eine Fernseh-Serie ein Jubiläum feiert, muss man als Zuschauer das Schlimmste befürchten. Beim 50. Kölner "Tatort" war diese Sorge unbegründet. Die Fernseh-Kritik: 

Allzugerne erliegen Drehbuchautoren und Redakteure der Verlockung, zur Feier des Tages eine ganz besonders komplexe (oder teure) Folge zu drehen. Gerne tauchen dann alte Weggefährten wieder auf, und am Ende ersäuft die ganze Episode in schwülstigem Pathos.

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Es sind Fehler, die Autor Mario Giordano und Regisseur Mark Schlichter beim 50. Kölner „Tatort“ erfreulicherweise nicht gemacht haben. Sie verzichten weitgehend auf Klamauk und Reminiszenzen – sieht man mal von einem netten „Wir sind wie ein altes Ehepaar“-Dialog zwischen den Kommissaren Ballauf (Klaus J. Behrend) und Schenk (Dietmar Bär) ab und dem diesmal besonders edlen Dienstfahrzeug, einem alten Cadillac Eldorado mit Heckflossen. „Altes Eisen“ ist eine dichte, im besten Sinne sozialkritische Milieustudie aus einem durchschnittlichen rechtsrheinischen Viertel geworden – und ein weit überdurchschnittlicher Krimi. Im Mittelpunkt steht die transsexuelle Trudi Hütten (hervorragend: Edgar Selge), eine Figur, die vor allem dazu da ist, eine Frage aufzuwerfen: Wie tolerant ist dieses ach so tolerante Köln wirklich?

Unterstützt wird Selge von einem überzeugend unsympathischen Tobias Oertel als zweifelhaftem Wettbürobetreiber und von Juliane Köhler als Polizeipsychologin Lydia. Dass es zwischen ihr und Ballauf nicht nur knistert, sondern funkt, ist ein genialer Einfall. Denn so darf sich der altgediente Kommissar weiterentwickeln. Zunächst in der Liebe, und als es dort nicht klappt, eben im Beruf. Das sorgt für Spannung zwischen ihm und seinem alten Kumpel Schenk – und beim Zuschauer. Was will man mehr von einer Jubiläumsfolge?

Thierry Backes

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