Tatort-Kritik: Leidender Besserwisser

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Überdrehte Kabbeleien: Jan Josef Liefers (l.) und Axel Prahl im aktuellen Münsteraner „Tatort“.

Münster - Seine große Liebe, der FC St. Pauli, ist so gut wie abgestiegen – und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) albert rum.

Als Magnus Vattrodt das Buch für „Herrenabend“ schrieb, konnte er natürlich nichts von der aktuellen Misere des Hamburger Fußballvereins wissen. Und doch ärgert man sich. Warum? Weil beim Münsteraner „Tatort“ (ARD) der jeweilige Fall seit einigen Folgen ganz deutlich hinter das (Privat-)Leben der Ermittler zurücktritt.

Warum auch nicht? Ihre überdrehten Kabbeleien haben Thiel und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) zu den beliebtesten Fernsehermittlern gemacht. Auch Vattrodt vertraut auf das komödiantische Talent der Darsteller und treibt das Spiel mit den charismatischen Figuren auf die Spitze, indem er Boerne in Bedrängnis bringt. Dass der um seine wissenschaftliche Reputation so bedachte Gerichtsmediziner einen Untoten für tot erklärt haben soll, ist für Thiel, für Boernes Assistentin „Alberich“ (Christine Urspruch) – und letztlich für die Zuschauer ein gefundenes Fressen. Den hochnäsigen Besserwisser ein wenig leiden zu sehen, ja, das macht richtig Spaß.

Da wollen wir gerne vergessen, dass „Herrenabend“ sehr konventionell und – wieder einmal – nur mittelglaubwürdig daherkommt (Regie: Matthias Tiefenbacher). Völlig beknackt ist etwa die Idee, Thiels Papa Herbert (Claus D. Clausnitzer) bei der Aufklärung des Falls helfen zu lassen. Der tuckert mit einem Taxi voller Hilfsgüter (und den Winterklamotten seines Sohnes, höhö) durch Osteuropa, wird dann kurzerhand nach Bulgarien beordert, um, per Internetvideo, auf einem leeren Acker stehend, zu belegen, dass eine Firma dort nur eine Scheinfirma ist. Mal ehrlich – das ist doch ein schlechter Witz, oder?

Alle Tatort-Teams im Herbst 2012

Thierry Backes

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