Tatort-Kritik: Surrealer Edgar-Wallace-Verschnitt

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Ulrich Tukur

Wiesbaden - Man hat den öffentlich-rechtlichen Anstalten oft vorgeworfen, nichts Neues zu wagen. Und sie für Experimente gelobt. Der Tatort mit Ulrich Tukur war ein Experiment. Aber ein Gelungenes?

Es spricht nichts dagegen, das in die Jahre gekommene, starre Korsett des „Tatort“ (ARD) aufzubrechen. Der Hessische Rundfunk hat dies auf seine Art versucht – und man weiß nicht so recht, was man davon halten soll.

Der Kriminalfall spielt in „Das Dorf“ nur eine Nebenrolle. Bei dieser surrealen Hommage an die Edgar-Wallace-Streifen der Sechzigerjahre (mit hübschen Film-Noir-Anleihen) geht es um Figuren und um Ästhetik. Zuerst zu letzterem: Kameramann Carl-Friedrich Koschnick zeichnet ein stimmungsvolles (Schwarz-Weiß-)Bild des Örtchens Daunstein im Taunus und seiner Bewohner. Hervorragend auch die Leistungen von Ulrich Tukur als Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot, von Thomas Thieme als „Pate von Daunstein“ und von Tobias Langhoff als seinem Schergen. Zu loben ist Autor Daniel Nocke für etliche erfrischende Dialoge, etwa den zwischen Murot und seinem Tumor „Lilly“, der in dem Satz gipfelt: „Ich wachse mit meinen Aufgaben.“

Andererseits opfert Nocke die Krankheit der nach einem Fall so vielversprechenden Figur Murots für drei absurde Tanzeinlagen. Das wirkt zu überdreht, zu künstlich. Die Grenzen zur Parodie sind so fließend, dass man darauf wartet, dass Oliver Kalkofe oder Bastian Pastewka irgendwann durchs Bild huschen, die Herren, die im Jahr 2004 mit der Edgar-Wallace-Parodie „Der Wixxer“ einen Kino-Erfolg feierten.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Thierry Backes

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