"Tatort"-Rückblick: Vier Thesen zum Ende der Saison

Toller Einstand: Die neuen Dresdner Ermittler Martin Brambach (von links, Peter Michael Schnabel), Karin Hanczewski (Karin Gorniak), Alwara Höfels (Henni Sieland) und Jella Haase (Maria Magdalena Mohr).

Mit der Berliner Folge „Wir - Ihr - Sie" endete am Sonntagabend die „Tatort"-Saison. Wir haben dazu vier Thesen aufgestellt.

Deutschlands beliebteste Fernsehreihe hat sich am Sonntagabend in die Sommerpause verabschiedet. Erst Ende August geht es weiter mit einem Fall aus Stuttgart. Wir wissen auch noch nicht, wie wir diese drei Monate überstehen sollen. Doch erst einmal schauen wir zurück und stellen vier Thesen auf. 

1. Es gibt kaum mehr Quoten-Ausreißer. 

Der „Tatort“ ist weiterhin das letzte Lagerfeuer, an dem sich die TV-Nation versammelt. Bessere Quoten als der Münster-„Tatort“ fährt sonst nur die Fußball-Nationalelf ein, wenn sie gewinnt. Mittlerweile ist aber auffällig, dass es bei den Zuschauerzahlen kaum noch Ausreißer nach unten gibt. Die Fan-Gemeinde rückt zusammen, wird treuer, aber auch abgeschotteter.

2. Das Publikum hat neue Lieblinge. 

Das Dresdner Team hat sich mit der Auftakt-Folge „Auf einen Schlag“ bestens eingeführt. Ihre Folge war komödiantisch, aktuell, sympathisch. Letzteres lässt sich von der neuen Kommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) aus Freiburg nicht sagen. Ihr SWR-Event-„Tatort“ war zudem unausgegoren.

Kein Quotengarant: Til Schweiger als Nick Tschiller. Fotos: nh

Bedauerlich war der Abschied von Petra Schmidt-Schaller als Kommissarin Katharina Lorenz neben Wotan Wilke Möhring. Die Geplänkel zwischen den beiden gingen (ebenso wie ihre Fälle) immer unter die Haut. Til Schweiger floppt als Ermittler Nick Tschiller sowohl im TV als auch im Kino. Die Idee, die Popularität des „Tatorts“ auszunutzen, um im Fernsehen dicke-Hose-mäßig Actionkino zu spielen, und dann sogar mit dem Fernsehformat ins Kino zu gehen, ging überhaupt nicht auf. Quotenflop. Im TV schalteten nur 7,69 Millionen ein, zum Kinoableger kamen knapp 280 000 Zuschauer.

3. Der „Tatort“ wird immer vielfältiger. 

Nicht erst diese Saison hat der Erfolg des „Tatort“ zu einer Krimiflut geführt. Auch auf anderen Programmplätzen setzen die Anstalten auf dieses Genre statt auf Vielfalt mit Dramen oder Komödien. Zugleich war die „Tatort“-Reihe noch nie so abwechslungsreich wie heute.

Es gibt Komödien wie in Münster. Auch in Weimar und Dresden darf laut gelacht werden. Action-Fans kommen bei Nick Tschiller in Hamburg auf ihre Kosten. In Dortmund werden gern kleine psychologische Studien erzählt und in Berlin ist ein harter Realismus zu Hause, wie man ihn aus dem Kino kennt.

Steht für Experimente: Ulrich Tukur als Ermittler Felix Murot.

Das ist eine gute Entwicklung, gefällt aber längst nicht jedem. Als Ulrich Tukur im Dezember in „Wer bin ich?“ nicht nur den HR-Ermittler Felix Murot, sondern auch sich selbst spielte, fragten Fans, ob diese Parodie auf das Krimiformat überhaupt noch ein „Tatort“ war. Natürlich war er das. Im 46. Jahr seines Bestehens kann der „Tatort“ alles sein.

4. Die Community-Bildung wird immer stärker. 

Krimi-Fans sitzen sonntagabends nicht mehr nur gebannt vor den Fernsehbildschirmen: Sie nutzen Smartphone oder Tablet als sogenannten „Second Screen“ und kommentieren das Filmgeschehen fleißig in den sozialen Netzwerken, allen voran bei Twitter. Inzwischen hat sich eine richtige „Tatort“-Community gebildet.

Um die Fans noch stärker an sich zu binden, gibt es seit Anfang Mai für iOS- und Android-Geräte in den jeweiligen Stores eine kostenlose „Tatort“-App. Damit können die Zuschauer als Sofa-Kommissare beim Gucken den Fall parallel per Smartphone und Tablet lösen. Auch die Hintergrundmusik bei den Krimis wird von der Community thematisiert: Einige Nutzer stellen sogar Playlisten der Lieder ins Netz.

Hintergrund: Die beliebtesten Folgen der „Tatort“-Saison

1. „Schwanensee“: Münster, 13 Mio. Zuschauer

2. „Ein Fuß kommt selten allein“: Münster, 12 Mio.

3. „Rebecca“: Bodensee, 11 Mio.

4. „Kartenhaus“: Köln, 10 Mio.

5. „Spielverderber“: Hannover, 10 Mio.

6. „Die letzte Wiesn“: München, 10 Mio. (dpa)

Lesen Sie auch unsere Kritik zum Tatort in Berlin: Wuchtiger Realismus

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