Tatort-Star Mark Waschke: „Sexszenen machen großen Spaß“

Einer der gefragtesten deutschen Schauspieler: Mark Waschke ermittelt seit einem Jahr als Robert Karow in Berlin. Foto: rbb

Mark Waschke ist einer der besten deutschen Schauspieler - und sein Robert Karow einer der geheimnisvollsten "Tatort"-Ermittler. Nun hat sein Kommissar auch noch sehr freizügigen schwulen Sex.

Der Berliner „Tatort“ hat drei Hauptdarsteller: Mark Waschke und Meret Becker als Kommissare sowie die Stadt selbst. Die Ermittler bewegen sich in den Abgründen der Metropole. In der sehenswerten Folge „Wir - Ihr - Sie“ von Torsten C. Fischer (Regie) und Dagmar Gabler (Buch) am Sonntag (20.15 Uhr, ARD) müssen Robert Karow und Nina Rubin den Mord an einer Mutter aufklären, die im Parkhaus eines Shoppingcenters brutal überfahren wird. Wir sprachen mit dem 44-jährigen Waschke vor dem letzten „Tatort“ vor der Sommerpause.

Der neue Berliner „Tatort“ hat eine unglaubliche Wucht. Man ist schockiert über empathielose Jugendliche und überforderte Eltern. Woher kommt diese Gefühlskälte? 

Mark Waschke: Das weiß ich auch nicht. Die Geschichte hat eine große kathartische Kraft: Nachher ist der Fall zwar aufgeklärt, aber das Unheimliche im Alltäglichen bleibt bestehen - und ist vielleicht noch größer als vorher. Auch deswegen glaube ich, dass es bislang unser bester „Tatort“ ist.

Neben dem Fall wird erneut eine zweite Geschichte um Karows Vergangenheit erzählt, die man aber leicht vergisst, weil nur zwei Folgen pro Jahr laufen. Wie schwierig ist horizontales Erzählen in diesem Format?

Waschke: Das ist schon schwierig, aber ich mag es, wenn ich in einen spannenden Film reinschalte und nicht alles verstehe. Man spürt dann, dass die Figuren noch mit etwas anderem beschäftigt sind als nur dem Fall. Diese Filme sind unberechenbarer.

Ist Karow nun gut oder böse? 

Waschke: Können Sie von sich sagen, ob Sie im Herzen ein Guter oder ein Böser sind?

Ich überlege jeden Tag neu. 

Waschke: So geht es mir auch. Gut oder Böse und Sympathisch oder Unsympathisch sind für mich keine Kategorien bei Charakteren. Es geht um Empathie. Man versucht zu verstehen, warum jemand etwas tut. Ist das gut geschrieben und gespielt, fühle ich sogar mit einem Schwerverbrecher mit. Es ist in Ordnung, dass Karow Seiten hat, die man noch nicht versteht.

Klar ist aber, dass er auf Männer steht. Kann es sein, dass am Montag mehr Menschen über Ihre sehr freizügige schwule Sexszene reden als über den eigentlichen Fall? 

Waschke: Schauen wir mal. Ich finde es schön, dass es einfach so passiert. Der Sänger Morrissey hat mal gesagt, dass er es unglaublich langweilig findet, wie viel Wert auf Sex gelegt wird. Für ihn existiert Heterosexualität ebenso wenig wie Homosexualität. Letztlich wollten doch alle das Gleiche. Das spricht mir aus der Seele.

Wie war es, die Szene zu drehen? Sind Sexszenen für Schauspieler nicht das Schlimmste? 

Waschke: So etwas macht großen Spaß (lacht). Sexszenen sind Choreografien und haben etwas mit Verabredungen zu tun. Meistens sind weniger Leute beim Dreh. Man hat seine Ruhe, kann sich darauf konzentrieren, was wichtig ist, und sich treiben lassen.

Alle Figuren schauen ständig aufs Smartphone. Sie sind nicht mal bei Facebook. Wie gehen Sie mit der Digitalisierung um? 

Waschke: Ich habe mal gehört, dass es auf Facebook eine Mark-Waschke-Fangruppe mit 130 Mitgliedern gibt. Soziale Medien nutze ich nicht wirklich. Immerhin habe ich jetzt ein Smartphone - aber nur um zu fotografieren. Mir fehlten einfach Bilder, weil ich nur so ein Steinzeit-Handy hatte. Vielleicht werde ich das Smartphone auch wieder abschaffen. Ich fühle mich analog wohler.

Wie kommt es, dass das Fernsehen immer mehr Theaterleute wie Fabian Hinrichs, Dagmar Manzel und Sie engagiert? 

Waschke: Das ist keine neue Entwicklung. Vielleicht bringen wir etwas mit, das die anderen, die ich nicht abwerten will, nicht mitbringen. Ein gestalterischer Wahnsinn, der sich nicht nur im Authentischsein erschöpft und der sein Auge nach menschlichen Abgründen aufhält, der ist mit Leuten, die auch Theater spielen, vielleicht eher zu machen.

Privat schauen Sie gern US-Serien. Ist das deutsche Fernsehen im Vergleich zum amerikanischen wirklich so schlecht? 

Waschke: Nein, aber man kann von den Amerikanern lernen, sich nicht zu sehr von möglichen Zuschauerreaktionen leiten zu lassen. Die erste Staffel der später gefeierten Serie „Sopranos“ war auch kein Hit. Da braucht man mehr Mut. Die Öffentlich-Rechtlichen sind das reichste Bezahlfernsehen der Welt. Daraus muss man etwas machen. Und wenn nur zweieinhalb Millionen einschalten, darf man ein spannendes Format nicht wieder auf 23 Uhr verschieben.

Zur Person 

Geboren: am 10. März 1972 in Wattenscheid als Sohn eines Arztes und einer Krankenschwester

Ausbildung: Philosophiestudium (abgebrochen), Schauspielstudium an der renommierten Berliner Schule Ernst Busch, wo Waschke Teil der legendären Klasse mit Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Nina Hoss und Devid Striesow war.

Karriere: Waschke gehörte von 1999 bis 2008 zum Ensemble der Berliner Schaubühne, wo er auch heute noch oft zu sehen ist. Außerdem spielte er unter anderem am Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Hamburg.

Wichtigste Filme: „Mitte 30“ (2007), „Buddenbrooks“ (2008), „Barbara“ (2012)

Privates: Waschke lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin

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