ARD, Samstag 20.15 Uhr

Thriller: Fiktiver Journalist versucht, den „Fall Barschel“ zu lösen

Ein legendäres Foto aus dem „Stern“, nachgestellt für den Spielfilm „Der Fall Barschel“: Spitzenpolitiker Uwe Barschel (Matthias Matschke) liegt tot in der Badewanne des Genfer Hotels „Beau Rivage“. Fotos: ard/Rabold

Ein Ministerpräsident überlebt einen Flugzeugabsturz, stolpert aber über einen angeblich von ihm angezettelten Schmierenskandal, tritt zurück und liegt wenig später tot in einer Hotelbadewanne.

Das ist ein Abriss der letzten Monate im Leben des schleswig-holsteinischen Politikers Uwe Barschel und einer der größten Politskandale der Bundesrepublik. Eine Geschichte, die Stoff für eine ganze Serie geboten hätte. Trotzdem ist der Politiker im faszinierenden Filmepos „Der Fall Barschel“ bereits in Minute 27 tot. Barschel bleibt ein Mysterium, das der Journalist David Burger (Alexander Fehling) entschlüsseln will.

Burger ist Fiktion. Ehrgeizig, jung und ziemlich arrogant, wird er brillant von Alexander Fehling („Goethe!“, „Homeland“) gespielt. Ein Journalist, der mit Kollege und Kumpel Olaf Niessen (Fabian Hinrichs) bei einer Hamburger Zeitung arbeitet. Manchmal schreiben sie über Barschel, aber ihr Hauptaugenmerk wird er erst, als er in einer Pressekonferenz den Satz äußert: „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! – dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“ Das sind sie nicht, beweisen die beiden und die Redaktion feiert. Dann stirbt der Politiker und wird zur Obsession für Burger. An seiner Seite versinkt man immer tiefer in einen politischen Morast ein, der einen zu verschlingen droht.

Die Erfindung von Burger ist ein gelungener Kunstgriff von Regisseur und Autor Killian Riedhof („Riekes Liebe“, „Homevideo“). Indem er Burger recherchieren lässt, werden viele Theorien um den Tod Barschels beleuchtet. Während in der Realität und im Film recht schnell vom Selbstmord ausgegangen wird, gibt es Indizien, die auf Mord via Geheimdienst hindeuten. Denn in grobkörnigen, nachgestellten Rückblenden wird gezeigt, dass Barschel in illegale Waffengeschäfte verstrickt war, der DDR eine überraschende Menge Besuche abstattete und an einem verbotenen U-Boot-Deal mit Südafrika beteiligt gewesen sein soll.

Verliert sich auf der Suche nach der Wahrheit: Alexander Fehling als Journalist David Burger.

Das ist viel, auch für den Zuschauer. Manchmal wünscht man sich eine Atempause, Aspirin und eine Grafik. Doch die Geschichte entwickelt eine Sogwirkung, die die Überlänge fast vergessen macht. Bei dem Versuch, diesen gordischen Knoten zu lösen, verschwimmt irgendwann die Grenze zwischen intensiver Recherche und Verschwörungstheorien. Burgers Begegnungen werden zunehmend surrealer und er paranoider. Der Journalist distanziert sich von Freunden und Familien, seinem Chef Walter Brauneck (Edgar Selge) und nimmt irgendwann Pillen, um weitermachen zu können. Dabei stempelt der Film ihn aber keineswegs als Spinner ab.

Denn die genauen Umstände, unter denen Barschel starb, sind bis heute nicht geklärt. Seit dem Tod des Politikers vor fast 30 Jahren gingen Beweise mehrfach verloren, Zeugen verstarben, zwei Untersuchungsausschüsse tagten und ein weiterer Ministerpräsident, Björn Engholm, stolperte über den Fall. Derweil bleibt die Akte Barschel laut Bundesverwaltungsgericht bis mindestens 2021 unter Verschluss.

Weiter Licht ins Dunkel zu bringen, versucht ab 23.10 Uhr die ARD-Dokumentation „Uwe Barschel - Das Rätsel“ von Patrick Baab und Stephan Lamby.

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