Krimi aus Köln

Tödlicher Konkurrenzkampf: Karnevals-„Tatort“ nimmt Tanzgarde unter die Lupe

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Die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Schenk (Dietmar Bär) fühlen der Mutter des Suizidopfers, Martina Pösel (Milena Dreißig), auf den Zahn.

Köln, wie es tanzt und mobbt: Der Karnevals-Fall „Tanzmariechen“ aus der Feder von Jürgen Werner fokussiert den Neid, die Missgunst und den Konkurrenzkampf in einer Gardetanzgruppe. Regie führte Thomas Jauch.

Worum geht’s im neuen Kölner „Tatort“?

Kurz nachdem eine der Tänzerinnen Selbstmord begangen hat, wird die Tanztrainerin Elke Schetter (Katja Heinrich) ermordet. Der Verdacht fällt auf Rainer Pösel (Tristan Seith), den Vater des Mädchens. Doch auch der prestigesüchtige Vereinspräsident Günther Kowatsch (Herbert Knaup) und die Tänzerinnen Saskia (Sinja Dieks) und Anika (Natalia Rudziewicz) geraten ins Visier der Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär).

Wie viel Karneval steckt im aktuellen Fall?

Wenig. Der Fall spielt in der Zeit unmittelbar vor Karnevalsbeginn. Mehr als um das bunte Treiben an Rosenmontag geht es um den Erfolgsdruck, der auf die Protagonisten des Karnevals, auf Gardetänzerinnen und Büttenredner, ausgeübt wird und welch fatale Folgen der Konkurrenzkampf in der närrischen Gesellschaft haben kann.

Um was geht es in „Tanzmariechen“ noch?

Auch das Thema Cybermobbing spielt eine zentrale Rolle. Die 16-jährige Evelyn Pösel (Stella Holzapfel) ist die beste Tänzerin der Gruppe und soll das nächste Tanzmariechen werden – sehr zum Missfallen ihrer Mittänzerinnen. In sozialen Netzwerken wird sie bloßgestellt. Das ist zu viel für den Teenager. Sie springt von einer Brücke.

Ist der Film also mehr Drama als Krimi?

Nein. Mit der toten Tanztrainerin gibt es auch eine ganz klassische, ermordete Leiche und die Geschichte um den Suizid tritt nach etwa der Hälfte des Films ein wenig in den Hintergrund. Die Anlage zum Familiendrama ist aber definitiv vorhanden.

Und was machen eigentlich die Kommissare?

Ballauf und Schenk laufen den Geschehnissen eher hinterher. In den entscheidenden Szenen wirken sie etwas hölzern und behäbig. Dafür dürfen sie auf dem Revier noch einen Nebenplot eröffnen. Schenk beauftragt den Lebensgefährten seines homosexuellen Kollegen Tobias Reisser (Patrick Abozen) damit, ein Karnevals-Kostüm für seine Enkelin zu besorgen und sieht sich mit seiner eigenen Homophobie konfrontiert.

Lohnt es sich, bei „Tanzmariechen“ einzuschalten?

Der Krimi ist solide, aber sicher kein „Tatort“, der in die Geschichte eingehen wird. Dafür verschenkt er einfach zu viel von seinem Potenzial. Gerade die „dramatischen“ Szenen wirken unbeholfen. Dafür sind vor allem die stillen Momente mit Milena Dreißig als Martina Pösel, der Mutter des Suizidopfers, stark.

Die Kritik lesen Sie Sonntagabend auf www.hna.de/kultur.

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