Trotz Pilawa: "Sing wie Dein Star" floppt

Münchnerin verliert gegen Stefan Raab

+
Stefan Raab war wieder einmal nicht zu schlagen.

Berlin - RTL hat bei der Castingshow "Rising Star" die Notbremse gezogen, auch "Sing wie dein Star" enttäuschte. Sieger des TV-Abends war Stefan Raab, gegen den eine Münchner Kandidatin knapp verlor.

Die neuen Showideen der deutschen Fernsehsender treffen ganz offenbar nicht den Geschmack der Zuschauer. Nach vielen bereits gescheiterten Anläufen mit neuen Formaten musste auch ARD-Aushängeschild Jörg Pilawa am Samstagabend erkennen, dass das Thema seiner neuen Sendung mit dem Titel „Sing wie Dein Star“ nicht besonders attraktiv ist.

Lediglich 2,43 Millionen Zuschauer schalteten am Samstagabend um 20.15 Uhr ein, als deutschsprachige Prominente wie Schlagersängerin Michelle, Schauspielerin Janina Hartwig, Moderatorin Inka Bause, Komiker und „heute-show“-Reporter Lutz van der Horst, Gewichtheber Matthias Steiner, Schauspieler Francis Fulton-Smith erstmals bekannte Musiker imitierten. Der Marktanteil betrug 9,5 Prozent und lag damit unter dem Schnitt des „Ersten“ (knapp 13 Prozent).

"Rising Star": RTL zieht Reißleine

Gleichzeitig fiel die RTL-Show „Rising Star“, in der das Publikum per Smartphone-App über das Wohl und Wehe der Castingkandidaten abstimmt, auf einen neuen Tiefstand: Nur noch 1,11 Millionen Zuschauer (4,1 Prozent) schalteten die sechste Ausgabe der Reihe ein. Im übrigen ignoriert auch das von allen erhoffte junge Publikum neue Shows: „Rising Star“ auf RTL kam am Samstag bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern, in der Branche als „werberelevant“ bezeichnet, auf schlechte 5,9 Prozent.

Als Konsequenz aus dem Debakel wird der Kölner Privatsender den Gesangswettbewerb im Schnelltempo durchnudeln, anstatt sie wie geplant am 2. Oktober zu Ende zu bringen, wie der Branchendienst dwdl.de berichtet. Wie das genau aussehen soll, wird bis Montag verkündet. 

Raab beschämt Münchner Fitnesstrainerin

Die Sieger des Abends waren alt eingesessene Platzhirsche: Die ZDF-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“, die 4,14 Millionen Menschen (15,6 Prozent) einschalteten, und das ProSieben-Spektakel „Schlag den Raab“. Der Entertainer setzte sich im ersten Duell nach der Sommerpause in 14 Spielen gegen die 28-jährige Liane Weber aus München durch.

Die Fitnesstrainerin war die einzige weibliche Kandidatin, die gegen den TV-Tausendsassa angetreten war. Die ersten fünf Spiele des knapp fünf Stunden langen Abends entschied der 47-Jährige für sich und hatte darauf mit 15:0 die Nase vorn. Nicht nur bei den Wissens- und Geschicklichkeitsspielen überzeugte meist Raab, auch die Sport-Challenges konnte das eher nicht für seine Fitness bekannte Multitalent erstaunlich oft für sich entscheiden. Da half auch die Aufholjagd wenig, zu der sich die mehr und mehr verzweifelnde und angesichts der Siegprämie von zwei Millionen Euro sichtlich nervöse Blondine aufraffte.

Zwischenzeitlich verkürzte sie zwar auf 41:37, doch dann baute der ehrgeizige und routinierte Raab seinen Vorsprung weiter aus. Ausgerechnet der Hürdenlauf brachte dann den Gesamtsieg. Auch quotentechnisch war das mit 2,75 Millionen Zuschauern (12,8 Prozent) der Abend des 47-Jährigen. Der Jackpot liegt jetzt bei 2,5 Millionen Euro, die im November nach einem neuen Eigentümer suchen.

Das waren die bisherigen Show-Flops des Jahres

Seit Jahresbeginn sind bereits einige Shows auf die Nase gefallen: Hart traf es die beiden ProSieben-Formate „Millionärswahl“ und „Keep Your Light Shining“ - die Zuschauer liefen in Scharen davon. Pilawa hatte im ARD-Programm zuletzt auch mit seinem Dreiteiler „Quizonkel.TV“ nicht besonders viel Glück. „Die große Überraschungsshow“ mit Michelle Hunziker und „Die große Grillshow“ im ZDF kamen nicht an. Unter einem schlechten Stern stand Johannes B. Kerners Zweiteiler „Deutschlands Beste“ - allerdings nicht wegen der Quoten, sondern wegen manipulierter Rankinglisten.

"Wetten, dass..?" wir diese Show vermissen werden

VERSTECKTE UND OFFENE WERBUNG: Wegen Gummibärchen (im Bild) und schicken Neuwagen stand die Show immer wieder im Verdacht, nicht nur unterhalten, sondern auch Kaufbegierden wecken zu wollen. Dem ZDF wurde Schleichwerbung vorgeworfen. Ganz offen trommelten hingegen die Promis auf der Couch für ihre neue Alben, Bücher und Filme. © dpa
WELTSTARS, DIE ZUM FLIEGER MÜSSEN: Bill Gates, Elton John, Michael Jackson, Paul McCartney, Madonna - außer vielleicht dem Papst gaben sich bei „Wetten, dass..?“ die bekanntesten Menschen der Welt die Klinke in die Hand. Die Superstars tauchten häufig nur für einen Song oder ein paar Sofa-Minuten auf, bevor sie sich wieder aus dem Staub machten. Am Wochenende bestellte Hape Kerkeling der US-Schauspielerin Cameron Diaz (im Bild) direkt vom Sofa aus ein Taxi zum Flughafen. © dpa
TOBENDE PROVINZHALLEN: Die Show verhalf auch eher unscheinbaren Städten zu einem Millionenpublikum. Böblingen, Offenburg, Xanten und Dornbirn in Österreich - selbst kleine Mittelzentren kamen bei „Wetten, dass..?“ groß raus. Die Einheimischen hielten begeistert ihre Plakate hoch, der Moderator winkte lachend zurück. Im Bild: Eine Reinigungskraft nach einer Sendung in Offenburg. © dpa
QUOTENDISKUSSIONEN: Nicht nur wegen peinlich wirkender Einlagen steckte Moderator Lanz viel Kritik ein. Über die Quote der Sendung wurde häufig mehr geredet als über ihren Inhalt. In der Februar-Ausgabe waren die Zuschauerzahlen erstmals unter die Sechs-Millionen-Marke gerutscht. Den historischen Rekord verbuchte Frank Elstner 1985 mit 23,42 Millionen Zuschauern. Bild: Markus Lanz im Schokoladen-Bad nach der verlorenen Stadtwette in Wien. © dpa
SPRÜCHE UND SLOGAN: Der berühmte Spruch „Top, die Wette gilt!“ gab stets den Startschuss für munteres Papierbootfalten und Stifteriechen. Mit den zwei Worten „Wetten, dass..?“ wurden vorher die Wetten präsentiert. Dabei fehlt dem Slogan eigentlich der dritte Punkt - und dem Logo der Sendung das Komma. Im Bild: Der erste Moderator und Erfinder der Sendung Frank Elstner. © dpa
ÜBERLÄNGE: Trotz akribischer Planung ging die Show regelmäßig in die Verlängerung. Schon die Premiere 1981 dauerte 43 Minuten länger als geplant. Drei Jahre später machte Frank Elstner aber auch einmal 12 Minuten früher Schluss. Thomas Gottschalk brachte es im Dezember 1996 auf ganze 73 Minuten Überlänge - was vielleicht auch an Gästen wie Michail Gorbatschow (im Bild) und Arnold Schwarzenegger lag. © dpa
GEMECKER ÜBER MODERATOREN: Auch vor Markus Lanz konnte es kein Moderator dem Publikum in der 33-jährigen Show-Geschichte wirklich recht machen. Elstner galt als piefig, Lippert als brav-bieder, Gottschalk war den Kritikern anfangs zu frech und später zu flach. Lanz wirkte auf manchen Zuschauer zu smart und steif für den Job. Im Bild: Die Moderatoren Frank Elstner, Thomas Gottschalk und Wolfgang Lippert (v.l.n.r.). © dpa
TV-LAGERFEUER: „Wetten, dass..?“ wurde über die Jahre zu einem Familienereignis und zur ernsthaften Bedrohung für jedes Brettspiel. An vielen Samstagen lockte die Sendung in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrere Generationen gemeinsam vor die Mattscheibe. Bild: Moderator Frank Elstner bei seiner letzten "Wetten, dass..?"-Sendung 1987. © dpa
SAAL- UND STADTWETTEN: Ein Donauwalzer auf dem Rathausplatz, eine finnische Sauna in der Straßenbahn, menschliche Weihnachtsbäume und Professoren, die in Krokodilskostümen das Lied „Schni-Schna-Schnappi“ singen - mit kuriosen Stadt- und Saalwetten forderten die Showmaster ihre Zuschauer heraus. Das Einlösen der Wettschulden führte zu den lustigsten und teils auch peinlichsten Momenten der Sendung. Im Bild: Bei einer Stadtwette in Halle stellen sich die Einwohner in gelben Pullovern in Form eines Riesenpullis auf. © dpa
OTTONORMALBÜRGER MIT SCHRILLEN HOBBYS: Waschmaschinen stapeln, VW-Busse umblasen, Telefonbücher zerreißen, Musiktitel an zuckenden Brustmuskeln erraten: Mit Hunderten Wetten offenbarten ganz gewöhnliche Bürger eher ungewöhnliche Hobbys. Im Bild: Achim Jehler, der 2007 an Schmatzgeräuschen Kühe erkannte, den damaligen Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Bernd Fritz, bei der Buntstifte-Wette, Border-Collie "Rico", der Spielzeuge erkannte und Thomas Schuster bei der Fußgeruch-Wette. © dpa

Aber auch alte Traditionsshows musste zuletzt Federn lassen: Der ZDF-Klassiker „Wetten, dass..?“, vor wenigen Jahren noch zuverlässig mit mehr als zehn Millionen Zuschauern pro Folge, stürzte ab und wird eingestellt. Der RTL-Castingklassiker „Deutschland sucht den Superstar“, der im Winter in die 12. Staffel geht, lässt das Publikum weitgehend kalt - vermutlich auch nicht zuletzt deswegen, weil viele Shows rund ums Thema Musikcasting auf dem Markt inzwischen ihr Glück versuchen.

Unter dem Strich dürfen sich Fußball und Fiction als Sieger bezeichnen: Die WM lief wie geschmiert, der „Tatort“ hat schwindelnde Höhen erreicht, auch der ZDF-Film am Montag läuft sehr gut.

dpa/hn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.