Interview

TV-Kommissar Koeberlin: "Es gibt genug Ermittler"

Der Frankfurter Kommissar Marthaler hat seine Wurzeln in Nordhessen - Autor Matthias Altenburg stammt aus Baunatal. Wir sprachen mit Matthias Koeberlin, der den Ermittler im ZDF spielt.

Mit dem Frankfurter Kommissar Robert Marthaler hat der aus Baunatal stammende Schriftsteller Matthias Altenburg alias Jan Seghers eine Bestsellerreihe gelandet. Regisseur Lancelot von Naso hat für das ZDF nun schon das vierte Buch verfilmt. 

Matthias Altenburg

In „Engel des Todes“ geht es an diesem Montag (20.15 Uhr) um einen Kunstraub, einen lange zurückliegenden Prostituiertenmord und korrupte Polizisten. Selbst die Nebenrollen sind mit Stars wie Julia Jentsch hochkarätig besetzt. Wir sprachen mit Hauptdarsteller Matthias Koeberlin (41).

Matthias Altenburg sagt, Sie seien ein toller Schauspieler, weil Sie „nicht viel reden, fuchteln und machen müssen, um alles auszudrücken“. Liegt Ihnen das reduzierte Spiel?

Matthias Koeberlin: Ich mag dieses reduzierte Spiel tatsächlich sehr gern. Darum versuche ich, möglichst wenig zu sagen und lieber die Augen und Gesten sprechen zu lassen. Für mich hat das mindestens so eine Wucht wie das genaue Gegenteil. Ich sehe auch selbst gern Schauspieler, die wenig machen und doch viel sagen. Das ist wahnsinnig schwierig.

Ihr Marthaler ist jünger und auch sonst anders als der Marthaler aus den Büchern. Was wollten Sie dieser Figur, die weder mit ihrem Tumor redet noch einen anderen Tick hat, mit auf den Weg geben?

Koeberlin: Marthaler ist ein leicht verschrobener, eigenbrötlerischer und auch sturer Kerl, der sich bis zur Selbstaufgabe in seine Fälle verbeißt. Diesen harten Arbeiter wollte ich authentisch zeigen. Mich hat es damals übrigens überrascht, dass sich die Produzentin Susanne Freyer für mich entschieden hat. Ich bin deutlich jünger als die Figur im Roman und sehe auch anders aus. Aber gerade weil wir nicht so viel gemeinsam haben, wollte ich Marthaler eine eigene Farbe geben.

Was zeichnet die Krimis von Altenburg aus?

Koeberlin: Zum einen mag ich das Lokalkolorit. Ich bin in Mainz geboren und kenne auch Frankfurt gut. Zum anderen mag ich den Stil von Matthias. Seine Bücher sind sehr dicht und atmosphärisch.

Für jemand, der gar nicht Schauspieler werden wollte, sind Sie gut im Geschäft. Dabei wollten Sie Reporter werden.

Koeberlin: Das stimmt, zur Schauspielerei hatte ich zunächst keinen Bezug. Ich habe nicht einmal Schultheater gespielt. Ursprünglich wollte ich zur Zeitung gehen, hatte aber ein sehr schlechtes Abi. Dann hatte meine Mutter die Idee, dass ich mich an der Hochschule in Babelsberg bewerben soll. Ich wurde tatsächlich genommen und habe erst während des Studiums gemerkt, dass das etwas für mich sein könnte. Diese verschlungenen Pfade haben mir geholfen, auch längere Geduldsproben zu überstehen.

Was würden Sie machen, wenn Sie das Angebot bekämen, „Tatort“-Kommissar zu werden?

Koeberlin: Dann müsste ich lange überlegen. Es gab schon mal ein Angebot. Ich sollte den Kollegen von Jörg Hartmann in Dortmund spielen. Ich habe dann aber abgesagt.

Müsste die Politik angesichts der Fülle an Kommissaren nicht eine Obergrenze für TV-Krimis einführen?

Koeberlin: Das wäre eine Idee. Ich finde auch, dass es genug Ermittler gibt. Andererseits haben die Zuschauer von den Krimis offensichtlich noch nicht genug, wie die Quoten zeigen.

Müssen sich deutsche Autoren immer noch hinter den viel gelobten Kollegen aus den USA und Skandinavien verstecken?

Koeberlin: Nein, aber ihr Umfeld ist ein anderes. In anderen Ländern herrscht eine größere Freiheit, Stoffe anders anzupacken und konsequenter zu erzählen. Aus einem sperrigen Stoff kann ebenfalls eine spannende Serie werden. Aber es hat sich schon einiges geändert, wie die Serien „Weissensee“ und „Deutschland 83“ gezeigt haben.

Aber nach „Deutschland 83“ wurde bei RTL vor allem über die schlechte Quote geredet.

Koeberlin: Das ändert nichts daran, dass das Format gelungen ist. Es ist ein großer Irrglaube, dass Qualität immer gleichbedeutend mit Quote sei. Es darf einem keine Angst machen, wenn mal weniger Leute einschalten.

Zur Person

Geboren: am 28. März 1974 in Mainz.

Ausbildung: Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg.

Karriere: Nach Theaterengagements wurde Koeberlin 2002 mit dem Abenteuerfilm „Das Jesus Video“ bekannt. Für „Tornado - Der Zorn des Himmels“ bekam er 2007 den Deutschen Fernsehpreis.

Privates: Lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind in Köln.

Hobbys: Schlagzeug spielen und gärtnern („Andere machen Yoga, ich topfe Blumen um“).

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