TV-Kritik: Großes Durcheinander bei Anne Will

Im neuen Studio: Über das Thema „Nach Köln - Höchste Zeit für eine neue Flüchtlingspolitik?“ sprachen Stefan Aust (Herausgeber/Chefredakteur „WeltN24“, v. l.), Peter Altmaier (CDU), Anne Will, Gesine Schwan (SPD), Psychologe Ahmad Mansour. Foto: ndr

Anne Will lieferte bei ihrer Rückkehr zum Sendeplatz am Sonntag keine Talk-Meisterleistung ab. Es ging - wie sollte es anders sein - um die Flüchtlingspolitik.

Niemand hätte erwarten dürfen, dass Anne Will die Talkshow neu erfindet. Aber die 49-Jährige ging bei ihrer Rückkehr auf den prominenten Sonntags-Sendeplatz zu Werke wie ein Fußballer, der nach Spielen in der zweiten Mannschaft in die erste Elf zurückkehrt: übermotiviert.

Es war klar, dass Will aggressiver reingrätschen würde als ihr Vorgänger Günther Jauch, der, statt zu moderieren, in seiner Talkrunde manchmal saß wie ein verwunderter Zuhörer. Will hingegen unterbrach übereifrig, ehe ihre Gäste überhaupt einen Gedanken äußern konnten. So war die erste Ausgabe zerfahren, obwohl – und das ist grundsätzlich eine gute Idee – nur vier Debattanten miteinander stritten.

Der Flüchtlingszustrom, die Integration längst hier lebender Migranten, die Ereignisse von Köln – die Stunde war thematisch schlicht überfrachtet.

Peter Altmeier, Leiter des Kanzleramts, dominierte die Diskussion und ließ sich als hochtouriger Streiter für seine Chefin kaum bremsen. Psychologe Ahmad Mansour hätte sicher viel Wertvolleres beisteuern können, wenn er die Gelegenheit gehabt hätte. Einmal noch erinnerte er ans Stichwort Integration, als es längst nur noch um die offenen Grenzen ging, und war dann für die letzten 20 Minuten komplett abgemeldet. Ex-„Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust saß auf dem ganz hohen Journalistenross. Er arbeitet jetzt für den konservativen Springer-Verlag und sprach auch so. Man konnte Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan (SPD) verstehen, dass sie angesichts seines Mantras der hohen Zahlen, ohne selbst irgendwelche Lösungen oder auch nur Ideen zu liefern, aus der Haut fuhr.

Und das Setting im neuen Studio? Gediegen, geräumig. Irritierend die vielen kleinen blauen Bildschirme im Hintergrund. Die Zuschauer sitzen entfernt wie Zaungäste, werden aber von Kameras unvorteilhaft nah aus der Untersicht eingefangen. Ebenfalls Beifall klatschend im Publikum: Wills Partnerin Miriam Meckel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.