Geschichte einer Radikalisierung 

TV-Kritik zum Kieler Tatort: Krimi war fast egal

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Kommissar Borowski (Axel Milberg, l.) und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ermitteln. Jürgen Prochnow kommt ihnen dabei als Staatsschützer Kesting in die Quere.

Der Kriminalfall war fast nur Beiwerk. Im Kieler "Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen" ist es die Nebenhandlung, die punktet, findet HNA-Kulturredakteurin Bettina Fraschke.

Der Kriminalfall hatte es hier schwer. Wer da wen auf dem Gewissen hatte, interessierte kaum. Die Auflösung des Mordes war zwar recht verblüffend, aber letztlich völlig nebensächlich. Und auch ein internationaler Star wie Jürgen Prochnow blieb am Rande. Denn das Beeindruckende am Kieler „Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen“ war die Geschichte, die neben der Krimihandlung erzählt wurde.

Die 17-jährige Julia (Mala Emde) radikalisierte sich, empfand das Leben in der westlichen, säkularen Welt als bedeutungslos, trat zum Islam über und suchte Erfüllung beim so genannten Islamischen Staat. Spürbar hing hier das Herz des aus Kassel stammenden Filmemachers Raymond Ley und der Autorin Charlotte I. Pehlivani (Buchbearbeitung: Raymond und Hannah Ley). Einfühlsam versuchten die Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) stellvertretend für die Zuschauer, das Mädchen zu verstehen, das schließlich – der beklemmendste Moment – sogar den Heiratsantrag eines (vorgeblichen) IS-Kämpfers aus dem Kriegsgebiet annimmt, den sie außer über das Internettelefon noch nie gesehen hat. Ein Extralob für die junge Hauptdarstellerin Mala Emde als Julia.

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-Das sagt der Kasseler Regisseur Raymond Ley über seinen Kieler „Tatort“

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