Heimat-Western im Stil der Berliner Schule

Der Schwarzwald-"Tatort": Fast so gut wie Wallander

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Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner).

Die SWR-Krimis mit Lena Odenthal und Heike Makatsch kann man längst vergessen. Dagegen ist der  dunkle Schwarzwald-"Tatort" ein Lichtblick im Südwesten. Unsere Kritik.

Nach der Vorab-Premiere des neuen Schwarzwald-"Tatorts" Anfang Mai im Europa-Park in Rust schrieben enttäuschte Kritiker aus dem Südwesten, "Sonnenwende" sei nicht geeignet, Touristen in die Region zu locken. Als sei es die Aufgabe des Sonntagabendkrimis, Hotels und Pensionen voll zu machen.

Der zweite Fall der Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) war sehr düster, eine Art Schwarzwald-Western im Regie-Stil der Berliner Schule. Im Film von Umut Dag (Regie) und Patrick Brunken (Buch) wurde auch mal für eine gefühlte Ewigkeit nichts gesagt oder einfach nur lang geweint.

Der Plot machte ebenfalls sprachlos: der rätselhafte Tod eines jungen Mädchens, das Abdriften eines Ökobauern in die Neonazi-Szene, und Verschwörungen um V-Männer wie im NSU-Skandal. Das ganz große Rad also, das Dag mit einem durchweg starken Ensemble gekonnt drehte.

Viele Zuschauer werden nach diesem Film googeln und feststellen, dass es tatsächlich eine völkische Bewegung gibt, die auf abgelegenen Bauernhöfen den Umsturz in Berlin plant. Welcher Fernsehfilm schafft so etwas schon?

Tobler und Berg, die sich mittlerweile duzen, sind bereits jetzt eines der interessantesten "Tatort"-Gespanne. Auch wenn ihre Filme keine Tourismus-Werbespots sind: Vielleicht werden eines Tages Urlauber wegen ihnen in den Schwarzwald reisen, so wie sie sich im schwedischen Ystad auf die Spuren der ebenso dunklen Wallander-Krimis begeben.

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