Ekel-TV: Moderatoren essen Menschenfleisch

Amsterdam - Mit einer “kannibalistischen“ Show sind im niederländischen Fernsehen die Grenzen des guten Geschmacks getestet worden. Zwei Moderatoren probierten Menschenfleisch. Jetzt droht ein juristisches Nachspiel.

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Sie haben sich zum Fressen gern - und wurden vor laufenden Kameras zu “Kannibalen“: Zwei niederländische Moderatoren sorgten für Aufregung, indem sie bei einer TV-Show Fleisch-Häppchen aus dem Körper des jeweils anderen verspeisten. Während der tiefere Sinn der Aktion im öffentlich-rechtlichen Sender BNN am Mittwochabend weitgehend unklar blieb, drohen nun vielleicht juristische Konsequenzen: Die Entnahme von gesunden Körperteilen ohne hinreichende medizinische Begründung ist auch in Holland verboten.

In den Niederlanden, wo man Ästhetik-Tiefschläge im TV seit Jahren gewohnt ist, hielt sich die Aufregung in Grenzen. In internationalen Medien war die Empörung durchaus spürbar. Der US-Sender ABC sprach von “publicity-geilen TV-Show-Gastgebern“. Im RTL-Magazin “Explosiv“ hieß es, die Show könne man “als unmoralisch, ja sogar widerlich bezeichnen“.

BNN-Sprecher Thijs Verheij fand die Aufregung um die populärwissenschaftlich angehauchte Show “Proefkonijnen“ (Versuchskaninchen) unverständlich. “Die Sendung versucht halt, verrückte Fragen zu beantworten, diesmal wie Menschenfleisch schmeckt.“ Geklärt wurde das nicht. Die Moderatoren Valerio Zeno und Dennis Storm probierten zwar voneinander, lieferten aber keine erschöpfenden Beschreibungen dessen, was sich in ihren Geschmacksorganen abspielte.

Einige Tage vor der Sendung - so zeigten Videoeinspielungen - hatten sich die beiden jungen und attraktiven TV-Typen unter Beratung eines Metzgers entschieden, wo ihnen jeweils Fingerhut-kleine Fleischportionen entnommen werden sollten: Bei örtlicher Betäubung schnitt dann ein Schönheitschirurg bei Storm ein Stück aus dem Hintern und bei Zeno aus dem Unterleib.

Im Studio bat ein Fernsehkoch zu Tisch, während er die Portiönchen in der Pfanne brutzelte und schließlich mit Karotte und Spargelstange servierte. Spannung und Raunen, zu Grimassen verzogene Gesichter, als Storm und Zeno probieren. “Ich hab da kein Problem mit, schmeckt echt nach Fleisch“, sagt der eine. “Aber lecker ist es nicht“, findet der andere.

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Beate Z. soll mit den beiden Opfern aus dem Wohnmobil eine rechten Terrorzelle gebildet haben. © dpa/Polizei Sachsen
Dieser rechtsradikalen Gruppe werden etliche Verbrechen zur Last gelegt, unter anderem die "Döner-Morde" und der Mord an einer Polizistin in Heilbronn.  © dpa

Vor fünf Jahren hatte der vor allem an einem jungen Publikum interessierte Sender schon einmal weltweit für Aufsehen gesorgt. Damals inszenierte BNN eine “Organspende-Show“. Fünf Kandidaten, die eine neue Niere brauchten, sollten um das Spenderorgan einer jungen unheilbar kranken Frau kämpfen. Das wurde am Ende als Bluff entlarvt. Man habe nur auf den Mangel an Spenderorganen aufmerksam machen wollen. Immerhin ließen sich viele Holländer als Organspender registrieren.

Dass es nun zu Humanfleischspenden für hungrige TV-Moderatoren kommt, glaubt natürlich niemand. Dafür könnte die Sendung aber die Justiz beschäftigen, was die Programm-Macher wohl einkalkulierten: Am Ende wurde der Amsterdamer Promi-Anwalt Gerard Spong gefragt, ob das eigentlich legal gewesen wäre. Klare Antwort: Keineswegs. “Der Chirurg, der Koch und auch die Esser haben sich strafbar gemacht.“ Dem Arzt - seine Identität hält BNN geheim - könne sogar eine Strafe von bis zu vier Jahren Gefängnis drohen. Storm und Zeno könnten theoretisch als “Hehler des eigenen Fleisches“ belangt werden.

Aber verteidigen würde Spong sie natürlich gern. Schließlich hat der Promi-Jurist Erfahrung mit bizarren TV-Fällen: 2009 hielt er in der vom Sender Nederland 2 ausgestrahlten Gerichtsshow “Advokat des Teufels“ ein Plädoyer für Osama bin Laden. Dessen Schuld sei gar nicht hinreichend bewiesen. Prompt wurde der Chefterrorist vor laufenden Kameras von einer holländischen “Bürger-Jury“ von dem Vorwurf “freigesprochen“, Drahtzieher der Anschläge auf das World Trade Center in New York gewesen zu sein.

dpa

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