TV-Satiriker Kalkofe für Schulfach Medienkunde

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Oliver Kalkofe

Osnabrück - Kein Witz: Der Komiker Oliver Kalkofe (46) fordert ein neues Schulfach zum besseren Verständnis des Fernsehens. Er glaubt, viele wüssten nicht mehr, was in der Flimmerkiste die Wahrheit abbildet.

„Wir brauchen ein Schulfach Medienkunde. Ich wäre sofort bereit, dabei mitzumachen“, sagte der Satiriker der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Wie lese ich eine Zeitung? Wie funktioniert das Fernsehen? Was passiert im Internet?“, skizzierte Kalkofe seinen Lehrplan.

„Die Medien beeinflussen unser Leben mehr als Mathematik. Ich habe schon mehrfach Schulen besucht und mit Schülern gesprochen: Die waren vollkommen alleingelassen mit dem Fernsehen, hatten keine Ahnung, was man da mit ihnen macht. Bei den Lehrern gab es eine Generalverteufelung des Mediums. Und die Schüler haben sich nicht mal getraut, frei darüber zu reden.“

Geheimnisse aus der "Lindenstraße"

A-dresse – Das große Astor-Kino am Ende der Kulisse erhielt die Adresse „Ulrike-Böss-Straße“, um der 2002 jung verstorbenen WDR-Szenenbildnerin Ulrike Böss zu gedenken. © dpa
B-abys – Die Schauspieler Julia Stark und Johannes Scheit spielen ihre Rollen Sarah Ziegler und Tom Ziegler, seit sie Babys waren. Scheit hatte seinen ersten Auftritt in der Serie, als er sieben Monate alt war und Stark wurde im Casting für die Serie ausgewählt, als sie ein Jahr alt war. © dpa
D-rei – Hausnummer, in der die wichtigsten Lindensträßler leben, allerdings fehlt ein Stockwerk. Die Dachwohnung gibt es nur im Studio. © dpa
E-lses Abschied: Kurz vor ihrem Tod hört Else Kling in Folge 1069 eine Stimme. Die gehörte dem Serienerfinder Hans W. Geißendörfer, der also seine Serienfigur zu sich gerufen hat. © dpa
F-amilienbande – Es gibt auch echte Verwandschaft in der Lindenstraße: Bill Mockridge spielt seit 1991 Erich Schiller, im Herbst 2007 folgte ihm sein Sohn Jeremy in die Serie. Er spielt nicht seinen Sohn, sondern Nico Zenker (momentan nicht dabei). Und: Irene Fischer (Anna Ziegler) ist mit dem Regisseur Dominikus Probst verheiratet. © dpa
H-ollywood – Obwohl die von Til Schweiger verkörperte Figur Jo Zenker 1992 aus der Serie verschwand, wird die Figur in Dialogen noch erwähnt. Dabei heißt es, dass „Jo in Hollywood“ sei. Eine Anspielung auf Schweigers Filmkarriere nach seinem Ausstieg aus der Lindenstraße. Dana Schweiger (damals noch Dana Carlson) spielte in den Folgen 489 und 490 die Rolle der Pat Wollfson. © dpa
I-nternet – Wenn ein Lindenstraßen-Bewohner im Internet eine Homepage einrichtet, dann existiert sie stets auch in der Realität. Die von Hajo Scholz und Andy Zenker ins Leben gerufene Seite zum „Stromwechsel“ ist auch heute noch erreichbar, ebenso das Weblog von Andy und Gabi Zenker, eingerichtet anlässlich eines längern Italien-Aufenthalts. © dpa
K-indergarten – Für die Mitarbeiterkinder der Lindenstraße gibt es einen eigenen Kindergarten direkt am Set. Der Kindergarten befindet sich in unmittelbarer Nähe der Garderoben im ersten Stockwerk. Dazu kommt der Spielplatz, der sich in der Außenkulisse direkt hinter der Villa Dressler befindet. © dpa
L-ippenbekenntnis – Der erste homosexuelle Kuss im deutschen Fernsehen fand nicht 1991 zwischen Carsten und Theo statt, sondern schon 1990 zwischen Carsten und Robert. Die ARD schnitt die Szene damals aber raus, weil die Folge wegen der Fußball-WM schon um 16 Uhr lief und Kinder zusahen. © dpa
N-achbarn – Auch die anderen Eingänge der Straße sind bewohnt: Laut Klingelschild arbeitet in Nummer 1 Dr. jur. F. Pankov (Anlageberater), in Nummer 4 gibt es Antiquitäten, in Nummer 6 logiert Pro Familia. © dpa
P-enner – Die von Harry Rowohlt verkörperte Rolle des Hartmut Rennep hat einen versteckten Gag: Liest man seinen Nachnamen Rennep rückwärts, kommt Penner heraus. © dpa
Quoten – Die Lindenstraße ist im Jahr 2010 so erfolglos wie nie zuvor: Statt ehemals weit über zehn Millionen schauten im bisherigen Jahr nur 3,11 Millionen Leute zu. © dpa
R-uhestätte – Den Set-Friedhof (wo zum Beispiel die Schildknechts begraben sind) gibt es nicht mehr – mittlerweile sind zu viele Serienfiguren gestorben. Falls jetzt in der Serie ein Lindensträßler stirbt, ist die Beerdigung auf einem echten Friedhof. © dpa
U-nbekanntes – Was die Bewohner nicht wissen: Steinbrück wurde von Lisa mit der Bratpfanne ermordet und Carsten hat seine Doktorarbeit gekauft. © dpa
Z-eitsprung – Die Lindenstraße ist in den Dreharbeiten der realen Zeit immer drei bis vier Monate voraus. Texte: lay © dpa

Besondere Unsicherheit erkennt der TV-Komiker („Der Wixxer“) bei Reality-Formaten wie etwa „Bauer sucht Frau“ : „Meiner Erfahrung nach hat der Großteil der Bevölkerung das Grundgefühl: Das Fernsehen lügt nicht und will uns nichts Böses. Keine Ahnung, woher das kommt. Reality-Formate gehen als Doku durch. Alles was weder Spielfilm noch Serie ist, gilt als echt“, argumentierte Kalkofe.

Die Zuschauer glaubten dann, dass die Wirklichkeit genauso sei wie im Fernsehen, „und wollen auch so sein und sich genauso anbrüllen und dieselben Konflikte und Interessen und Perversionen haben. Weil für die Masse der Leute der Fernseher immer noch das Fenster zur Welt ist.

dpa

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