Analyse der HNA-Kulturredaktion

Underdog wird König: Rückblick auf das Dschungelcamp 2016

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Thronwechsel im australischen Dschungel: Moderator Daniel Hartwich (links) gratuliert dem frisch gekrönten „Dschungelkönig“ Menderes Bagci zusammen mit seiner Moderatoren-Kollegin Sonja Zietlow.

Das RTL-Dschungelcamp geht mit Traumquoten zu Ende und auf dem Thron sitzt, wie erwartet, Menderes Bagci. Wir blicken zurück auf die gesamte Staffel mit ihren Höhen und Tiefen.

Der Dschungel lebt. Wer nach dem Flop im vergangenen Jahr dachte, die RTL-Dschungel-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ sei am Ende, sah sich in diesem Jahr getäuscht. Spannend wie selten und als großer Zuschauererfolg ging am Samstag die Jubiläumsstaffel zu Ende. 8,6 Millionen Menschen (das ist ein Marktanteil von 34,2 Prozent) sahen die Krölnungsfeierlichkeiten für den neuen Dschungelkönig Menderes Bagci. Das ist eine Million mehr als 2014, als Maren Gilzer (erinnert sich noch wer?) Dschungelkönigin wurde.

Das Ergebnis war keine Überraschung: Menderes Bagci, bisher erfolgloser Dauerteilnehmer an der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“, holte sich die Krone vor der auffällig operierten Bordellbesitzer-Gattin Sophia Wollersheim und dem Fußball-Exzentriker Thorsten Legat.

Mit Menderes Bagci (32) schaffte es wieder ein Underdog - wie schon 2013 Joey Heindle. Einer, dem man den Sieg nicht nur gönnt, weil er als höflicher junger Mann nirgends aneckte (der gelernte Tankwart wurde mitunter als „Dankwart“ verspottet). Sondern auch, weil er die Dschungelkrone am nötigsten zu haben schien - für seine Karriere wie für sein Selbstbewusstsein.

Doch für den Erfolg derShow ist nicht entscheidend, wer die Dschungelkrone davonträgt, sondern wie sich das Camp zusammensetzt. Besonders auf das „Bad Girl“ (oder den „Bad Boy“) kommt es an. Und für diese Rolle hatte die zehnte Staffel eine herausragende Besetzung: Die TV-„Anwältin“ Helena Fürst, wahlweise als Heulena, Höllena oder Fürstin der Finsternis tituliert, erwies sich wahre Spitzenbegabung in Sachen „Konfro“.

Eine derart fein ausgebildetes Sensorium, selbst winzigste Anlässe für einen möglichen Streit zu erspüren, hatte vor ihr noch niemand im Camp. Ihre atemberaubende Fähigkeit zur Eskalation von Auseinandersetzungen, ihre treffsichere Beleidigungskultur („Sie hat ’ne Scheißseele“), aber auch ihre ungerührte Verweigerungshaltung bei den Dschungelprüfungen und nicht zuletzt ihre monoton-krächzende Stimme machten sie zum faszinierendsten Hass-Objekt „ever, ever, ever“, um eine legendäre Moderatoren-Formulierung zu gebrauchen.

Apropos Moderatoren: Ein steter Quell des Amüsements war wieder die pointenstarke und selbstironische Präsentation der Show durch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich.

Und auch die Rolle der Zuschauer war nicht zu unterschätzen. Wie von Dramaturgenhand geschrieben, wählten sie Helene Fürst pünktlich zum Finale aus dem Camp, so dass das traditonelle Abschlussdinner der Finalisten in entspannter Atmosphäre stattfinden konnte.

Ob die elfte Staffel 2017 das alles toppen kann? 

Leserstimmen

Menderes war übrigens auch der Favorit unserer Leser. Bei der Online-Abstimmung vor dem Finale mit der Frage „Wer soll Dschungelkönig werden?" gewann er deutlich:

1. Menderes Bagci (65,03 %)

2. Thorsten Legat (16,51 %)

3. Sophia Wollersheim (16,01 %)

4. Helena Fürst (2,45 %).

Das waren die Tops 2016

Die Teilnehmer: Nicht nur die Finalisten und die personifizierte Ekelprüfung Helena Fürst brachten Farbe ins Camp: Auch die (wegen gesundheitlicher Probleme) früh ausgeschiedenen Altstars Gunter Gabriel und Rolf Zacher sowie Alt-Camperin Brigitte Nielsen und Hobby-Philsoph Daniel Ortega sorgten für unterhaltsame Momente.

Die Rituale: Neben den täglichen Überraschungen im Camp trugen auch feste Rituale zum Erfolg der Show bei: Der immer gleiche Ruf nach dem Dschungelhelfer „Dr. Bob“, die immer gleichen Einspieler von Insekten fressenden Echsen, ja auch die ebenfalls immer ähnlichen Dschungelprüfungen schufen einen vertrauten Rahmen. Da wurde selbst der Verzehr eines Schweinehodens erträglich.

Kasalla: Der Kampfruf von Fußball-Veteran Thorsten Legat wurde zum Schlüsselwort dieser Staffel. Nicht zu verwechseln mit Chassalla, der alten Bezeichnung der Stadt Kassel, und dem Chassalla-Theater in der Fuldastadt.

Musikalisches Highlight: Es war nur ein kurzer Moment, aber ein besonders skurriler: Ohne Vorwarnung spitzte Rolf Zacher einmal die Lippen und pfiff Beethovens „Für Elise“.

... und das die Flops

Die Promis: Nur wenige kannten vor der aktuellen Staffel Menderes Bagci, Helena Fürst oder Sophia Wollersheim. Doch sie stahlen prominenteren Teilnehmern wie Jenny Elvers oder Big-Brother-Veteran Jürgen Milski die Schau.

Wie war gleich der Name? Eine krawallige Dschungelprüfung zusammen mit Helena Fürst, das war schon fast alles, was man von - na, wie heißt er gleich? - Ricky Harris, zu sehen bekam. Und das war sogar noch mehr als das, was die Camp-intern zum Faultier gewählte Top-Model-Kandidatin Nathalie Volk zur Show beitrug.

Musikalisches Lowlight: Zweimal versuchte sich Menderes Bagci im Gesang mit Kopfstimme. Zum Tiere-Verjagen.

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