Ursula Strauss über ZDF-Film "Meine fremde Frau": „Vergessen ist furchtbar“

Sie kann sich an nichts mehr erinnern: Bruno Hofer (Harald Krassnitzer) holt seine Frau Maria (Ursula Strauss) nach ihrem Unfall aus dem Krankenhaus ab. Foto: zdf

Ursula Strauss spielt in Lars Beckers Drama „Meine fremde Frau" die Rolle der Maria. Das ZDF zeigt den Film am Mittwoch ab 20.15 Uhr. Wir sprachen mit ihr über Angst und Neuanfänge.

Zur Handlung: Ein Raser fährt eine Frau ins Koma. Als sie erwacht, ist die Erinnerung an alles vor dem Unfall gelöscht. Sie kennt weder ihre Familie noch ihren Liebhaber - und dass ihre Ehe am Ende war, weiß sie auch nicht mehr.

Frau Strauss, kurz bevor die Dreharbeiten zu „Meine fremde Frau“ begannen, waren Sie selbst in einen Autounfall verwickelt. Sie erlitten zahlreiche Verletzungen, darunter Nasenbein-, Schien- und Wadenbeinbruch. Wie waren da die Dreharbeiten für sie?

Ursula Strauss: Ehrlich gesagt, war ich froh, wieder an die Arbeit zurückkehren zu können. Der Berufsalltag hatte mich wieder und ich ihn auch. Ich war in eine regelrechte Bewegungslosigkeit verbannt und mit dem Drehstart war ich wieder frei, konnte wieder funktionieren. Aber die Drehtage waren hart, weil ich doch bewegungstechnisch eingeschränkt war. Ich musste auch recht früh wieder in ein Auto steigen, direkt am Wiener Gürtel. Und das hat gut geklappt.

Gab es schwierige Momente während des Drehs?

Strauss: Es gab Szenen, die mich an meine Grenzen gebracht haben. Zu viel hat mich an mein Privatleben erinnert. Es war ein Auf und Ab. Ich wurde sehr zurückgeworfen.

Konnten Sie diese Erlebnisse in die Figur der Maria stecken?

Strauss: Ich denke schon. Wir waren uns sehr nah. Ich brauchte ein Jahr, um mich von den Schicksalsschlägen zu erholen. Das war stets präsent und ich habe es durch Maria verarbeitet.

Gedächtnisverlust ist ein schwieriges Thema. Kann man sich auf so ein Schicksal eines Charakters vorbereiten?

Strauss: Nein, das war ein völlig neues Thema. Ich konnte nur versuchen, es mir vorzustellen, und mir denken, dass das Vergessen der eigenen Geschichte furchtbar ist. Man kann über so etwas nachdenken und versuchen, sich so etwas auszumalen, aber die Darstellung entsteht am Ende doch am Set, durch die Geschichte, durch die Partner. Dort schaffte es meine Fantasie, sich mit meinem Körper zu verbinden, ich konnte loslassen und mich in dieses schwierige Thema einfühlen.

Der Film hat eine merkwürdige Stimmung, denn er zeigt dem Zuschauer, wie schnell die eigene Welt zerbrechen kann.

Strauss: Ja, es zeigt, wie schnell die eigene Welt in Trümmern liegt.

Es gibt die berührende Szene, wo Ehemann Bruno der Maria sagt, dass er sie nicht verlieren will, weil er sie liebt. Kann man ihm das glauben? Wie viel kann die Beziehung zwischen den beiden aushalten?

Strauss: Ja, absolut. Wir sind Schauspieler und das bedeutet, dass wir uns in Geschichten anderer Menschen hineindenken und glaubhaft verkörpern. Wenn man sie nicht nachvollziehen kann, keinen Zugang findet, kann man sie auch nicht spielen. Es gibt kleinere und größere Anhaltspunkte. Bruno und Maria sind zwei Menschen, die ein Glück miteinander geteilt haben, die aber aufgrund des Alltags nur noch nebeneinander leben. So etwas kann ganz schnell passieren. Stress verursacht so etwas, und man verliert den anderen aus dem Blick. Es ist die Bedrohung und der Druck durch die Situation, die den Blick der beiden zueinander verändert.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie von jeder Rolle etwas lernen würden. Was hat Ihnen Maria beigebracht?

Strauss: Der Film fiel zufällig in eine Zeit, in der ich lernen musste, dass man Kräfte bündeln muss und das Vorankommen nicht unanstrengend ist. Maria hat mich darin bestärkt, mir mehr Zeit zu nehmen. Maria ist lebenslustig. Sie lebt gern und liebt ihre Kinder. Durch die Situation konnte sie sich Zeit nehmen, auf sich selbst konzentriert. Für mich wird dies immer der Film und der Charakter sein, der mir einen Arbeitsalltag zurückgegeben hat.

Zur Person:

Ursula Strauss (41) wollte schon mit vier Jahren Schauspielerin werden, lernte nach ihrem Schulabschluss aber zunächst Kindergärtnerin. Danach besuchte die gebürtige Niederösterreicherin die Schauspielschule am Volkstheater in Wien. 1999 stand sie erstmals vor der Kamera. 2001 spielte sie in Barbara Alberts „Böse Zellen“ ihre erste Film-Hauptrolle. Im österreichischen Fernsehen geht sie regelmäßig als taffe Kommissarin auf Mörderjagd in der Krimireihe „Schnell ermittelt“. Im August 2014 heiratete sie, lässt ihrem Mann aber seine Privatsphäre, weshalb man nichts über ihn weiß. Privat kocht die Romy-Preisträgerin sehr gern, hat vor einigen Jahren sogar ihr eigenes Kochbuch „Mir schmeckt’s“ herausgebracht.

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