Zu viel Denglisch: ZDF als Sprachpanscher des Jahres nominiert

Professor Walter Krämer will die Deutsche Sprache retten. Der Vorsitzende des Vereins für Deutsche Sprache (VDS) regt sich besonders über das ZDF auf, das - wie er meint - sich durch denglische Begriffe an die junge Generation ranschleimen will.

Das ZDF hat gute Chancen, als Sprachpanscher des Jahres 2016 nominiert zu werden. Der Sender steht an der Spitze der diesjährigen Auswahlliste des Vereins Deutscher Sprache, der den Panscher-Preis für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache verleiht.

Der Vorwurf

Beim ZDF bemängeln die Sprachschützer, dass zu viele „denglische“ Begriffe im Programm auftauchen - also zu viele mit Englisch vermischte Wörter. Nach der Beschwerde eines Zuschauers, der mit der ZDF-Sendung „I can do that“- einer „Promi-Challenge“ mit „Showacts“ - wenig anfangen konnte, antwortete die ZDF-Zuschauerredaktion, die deutschen Begriffe seien zu hölzern.

Walter Krämer

„Dieses verkrampfte Ranschleimen an die junge Generation durch denglische Begriffe ist verfehlt. Das hat das ZDF nicht nötig“, meint Prof. Dr. Walter Krämer, Gründer und Vorsitzender des VDS. Sobald junge Leute bemerkten, dass Denglisch-Begriffe verwendet werden, um so zu tun, als gehöre man zu den jungen Leuten, komme das nicht gut an, sagt Krämer.

Verjüngungskur nötig

Das Zweite könnte laut dem Professor zwar eine Verjüngungskur vertragen, aber besser durch junge Menschen in führenden Positionen, die mit den Jugendlichen in ihrer Sprache reden. Und das sei eben nicht Denglisch.

Das Panschen der deutschen Sprache sieht Walter Krämer als generelles Problem im Fernsehen an. „Schlimmer als das ZDF ist das - wie Harald Schmidt es bezeichnet hat - Unterschichtenfernsehen der Privatsender“, sagt Krämer, für den die Vermischung von Deutsch und Englisch ein Zeichen für mangelnde Bildung ist.

Sprache zeigt Bildung

Für diese These hat Krämer schon oft Bestätigungen bekommen. Er berichtet beispielsweise über eine Drogeriekette, die er auf dem Kieker hatte, weil sie mit dem Spruch „For you, vor Ort“ warb. Die Kette rechtfertigte sich damit, so ihre Kunden, die aus bildungsferneren Schichten kämen, besser zu erreichen. In Prospekten für teure Autos für ein kaufkräftigeres Publikum finde man hingegen oft kein einziges englisches Wort, sagt Krämer.

Ob das ZDF nun endgültig den Titel des Sprachpanschers 2016 erhält, entscheidet sich noch in diesem Sommer. Die Wahl des VDS geht noch bis zum 26. August. Wahlberechtigt sind die rund 35 000 Mitglieder des Vereins, Vorschläge für Sprachpanscher können aber auch Nichtmitglieder an den Verein senden.

FDP und Daimler panschen

Auf der Liste der Nominierten stehen neben dem ZDF auch die FDP, die Daimler AG, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Post (siehe Hintergrund). Diese fünf wurden aus rund 60 eingesendeten Vorschlägen von Delegierten des VDS ausgewählt. In den vergangenen Jahren waren unter den Sprachpanschern Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der Duden.

„Anglizismen sind ein deutsches Problem - in Frankreich oder Italien gibt es das nicht“, sagt Walter Krämer. Er hat auch schon bei der diesjährigen Wahl teilgenommen und sein Kreuz beim ZDF gesetzt. Um ein Statement - oder wie er sagen würde: einen Kommentar - abzugeben.

• Kontakt: www.vds-ev.de, E-Post: info@vds-ev.de

Hintergrund: Das sind die nominierten Sprachpanscher

Neben dem ZDF wurden diese weiteren Kandidaten nominiert:

• Die FDP: Mehrere Funktionsträger der Partei haben dafür plädiert, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen.

• Die Daimler AG: Sie vermarkten ihre neue E-Klasse als „Masterpiece of Intelligence“, getreu dem Leitsatz „Design for Environment“.

• Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Sie wirbt für den bewussten Umgang mit Alkohol mit „Null Alkohol - Voll Power“. Nüchtern die Hitze „beim Dancen“ zu spüren, „Das flasht!“

• Die Deutsche Post AG: Kunden finden sich auf der „Landing Page“ wieder, es gibt „Track & Match“ für „Optimale Timings“.

Zur Person:  Prof. Dr. Walter Krämer (67) wurde in der Eifel geboren. Er studierte Mathematik und Wirtschaftswissenschaften in Mainz, promovierte dort und habilitierte sich in Wien. 1997 gründete er den Verein Deutscher Sprache und ist seitdem 1. Vorsitzender. Er lehrt am Fachbereich Statistik der Uni Dortmund und hat über 30 populärwissenschaftliche Bücher veröffentlicht. Krämer ist mit seiner Frau Doris verheiratet und hat zwei Kinder.

Rubriklistenbild: © dpa

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