ARD, 20.15 Uhr

Blick auf den "Tatort": Kein Geld für die Pflege der demenzkranken Frau

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Müssen den Fall um eine ermordete Rentnerin aufklären: Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen).

Im ARD-Tatort am Sonntag (20.15 Uhr) tötet ein Rentner seine demenzkranke Frau - weil er sich die Pflege nicht mehr leisten kann. Fragen und Antworten zu "Im toten Winkel":

Er schickt den bellenden Hund weg, nimmt das Kissen und drückt es auf den Kopf seiner Frau. Sie wehrt sich, doch sie hat keine Chance, sie stirbt. Sorgfältig legt er noch Blumen in ihre Hände und will dann auch sein Leben möglichst schnell mit Tabletten beenden. Doch die Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) sind rechtzeitig vor Ort. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Bremer „Tatort: Im toten Winkel“ von Regisseur Philip Koch.

Um was geht es im „Tatort: Im toten Winkel“?

Der Rentner Horst Claasen (Dieter Schaad) tötet seine Frau. Der Grund: Sie litt an Demenz, er konnte sich die häusliche Pflege nicht mehr länger leisten. Lürsen und Stedefreund sehen sich mit einem Tabuthema konfrontiert. Der Gutachter Carsten Kühne (Peter Heinrich Brix) führt die Kommissare in den Alltag von Pflegenden ein, sie lernen die Schicksale einiger Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen kennen. Doch dann passiert ein weiterer Mord.

Warum wurde diese Thematik für den „Tatort“ ausgewählt?

 „Jeder von uns hat mit diesem Thema irgendwann zu tun, ob wir das wollen oder nicht“, berichtet Drehbuchautorin Katrin Bühling in der Pressemitteilung der ARD. Über die teilweise schlimmen Zustände in Alten- und Pflegeheimen sei inzwischen viel bekannt, die häusliche Pflege sei dagegen ein Tabuthema. Was tatsächlich zuhause passiert, welche Probleme es immer wieder gebe – davon wollte die Autorin erzählen.

Wie ist die Autorin bei ihren Recherchen vorgegangen?

Für „Im toten Winkel“ hat Bühling sich zunächst Wissen durch Bücher und Reportagen angeeignet. Danach sei für sie schnell klar gewesen, dass sie einen Gutachter bei der Arbeit begleiten muss. Während dieser Zeit habe sie mit Menschen sprechen können, die ihre Angehörigen pflegen. Auch Vereine wie „Schädel-Hirnpatienten in Not“ und Fachberater der Bremer Polizei hätten sie bei den Recherchen unterstützt.

Wie haben die Schauspieler auf das Drehbuch reagiert?

Sabine Postel war laut Mitteilung von der Thematik des Films angetan. Schauspieler Oliver Mommsen sagte dazu: „Ich hatte beim Lesen Angst, dass der Film zu kopflastig werden könnte. Erst beim zweiten Mal merkte ich, was für Schicksale sich da abspielen.“ Es sei gelungen, über die Figuren ein wichtiges Anliegen zu transportieren.

Können sich, wie im Film dargestellt, tatsächlich viele Menschen Pflege nicht mehr leisten?

Die Kosten für die häusliche Pflege eines Menschen sind individuell. Das hängt unter anderem davon ab, ob ein Angehöriger, ein ambulanter Pflegedienst oder beide einen Menschen zu Hause pflegen. Auch die Pflegestufe spielt bei den Kosten eine Rolle. Zwar übernimmt die Pflegeversicherung bestimmte Leistungen, doch alle Kosten deckt sie nicht ab. Den Rest müssen die Angehörigen oder die Pflegebedürftigen tragen. Reicht die Rente wie bei Horst Claasen dann nicht aus, kann das zum finanziellen Problem werden.

Lohnt sich das Einschalten diesmal?

Ein klares Ja! Der Film rückt das schwere Leben von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen auf berührende Art in den Fokus der Ermittlungen. Das lässt auch den Zuschauer nicht kalt.

Eine Kritik lesen Sie am Sonntagabend im Ressort Kultur.

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