Sie wollen keine rechten Fans 

Warum die #unfollowme-Kampagne keine gute Idee ist 

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Internetkampagne: Die Fotos der Promis wie Fynn Kliemann sehen verschwommen aus, der Hashtag #unwollowme steht im Fokus. 

Was haben Smudo, Sängerin Namika, Rapper Sido sowie SPD-Politiker Martin Schulz gemeinsam? Sie gehören zu den Prominenten, die sich derzeit im Internet unter dem Hashtag #unfollowme  von rechtem Gedankengut distanzieren.

Sie wollen keine Nazi-Fans und fordern alle, die dafür einstehen, gezielt zum Entfolgen auf. Die Kampagne wurde vom Hamburger Verein Laut gegen Nazis ins Leben gerufen.

Für die Promis könnte das bedeuten, dass sie Follower verlieren – und mit ihnen Erfolg: „In Zeiten, in denen Follower für Influencer und Celebrities eine Währung für Erfolg ist, setzt #unfollowme ein klares Zeichen“, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Während es im Netz viel Lob für die Aktion gibt, wächst auch Kritik daran. Drei Gründe, warum die #unfollowme-Aktion keine gute Idee ist:

1. Ausgrenzung

„Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Freundeskreis will keiner. Lass uns gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Rechts setzen“, so wird zu der #unfollowme-Kampagne von den Initiatoren aufgerufen. Soweit nachvollziehbar: Die Stars wollen Rassisten den Spiegel vorhalten. Doch mit welcher Folge? Sie grenzen aus, statt sich auf Diskussionen einzulassen. Und damit handeln sie ähnlich wie viele derer, von denen sie sich distanzieren wollen. Weiterführen würde der Diskurs.

2. Internet-Blasen

Es ist fraglich, ob Menschen, die Namika, Smudo und Co. in den sozialen Netzwerken folgen, rechts sind. Denn die Promis, die bislang bei der Aktion mitmachen, haben schon öfter Zeichen gegen Rechts gesetzt – durch Worte und Taten. Sätze wie „#unfollowme – wenn dir das Ertrinken von Flüchtlingen egal ist“, sind von ihnen erwartbar. Dagegen überrascht, dass sie nun mit der #unfollowme-Kampagne dafür sorgen, dass sich die Ausgeschlossenen in ihrem radikalen Denken bestärkt fühlen könnten und sich künftig nur noch in ihren eigenen Internet-Blasen tummeln, statt mit anderen Meinungen konfrontiert zu werden.

3. Leise statt laut

Seit Monaten wird nicht nur von Künstlern gefordert, Haltung gegen Rechts und für Menschlichkeit zu zeigen. Eindrucksvoll gezeigt, wie das geht, haben die Initiatoren des #wirsindmehr-Konzerts in Chemnitz. Dazu hatten Bands wie Kraftklub, die Toten Hosen und Feine Sahne Fischfilet eingeladen – 65 000 Menschen folgten dem Aufruf gegen rechte Gewalt und Rassismus. Das, was die Musiker dort zu sagen hatten, war laut zu hören.

Im Gegensatz zur #unfollowme-Kampagne bei Twitter, Instagram und Facebook. Sie löst Trotzreaktionen aus und die Diskussion darüber ist lauter als der Entfolge-mir-Aufruf selbst. Kommentare wie „#unfollowme - Wenn du stolz auf deine Hass-Kommentare bist“, machen sich breit. Der Hashtag #followme, (Folge mir), um Bereitschaft zum Austausch zu zeigen, ist die bessere Idee.

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