Wegen Atom-Gau in Japan: "Lindenstraße" wird neu gedreht

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Das Team der Kultserie "Lindenstraße"

Köln - Es ist eine Premiere nach 26 Jahren: Wegen der Atomkatastrophe in Japan wird die Eingangsszene der ARD-Serie "Lindenstraße" komplett neu gedreht. Warum das zum ersten Mal nötig war:

Die ARD-Fernsehserie “Lindenstraße“ dreht wegen der Atomkatastrophe von Japan eine komplett neue Szene für die nächste Folge. “Eigentlich war geplant, dass die Folge am kommenden Sonntag die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren thematisiert“, sagte der Sprecher des “Lindenstraße“-Büros, Wolfram Lotze, am Mittwoch der dpa in Köln. Die entsprechende Szene sei bereits vor drei Monaten gedreht worden. “Aber das können wir so jetzt natürlich nicht mehr senden, wir sind von den aktuellen Ereignissen überholt worden.“ Deshalb werde an diesem Donnerstag die gesamte Szene mit denselben Darstellern neu gedreht.

Geheimnisse aus der "Lindenstraße"

A-dresse – Das große Astor-Kino am Ende der Kulisse erhielt die Adresse „Ulrike-Böss-Straße“, um der 2002 jung verstorbenen WDR-Szenenbildnerin Ulrike Böss zu gedenken. © dpa
B-abys – Die Schauspieler Julia Stark und Johannes Scheit spielen ihre Rollen Sarah Ziegler und Tom Ziegler, seit sie Babys waren. Scheit hatte seinen ersten Auftritt in der Serie, als er sieben Monate alt war und Stark wurde im Casting für die Serie ausgewählt, als sie ein Jahr alt war. © dpa
D-rei – Hausnummer, in der die wichtigsten Lindensträßler leben, allerdings fehlt ein Stockwerk. Die Dachwohnung gibt es nur im Studio. © dpa
E-lses Abschied: Kurz vor ihrem Tod hört Else Kling in Folge 1069 eine Stimme. Die gehörte dem Serienerfinder Hans W. Geißendörfer, der also seine Serienfigur zu sich gerufen hat. © dpa
F-amilienbande – Es gibt auch echte Verwandschaft in der Lindenstraße: Bill Mockridge spielt seit 1991 Erich Schiller, im Herbst 2007 folgte ihm sein Sohn Jeremy in die Serie. Er spielt nicht seinen Sohn, sondern Nico Zenker (momentan nicht dabei). Und: Irene Fischer (Anna Ziegler) ist mit dem Regisseur Dominikus Probst verheiratet. © dpa
H-ollywood – Obwohl die von Til Schweiger verkörperte Figur Jo Zenker 1992 aus der Serie verschwand, wird die Figur in Dialogen noch erwähnt. Dabei heißt es, dass „Jo in Hollywood“ sei. Eine Anspielung auf Schweigers Filmkarriere nach seinem Ausstieg aus der Lindenstraße. Dana Schweiger (damals noch Dana Carlson) spielte in den Folgen 489 und 490 die Rolle der Pat Wollfson. © dpa
I-nternet – Wenn ein Lindenstraßen-Bewohner im Internet eine Homepage einrichtet, dann existiert sie stets auch in der Realität. Die von Hajo Scholz und Andy Zenker ins Leben gerufene Seite zum „Stromwechsel“ ist auch heute noch erreichbar, ebenso das Weblog von Andy und Gabi Zenker, eingerichtet anlässlich eines längern Italien-Aufenthalts. © dpa
K-indergarten – Für die Mitarbeiterkinder der Lindenstraße gibt es einen eigenen Kindergarten direkt am Set. Der Kindergarten befindet sich in unmittelbarer Nähe der Garderoben im ersten Stockwerk. Dazu kommt der Spielplatz, der sich in der Außenkulisse direkt hinter der Villa Dressler befindet. © dpa
L-ippenbekenntnis – Der erste homosexuelle Kuss im deutschen Fernsehen fand nicht 1991 zwischen Carsten und Theo statt, sondern schon 1990 zwischen Carsten und Robert. Die ARD schnitt die Szene damals aber raus, weil die Folge wegen der Fußball-WM schon um 16 Uhr lief und Kinder zusahen. © dpa
N-achbarn – Auch die anderen Eingänge der Straße sind bewohnt: Laut Klingelschild arbeitet in Nummer 1 Dr. jur. F. Pankov (Anlageberater), in Nummer 4 gibt es Antiquitäten, in Nummer 6 logiert Pro Familia. © dpa
P-enner – Die von Harry Rowohlt verkörperte Rolle des Hartmut Rennep hat einen versteckten Gag: Liest man seinen Nachnamen Rennep rückwärts, kommt Penner heraus. © dpa
Quoten – Die Lindenstraße ist im Jahr 2010 so erfolglos wie nie zuvor: Statt ehemals weit über zehn Millionen schauten im bisherigen Jahr nur 3,11 Millionen Leute zu. © dpa
R-uhestätte – Den Set-Friedhof (wo zum Beispiel die Schildknechts begraben sind) gibt es nicht mehr – mittlerweile sind zu viele Serienfiguren gestorben. Falls jetzt in der Serie ein Lindensträßler stirbt, ist die Beerdigung auf einem echten Friedhof. © dpa
U-nbekanntes – Was die Bewohner nicht wissen: Steinbrück wurde von Lisa mit der Bratpfanne ermordet und Carsten hat seine Doktorarbeit gekauft. © dpa
Z-eitsprung – Die Lindenstraße ist in den Dreharbeiten der realen Zeit immer drei bis vier Monate voraus. Texte: lay © dpa

Zwar wird fast jede Woche ein kleiner Teil für die nächste Folge aktualisiert, um auf ein akutes Thema Bezug nehmen zu können. Dafür müssen in der Regel ein oder zwei Schauspieler ein paar Sätze - etwa zu den Landtagswahlen - kurzfristig nachdrehen. “Dass wir aber eine thematisch vorgegebene Szene wegen aktueller Geschehnisse ganz neu drehen müssen, ist vorher noch nie passiert“, sagte Lotze. Nun werde in der Folge am 3. April eine Runde von “Lindenstraßen“-Bewohnern über Japan und die Atompolitik in Deutschland diskutieren.

Fukushima: Das AKW, vor dem die Welt zittert

Vor diesem Atomkraftwerk zittert die Welt: Das Akw Fukushima I (250 Kilometer nördlich von Tokio in der Stadt Okuma) an der japanischen Küste wurde durch das Jahrhundert-Erdbeben und den anschließenden Tsunami schwer beschädigt. © AP
Die Lage in Fukushima (Satellitenaufnahme) spitzt sich aktuell weiter zu: In dem AKW gab es eine zweite Explosion, in Block 2 waren Brennstäbe zwischenzeitlich ohne Wasser. © AP/GeoEye
Am 17. November 1970 ging der vom Stromversorger Tokyo Electric Power Company (Tepco) betriebene Siedewasserreaktor mit einer Bruttoerzeugungskapazität von 460 Megawatt ans Netz und lieferte seit März 1971 komerziell Strom. © AP
Immer wieder gab es Pannen: 2006 trat radioaktiver Dampf aus einem Rohr aus, 2002 wurden Risse in Wasserrohren entdeckt. © AP
Im Jahr 2000 musste ein Reaktor wegen eines Lochs in einem Brennstab abgeschaltet werden. Und im September 2002 musste der Betreiber Tepco in einem Vertuschungsskandal einräumen, Berichte über Schäden jahrelang gefälscht zu haben.   © AP
Eine Explosion im Fukushima-AKW. Das Bild stammt vom Montag, 14. März. © AP
Der Reaktor 1 des Kernkraftwerks vor (links) und nach dem Erdbeben mit anschließendem Tsunami. © AP
Links im Bild: Der beschädigte Reaktor 1 des AKW Fukushima I. © AP
Links: Der beschädigte Reaktor 3 des AKW Fukushima I. In diesem hat sich am Samstag eine Explosion ereignet. © AP
Links: Der beschädigte Reaktor 3 des AKW Fukushima I. In diesem hat sich am Samstag eine Explosion ereignet. © AP
Ein Techniker hält im Umkreis des AKW Fukushima I einen Geiger-Zähler an ein Kind, um dieses auf radioaktive Strahlung zu überprüfen. © AP
Im Umkreis des AKW Fukushima I werden Menschen versorgt.  © AP
Techniker überprüfen einen Mann und ein Kind auf radioaktive Strahlung.  © AP
Ein Techniker überprüft einen älteren Mann auf radioaktive Strahlung. © AP
Ein Techniker überprüft einen Mann auf radioaktive Strahlung. © AP
Ein Techniker überprüft einen Mann und seinen  Hund auf radioaktive Strahlung. © AP
Techniker überprüfen einen Mann auf radioaktive Strahlung. © AP
Ein Techniker überprüft einen Mann und ein Kind auf radioaktive Strahlung. © AP
Soldaten evakuieren eine ältere Frau im Umkreis des AKW Fukushima. © AP
Soldaten im Umkreis des AKW Fukushima. © AP
Ein Techniker überprüft einen Mann auf radioaktive Strahlung. © AP
Ein Techniker überprüft einen Mann auf radioaktive Strahlung. © dpa
Soldaten im Umkreis des AKW Fukushima. © dpa
Japaner verfolgen im Fernsehen einen Bericht über die Lage am AKW Fukushima. © dpa

Und noch eine Änderung haben die Macher der Dauerserie nach der Katastrophe in Japan vorgenommen: Die Folge am 17. April wird umbenannt. Ursprünglich hatte sie den Titel “Super-Gau“. “Das bezog sich gar nicht auf Atom, sondern auf eine zwischenmenschliche Geschichte. Aber angesichts der Ereignisse haben wir gleich beschlossen, den Titel zu ändern.“ Nun heißt die Folge “Ein Ende mit Schrecken“.

Auch das ZDF hat wegen der Lage in Japan eine Traditionssendung geändert: Die Dreharbeiten für die neue “Traumschiff“-Episode finden nicht wie geplant in Japan, sondern in Bali statt, wie eine ZDF-Sprecherin am Dienstag sagte.

dpa

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