"Wetten, dass.. nichts mehr so sein wird wie früher?"

Berlin - Gottschalks Ansprache an die Fernsehnation ist nur kurze Zeit her, schon ist die Expertenwelt uneins: Soll “Wetten, dass..?“ weiter leben, oder soll die Show nach 30 Jahren zu Ende gehen?

Die Zukunft der ZDF-Show “Wetten, dass..?“ steht nach der Rücktrittsankündigung von Moderator Thomas Gottschalk auf wackligen Beinen. Nach drei Ausgaben im Herbst mit Erinnerungscharakter soll ein halbes Jahr Pause eingelegt werden, bevor Gottschalks Nachfolgerin oder Nachfolger in der zweiten Jahreshälfte 2012 loslegen kann.

"Wetten, dass..?": Zehn mögliche Gottschalk-Nachfolger

Thomas Gottschalk (60) gibt die Samstagabendshow "Wetten, dass..?" auf. Die Wetten auf seine Nachfolge laufen. © dpa
HAPE KERKELING (46): Er war der Favorit der "Netzgemeinde": witzig, schlagfertig und charismatisch. Außerdem auch blond. Ist bereits Gottschalk-Nachfolger: als Moderator der Goldenen Kamera. Schade nur: Er hat bereits definitiv abgesagt. © dpa
JÖRG PILAWA (45): Der Ex-ARD-Mann gilt seinem neuen Arbeitgeber ZDF wohl als Favorit. Zuschauer denken aber oft, wenn sie den Quizmaster ("Rette die Million!") sehen: netter Schwiegersohn, aber Showmaster? © dpa
MICHELLE HUNZIKER (34): Ihr trauen wohl nicht alle die Verantwortung zu. Die Schweizerin hat außerdem die Untiefen des deutschen Fernsehens gar nicht nötig, weil sie in Italien ein großer Star ist. © dpa
MARKUS LANZ (41): Der frühere RTL-Mann und ZDF-Spättalker ist eher Experte für sogenannte einfühlsame Gespräche am späten Abend als für Star-Interviews auf der "Wetten, dass..?"-Couch. © dpa
GÜNTHER JAUCH (54): Eine Samstagabendshow und dann auch noch die Nachfolge seines Freundes "Thommy"? Das passt nicht in die Strategie des Mannes, der sich ab Herbst als ARD-Polit-Talker etablieren will. © dpa
STEFAN RAAB (44): Das Multitalent will bestimmt nicht noch mehr Öffentlich-Rechtliches machen - ARD-Grand-Prix-Hilfe reicht. Mit "Schlag den Raab" hat er zudem sein "Wetten, dass... 2.0". © dpa
ANKE ENGELKE (45): Die Komikerin, die auch den Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf mitmoderieren soll, wäre auch gut für die Frauenquote am Samstagabend. Ist Deutschland reif dafür? © dpa
JOHANNES B. KERNER (46): Johannes B. Wer? Der Sat.1-Rückkehrer ist irgendwie in der Versenkung verschwunden. Hat sich mit dem ZDF überworfen und wird wohl kaum von dem Mainzer Sender gefragt werden. © dpa
HARALD SCHMIDT (53): Der intellektuelle Entertainer geht von der ARD zu Sat.1. Er gibt sich nicht mehr massenkompatibel. Der Erfolg seines Samstagabend-Versuchs bei "Verstehen Sie Spaß?" von 1992 bis 1995 war mäßig. © dpa
OLIVER POCHER (32): Publikum nicht reif für ihn? Oder aber er womöglich nicht reif genug fürs Publikum? Bekam nach einem "Wetten, dass..?"-Auftritt 2005 Ärger, weil er einer Zuschauerin eine Schönheits-OP empfahl. © dpa

Das Format werde sich auch ändern, kündigte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut an. Das Schweizer Fernsehen SRF, neben dem Österreichischen Fernsehen ORF einer der Koproduzenten der Show, hegt Überlegungen, angesichts gesunkener Quoten vielleicht ganz auszusteigen. Der ORF will aber am Ball bleiben.

Holm Dressler, Produzent der Show bis 1992, sagt, das ZDF müsse weitermachen, aber ein “Sabbatjahr“ einlegen. “Es darf jetzt keine falsche Hast einziehen. Das Format muss aktualisiert werden, Look und Design müssen sich verändern.“ Als mögliche Kandidaten für die neue, überarbeitete Show schlägt er - wie viele andere - Hape Kerkeling und Jörg Pilawa vor - und Ina Müller, die durch “Inas Nacht“ im NDR Fernsehen und in der ARD führt. “Die ist unerschrocken, macht Radau und Krawall.“

Häufige Kritik

Medienforscher Lutz Hachmeister, der in Berlin das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik betreibt, sagt, dass ZDF müsse an der Show festhalten. “Selbst wenn es das ZDF wollte, es kann “Wetten, dass..?“ im Moment gar nicht einstellen, weil es über kein Show-Format verfügt, dass auch nur annähernd so erfolgreich wäre - noch immer.“ Die Show werde dann vom Bildschirm verschwinden, wenn Einschaltquote und Kostenaufwand gar nicht mehr im Verhältnis stünden - nicht weil es irgendwelche medienkritische Berichterstattung über Sponsoringpraktiken oder Verflechtungen mit Produktionsfirmen gebe.

“Wetten, dass..?“ ist in der Vergangenheit häufiger kritisiert worden, weil namhafte Firmen ihre Produkte innerhalb der Show zeigen dürfen. Sei es der gelbe Riese, der für die Zustellung von Briefen und Paketen zuständig ist, sei es ein Autohersteller, der mit vier Ringen auf dem Kühlergrill zur unverwechselbaren Marke wurde. Diese Sponsoren beschafft Christoph Gottschalk, Chef der Firma dolce media, die wiederum auch bisher immer für Thomas Gottschalks Werbeverträge zuständig gewesen ist. Über die Verbindung zu den Sponsoren konnte das ZDF auch die Produktionskosten senken.

Sender-Politik und heimliche Favoriten

Die Neubesetzung und Neuformatierung von “Wetten, dass..?“ ist eng mit der Person Thomas Bellut verknüpft. Der Programmdirektor macht sich berechtigte Hoffnungen, den scheidenden Intendanten Markus Schächter im März 2012 zu beerben. Im Juni dieses Jahres - und darauf deuten viele Anzeichen hin - wählt der ZDF-Fernsehrat Schächters Nachfolger. Eine Entscheidung über Gottschalks Nachfolger wiederum soll auf jeden Fall bis zum Herbst fallen - dann, so wird Bellut hoffen, mit ihm als designiertem Intendanten.

Als Favorit für die “Wetten, dass..?“-Präsenz gilt nach wie vor Jörg Pilawa, der im Herbst 2010 nach seinem Wechsel von der ARD beim ZDF mit einem Mittwoch-Quiz begann, aber nach Belluts Angaben vom späten Samstagabend noch nicht gefragt wurde. Doch warum eigentlich nicht, wenn Gottschalks Entscheidung schon seit Weihnachten steht? Die Presselandschaft ist ansonsten mit Namen ohne Ende gespickt: Online-Abstimmungen weisen immer wieder auf Hape Kerkeling, der als einziger nach dem Empfinden vieler Zuschauer den großen Glanz eines Gottschalk zumindest halbwegs transportieren könnte - abgefedert jedoch mit einem Hauch von Ironie.

Ansonsten: Sind ZDF-Talkmaster Markus Lanz, der von Thoma ins Spiel gebrachte Stefan Raab oder gar ein als abwegig erscheinender Günther Jauch die geeigneten Kandidaten? Oder vielleicht doch eine Frau? Hat jemand an die Komikerin und Schauspielerin Anke Engelke gedacht, die mehrsprachig und gewandt ist? Oder an Barbara Schöneberger, die ihrem intensiven Witz mit der “NDR Talk Show“ noch Moderationserfahrung draufsattelte? Ältere werden sich jetzt in diesem Augenblick wehmütig erinnern: Gebe es noch einen Hans-Joachim Kulenkampff - sein Schalk, sein Glanz, sein Charme und sein Charisma täte einem alten und neuen “Wetten, dass..?“ richtig gut.

dpa

Rubriklistenbild: © ap

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