Ab in die ZDF-"Anstalt": Der linke AfD-Versteher Nico Semsrott

Freut sich über mehr als 700 000 Klicks für einen Anti-AfD-Text: Der niemals gut gelaunte Komiker Nico Semsrott. Fotos: zdf/nh

Mit einem Poetry-Slam-Text über die AfD landete der Komiker Nico Semsrott einen Youtube-Hit. Nun ist er in der ZDF-"Anstalt" zu Gast.

In der ZDF-„Anstalt“ ist Nico Semsrott sehr gut aufgehoben. Mit einer depressiven Kunstfigur hat sich der Hamburger Komiker in den vergangenen Jahren einen Namen auf Kleinkunstbühnen gemacht. Das Programm des „Demotivationstrainers“, wie er sich nennt, heißt „Freude ist nur ein Mangel an Information“.

Eine Gute-Laune-Ausgabe wird die erste Ausgabe der ZDF-Kabarettsendung nach der Sommerpause an diesem Dienstag (22.15 Uhr) also eher nicht werden, für die die Gastgeber Claus von Wagner und Max Uthoff neben Semsrott noch Lisa Politt und Fatih Cevikkollu eingeladen haben. Dabei hat der 30-Jährige mit einigen Informationen über die AfD gerade ganz vielen Menschen eine Freude gemacht. Als Poetry-Slammer hatte er in der Hamburger „Kampf der Künste“-Reihe einen Text über die Rechtspopulisten vorgelesen. Bis gestern wurde der Mitschnitt bei Youtube mehr als 700 000 Mal angeklickt.

Ähnlich wie die AfD vereinfacht Semsrott ziemlich, aber das ist ja die Aufgabe von Satirikern. „AfD-Wähler sind arm dran. Und schlechte Menschen“, ist der Auftritt überschrieben, in dem rechte Logik so erklärt wird: „Hm, mir geht’s nicht so gut. Woran könnte das denn liegen? Ah, vermutlich an den Leuten, die gerade erst kommen.“

Semsrott versetzt sich in den AfD-Hetzer Björn Höcke und dreht dessen Argumentation weiter. Denn „wir können ja nicht alle aufnehmen“, etwa „diese verdammten Polen, die den Spargel stechen - das würden wir gern selbst tun.“

So schimpft er immer weiter - auf die Gastarbeiter, die das Wirtschaftswunder ermöglichten, auf die Römer, die uns die Straßen pflasterten. Bis er beim Urknall angekommen ist: „Da gab’s keine Einwanderung, da gab’s auch nichts anderes, aber vor allem keine Einwanderung.“ Das, meint Semsrott, sei „die eigentliche Sehnsucht von Rechtspopulisten: nichts“.

Die positiven Reaktionen und die Beschimpfungen, die „sich in Grenzen hielten“, hat der „traurigste Komiker der Welt“ bei Facebook auf seine Weise gefeiert - mit einem Depri-Porträt, das seine Freude zeigen soll.

Über den Menschen hinter der Figur ist nur wenig bekannt. Angeblich verkaufte er früher an der Hamburger Sophie-Barat-Schule die Schülerzeitung „Sophies Unterwelt“, ehe sie verboten wurde. In einem Interview gestand er, dass er beim Thema Rechtspopulismus schwanke zwischen „Wird schon nicht so schlimm werden“ und „Oh mein Gott, wir werden alle sterben“.

Mit seinem Slam-Text hat er nun selbst AfD-Anhänger schlauer gemacht. Die hatten sich beschwert, dass Semsrott Björn Höcke konsequent Bernd nennt. Das machen einige Komiker wie die Satiriker der ZDF-„heute-show“ aber ganz bewusst, seitdem sich der ehemalige Lehrer aus Bad Sooden-Allendorf beklagt hatte, Bernd genannt zu werden.

Nico Semsrott live: 9. Dezember, 20 Uhr, Vellmar (Piazza). Karten: 0561/203-204.

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