In wenigen Tagen ist er selbst Geschichte

Chefhistoriker Guido Knopp geht in Ruhestand

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Der Journalist und Moderator Guido Knopp sitzt in seinem Büro beim ZDF in Mainz. Knopp feiert am 29. Januar seinen 65. Geburtstag. Am 3. Februar verabschiedet ihn das ZDF mit einer Sondersendung in den Ruhestand.  

Mainz - Nach vielen Quotenerfolgen feiert Chefhistoriker Guido Knopp seinen 65. Geburtstag und verlässt das ZDF. Drei Jahrzehnte lang hat er historische Themen populär gemacht - und auch Kritik geerntet.

Deutschlands bekanntester Historiker tritt von der Fernsehbühne ab. Guido Knopp feiert am 29. Januar seinen 65. Geburtstag. Am 3. Februar (23.35 Uhr) verabschiedet ihn das ZDF mit einer Sondersendung der Reihe „History“ in den Ruhestand. „Über 30 Jahre hat Guido Knopp den Zuschauern des ZDF Lust auf Geschichte gemacht“, sagt Chefredakteur Peter Frey. „Er ist zu einem wichtigen Gesicht des Senders geworden.“ Knopp habe es geschafft, „ein Millionenpublikum zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zu bewegen“.

Doch der Geschichtslehrer der Nation polarisiert. Andere werfen Knopp verzerrende „Geschichtspornografie“ mit Interviewsplittern, nachgespielten Schlüsselszenen und Thrillermusik vor, vorzugsweise mit der massentauglichen Inszenierung der NS-Geschichte als Doku-Drama. Er selbst weist das zurück: „Dass wir schwierige Themen verständlich und vereinfacht darstellen, ist eine Notwendigkeit, wenn wir um 20.15 Uhr senden.“ Inhaltlich seien die Sendungen abgesichert: „Allein bei unserer Reihe "Die Deutschen" hatten wir 30 Fachberater.“

So begann der Zweite Weltkrieg

So begann der Zweite Weltkrieg
Vor 70 Jahren begann der Zweite Weltkrieg: Am 1. September 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Ein Rückblick zeigt, wie Nazi-Diktator Adolf Hitler den Weltenbrand entfesselte. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Hitlers aggressive Außenpolitik verfolgte seit seiner „Machtergreifung“ 1933 drei Ziele: Der Diktator wollte die nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen deutschen Gebiete zurückholen. Außerdem wollte er Frankreich niederwerfen, damit das Deutsche Reich Europa unangefochten beherrschen konnte. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Seit Beginn seiner Herrschaft rüstete Hitler das Reich massiv auf und ging auf Konfrontation mit den europäischen Mächten. Im März 1936 ließ er die Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland einmarschieren. Zwei Jahre später gliederte er Österreich dem Deutschen Reich an. Das Foto zeigt Hitlers Einzug in Wien. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Als sein größtes und vom Schicksal bestimmtes Ziel sah Hitler den Kampf um „Lebensraum“ im Osten – gegen den kommunistischen Erzfeind, die Sowjetunion Stalins (Foto). Diese Wahnidee hatte Hitler bereits 1924 in seinem Buch „Mein Kampf“ ausführlich beschrieben. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Im September 1938 gaben Großbritannien und Frankreich Hitlers Forderungen abermals nach und schlossen mit ihm das Münchner Abkommen. Dieses sprach dem Deutschen Reich das Sudetenland zu, das bislang zur Tschechoslowakei gehörte. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Politiker wie Großbritanniens Premierminister Neville Chamberlain (Foto) hofften: Solche Zugeständnisse würden einen Krieg mit dem Deutschen Reich verhindern. Zumal Hitler öffentlich erklärte, er fordere keine weiteren Gebiete mehr. Doch nach der Besetzung des Sudetengebiets setzte er seine Eroberungspläne unbeirrt fort. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag am 15. März 1939 (Foto) erfolgte die "Zerschlagung der Rest-Tschechei". Die Welt erkannte nun: Hitlers Versprechungen war nicht zu trauen. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Auch gegen Polen richtete Hitler erpresserische Forderungen: Die „freie“ Stadt Danzig sollte dem Deutschen Reich zurückgegeben werden. Zudem wollte er eine Autobahn durch Polen bauen, um die vom polnischen Staatsgebiet getrennten deutschen Gebiete zu verbinden. Zudem wollte er Polen zwingen, dem gegen die Sowjetunion gerichteten „Antikominternpakt“ beizutreten. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Doch Polen widersetze sich. Deshalb beschloss Hitler, das Nachbarland militärisch niederzuwerfen. Er hielt die Wehrmacht für stark genug, einen Krieg schnell zu gewinnen. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Im Mai 1939 erklärte Hitler vor seinen wichtigsten Generälen: „Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten ... Es entfällt also die Frage, Polen zu schonen, und es bleibt der Entschluß, bei erster passender Gelegenheit Polen anzugreifen.“ © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Großbritannien und Frankreich hatten bereits am 31. März 1939 eine Garantieerklärung für die Unabhängigkeit Polens gegeben. Ein klares Signal an Hitler: Würde er sich Polen einverleiben, dann würde es zum Krieg mit England und Frankreich kommen. Dieses Risiko nahm der Diktator in Kauf. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Am 23. August 1939 wurde die Welt geschockt: Die Erzfeinde Nazi-Deutschland und die kommunistische Sowjetunion unterzeichneten unerwartet einen Nichtangriffspakt. Links: Joachim von Ribbentrop, Außenminister des Deutschen Reiches. Mitte: Stalin. Vorne unterschreibt der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
In einem geheimen Zusatzprotokoll zu dem Vertrag wurde Polen zwischen Deutschland und der UdSSR aufgeteilt. Außerdem erhielt Stalin Gebiete in Osteuropa. Die Gegenleistung des kommunistischen Diktators: „Wohlwollende“ Neutralität bei Hitlers Krieg gegen Polen und Rohstoffe für Deutschland. Polens Schicksal war besiegelt, bevor der erste Schuss des Krieges gefallen war. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Hitler wollte noch eine Vorwand für den Angriff auf Polen haben. Dazu wies er den SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (Foto) an, einen Übergriff der Polen auf deutsches Gebiet vorzutäuschen. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Am Abend des 31. August 1939 überfielen SS-Männer (Bild) den Rundfunksender Gleiwitz an der Grenze zu Polen. Die Männer unterbrachen das Programm und sendeten einen Aufruf zum Kampf gegen die Deutschen. Das Kommando hatte einen KZ-Häftling mitgenommen. Der Mann wurde erschossen und als „deutsches Opfer“ zurückgelassen. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Die vorgebliche deutsche „Vergeltungsaktion“ begann am Morgen des 1. September 1939: Das Linienschiff Schleswig-Holstein eröffnete das Feuer auf die polnische Stellung „Westerplatte“ in Danzig. © AP
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Gleichzeitig stießen zwei deutsche Heeresgruppen von Norden und Süden, unterstützt von massiven Luftangriffen, auf polnisches Territorium vor. © dpa
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Auf dem (inszenierten) Bild reißen deutsche Soldaten am 1. September 1939 einen polnischen Schlagbaum nieder. © dpa
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Hitler betrat gegen 10 Uhr das Rednerpult der Krolloper in Berlin und erklärte: „Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!“ © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg herrschte 1939 in Deutschland keine Kriegsbegeisterung. Der renommierte Historiker Golo Mann (Bild) schreibt: „So tief unwillkommen war der deutschen Nation der Krieg, dass die regierenden Oberpsychologen in den ersten Tagen das Wort selber vermieden und von einer Polizeiaktion oder bloßen ,Vergeltungsmaßnahmen‘ gegen Polen sprachen.“ © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Die Angriffsstärke der Wehrmacht bei Kriegsbeginn: 1,5 Millionen Mann, 1.929 Flugzeuge, 3.600 gepanzerte Fahrzeuge und 10.000 Geschütze. Die polnische Armee hatte ähnlich viele Mann unter Waffen, war der Wehrmacht in technischer Hinsicht aber klar unterlegen. © dpa
So begann der Zweite Weltkrieg
Zum ersten Mal kam nun die revolutionäre deutsche Blitzkrieg-Taktik zum Einsatz. © AP
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Angeführt von geschlossenen Panzerverbänden und Sturzkampfbombern (Foto) drangen die deutschen Truppen rasch vor. © AP
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In großangelegten Umfassungsmanövern wurden die polnischen Truppen eingekesselt und zerschlagen. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Helfen konnten sie Polen aber nicht. Auf dem Foto liest eine Frau in London eine Zeitung, die den deutschen Überfall vermeldet. © AP
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Ebenfalls am 3. September zogen sich polnische Truppen in die Stadt Bromberg zurück. Als Schüsse fielen, vermuteten die Polen einen heimtückischen Angriff der in der Stadt lebenden Deutschen. Es kam zu brutalen Übergriffen gegen die deutschen Zivilisten. © AP
So begann der Zweite Weltkrieg
Die Nazi-Propaganda bezeichnete die Massaker später als "Bromberger Blutsonntag" und verbreitete die weit übertriebene Opferzahl von 58.000 Toten. Bis heute ist umstritten, wie viele Deutsche in Bromberg ermordet wurden. Die Zahlen schwanken zwischen mehreren Hundert und mehr als 5.000 Toten. © AP
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Die Wehrmacht setzte ihren Vormarsch unaufhaltsam fort. Am 7. September stand die Wehrmacht 60 Kilometer vor Polens Hauptstadt Warschau. Zwei Tage später war die Stadt eingeschlossen. © AP
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Deutsche Panzer stießen erstmals am 10. September auf Warschauer Stadtgebiet vor. Doch der polnische Widerstand war unerwartet stark, die Panzertruppen zogen sich nach Verlusten wieder zurück. © AP
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Nun flog die Luftwaffe massiven Angriffe auf Warschau. © AP
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1.200 Flugzeuge warfen wochenlang ihre Bomben über der polnischen Hauptstadt ab. © AP
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Auf dem Foto sitzt ein polnischer Junge inmitten der Trümmer eines zerbombten Hauses. © AP
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Schwer zu treffende Ziele zerstörte die Luftwaffe mit Brandbomben. Das Bild zeigt eine brennende Fabrikanlage in Warschau. © AP
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Am 9. September zog die Wehrmacht in der Stadt Lodz ein. Angehörige der deutschen Minderheit in Polen (Bild) empfingen die Truppen mit dem Hitlergruß.  © AP
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Viele der so genannten „Volksdeutschen“ in Polen hießen die Besatzer als Befreier willkommen. Das Bild zeigt den Jubel bei der Ankunft des neuen deutschen Militärgouverneurs in Posen. © AP
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Die größte Schlacht des Polenfeldzugs fand Mitte September am Fluss Bzura statt: Drei Korps der 10. deutschen Armee kesselten die polnischen Truppen ein. © AP
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Unterstützt von 820 Flugzeugen begannen die deutschen Truppen am 16. September einen konzentrischen Angriff. Bei mehreren Versuchen, aus dem Kessel an der Bzura auszubrechen erlitten die Polen hohe Verluste. © AP
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Am 19. September ergaben sich die eingeschlossenen Truppen dem deutschen Heer. An einem Tag gerieten 170.000 polnische Soldaten in Kriegsgefangenschaft. © AP
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Besiegelt wurde war die polnische Niederlage am 17. September: Eine halbe Million Sowjetsoldaten überschritt um 5.40 Uhr Polens Ostgrenze. Doch weder England noch Frankreich, die beiden „Schutzmächte“ Polens, erklärten Stalin für seinen Überfall den Krieg. Gegen die beiden übermächtigen Gegner hatte Polen keine Chance mehr.  © dpa
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Am 27. September kapitulierte die Hauptstadt Warschau. Durch die schweren Atrillerie- und Luftwaffenangriffe waren bis zu 28.000 Zivilisten getötet worden. © AP
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Mit Warschau und der am 28. September kapitulierenden Festung Modlin waren die letzen großen polnischen Widerstandszentren ausgeschaltet. © dpa
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Die letzten polnischen Einheiten ergaben sich am 6. Oktober bei Kock. © AP
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Während des Polenfeldzugs waren 10.000 deutsche und 120.000 polnische Soldaten gefallen. 694.000 polnische Soldaten (Foto) kamen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Stalins Rote Armee internierte bis zu 300.000 polnische Soldaten. © AP
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Im deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 wurde der Fluss Bug als neue Grenze zwischen beiden Staaten festgelegt. Das Foto zeigt Soldaten der Wehrmacht und der Roten Armee bei einer gemeinsamen Parade.  © AP
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Ost- und Südpolen wurden zum sogenannten deutschen „Generalgouvernement“. Der polnische Staat hatte aufgehört zu existieren. © AP
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Auf dem Bild marschieren SS-Truppen in Krakau am neuen Machthaber in Polen, dem „Generalgouverneur“ Hans Frank vorbei. Frank salutiert mit dem Hitlergruß. © AP
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Hitlers Krieg gegen Polen war nicht nur ein Eroberungs-, sondern von Anfang an auch ein Weltanschauungskrieg. Hinter der Wehrmacht marschierten so genannte „Einsatzgruppen“ des Sicherheitsdienstes der SS ins Land. Sie sollten die polnische Intelligenz ermorden. © dpa
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Bis Ende 1939 brachten sie etwa 60.000 Polen um: Lehrer, Ärzte, Juristen, Professoren, katholische Priester und Bischöfe sowie Vertreter von Parteien und Gewerkschaften. Auch trieben die Einsatzgruppen erstmals Juden zu Massenerschießungen zusammen. © AP
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Adolf Hitler ließ sich Anfang Oktober 1939 nach Warschau fliegen, um dort eine Parade der siegreichen Truppen abzunehmen. © dpa
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Der Diktator grüßte am 5. Oktober 1939 in Warschau die vorbeimarschierenden Wehrmachts-Einheiten. © AP
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Unter der deutschen Besatzungsherrschaft wurden während des Zweiten Weltkriegs fast sechs Millionen polnische Staatsbürger ermordet - darunter mindestens 2,7 Millionen Juden. © AP
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Der Weltenbrand, den Hitler im September 1939 entfesselt hatte, sollte sechs Jahre später in das Deutsche Reich zurückkehren und das verbrecherische Nazi-Regime samt seines Diktators vernichten. © AP

Andreas Rödder, deutscher Geschichtsprofessor in London, urteilt über Knopp: „In der Tat zeigen seine Filme oft mehr Ereignisse als Zusammenhänge, und sie handeln von Personen, die unabhängiger und dramatischer handeln, als sie dem Historiker begegnen.“ Doch das sei der Preis der Primetime. Rödder lobt zugleich: „Guido Knopp hat ein enorm breites Publikum für Geschichte erreicht, historische Themen populär gemacht und Geschichtsbilder geprägt.“ Laut dem Mainzer Geschichtsprofessor Michael Kißener hat der Chef von „ZDF-History“ auch Zeithistorikern „wieder deutlich gemacht, wie relevant audiovisuelle Quellen sein können“.

ZDF-Chefredakteur Frey verspricht auch für die Zukunft „spannende und fundierte Geschichtsdokumentationen“. Einen Nachfolger als Moderator hat Knopp aber nach eigenen Worten nicht: Das ZDF wolle die Geschichtssendungen „unmoderiert weiterführen“.

Und Knopps eigene Zukunft? „Ich werde dem Fernsehen, den Medien und der Geschichte erhalten bleiben in mannigfaltiger Form: als Moderator, TV-Produzent und Autor“, sagt der weißhaarige 1,95-Meter-Mann. Keine Reiseanträge, keine Konferenzen mehr - er freue sich auf ein Wirken mit weniger Bürokratie. 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. „Auch damit werde ich mich beschäftigten. Ich habe schon Einladungen zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen.“

Das war die Ära Helmut Kohl

Helmut Kohl, der Kanzler der Einheit wird am Samstag, 3. April, 80 Jahre alt. Ein Rückblick a uf die "Ära Kohl". © dpa
1946 tritt Helmut Kohl in die CDU ein. Schnell erarbeitet er sich in der Partei den Ruf eines ehrgeizigen Politik-Talents und Machers. 1966 wird Kohl CDU-Landesvorsitzender. Das Bild zeigt ihn 1967 mit Altkanzler Konrad Adenauer ( CDU). © dpa
1969 wird Kohl Ministerpräsident von Rheinland Pfalz. Vorgänger Peter Altmeier (rechts) macht dem CDU-Jungstar nicht ganz freiwillig Platz. Der Machtstartege Kohl hatte den CDU-Landesverband hinter sich gebracht, der die Ablösung des Ministerpräsidenten forcierte. © dpa
Kohl erarbeitet sich als Ministerpräsident schnell den Ruf eines Modernisierers. Nach den Landtagswahlen im Mai 1971, bei denen die CDU die absolute Mehrheit erreicht, kann Kohl eine CDU-Alleinregierung bilden. © dpa
Als Ministerpräsident bringt er eine umfangreiche Gebiets- und Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz auf den Weg. Zudem reformiert er das Sozial- und Gesundheitswesen des Landes. © dpa
Das Bild zeigt ihn als Landesvater mit seiner Frau Hannelore und seine Söhnen Peter (rechts) und Walter (links). Aber Kohl sieht das Amt des Ministerpräsidenten nicht als Höhepunkt seiner Karriere. Sein Ehrgeiz reicht längst über die Landesgrenzen hinaus. © dpa
1971 kandidiert Kohl für den Parteivorsitz. Er unterliegt aber bei der Wahl gegen Rainer Barzel. Der wiederum scheitert im folgenden Jahr als CDU-Kandidat bei der Bundestagswahl gegen Willy Brandt. 1973 wird schließlich Kohl zum Parteivorsitzenden gewählt. © dpa
Bei der Bundestagswahl 1976 kandidiert Kohl gegen Kanzler Helmut Schmidt ( SPD, links). Die CDU verfehlt die absolute Mehrheit mit 48,6 Prozent nur knapp. Schmidts sozialliberale Koalition kann weiterregieren. Kohl tritt als Ministerpräsident zurück und wird Oppositionsführer in Bonn. © dpa
Nach der Wahl kommt es unerwartet zum Riesenkrach in der Union: CSU-Chef Franz Josef Strauß (rechts) meint, dass die CDU und Kohl die Regierung im Wahlkampf nicht hart genug angegriffen hätten. Zudem macht Strauß keinen Hehl aus der Tatsache, dass er sich für den weitaus fähigeren Politiker als Kohl hält. © dpa
In einer nicht für die Öffentlichkeit gedachten Rede spricht Strauß damals Klartext: „ Helmut Kohl wird nie Kanzler werden. Er ist total unfähig. Er hat weder die charakterlichen, geistigen noch politischen Voraussetzungen.“ © dpa
Im bayerischen Wildbad Kreuth kündigt die CSU Ende 1976 die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auf. Und: Strauß will die CSU zur bundesweit wählbaren Partei machen. © dpa
Da kontert Kohl: Wenn Strauß das durchzieht, so droht er, dann würde er die CDU eben auch in Bayern einmarschieren lassen. Und die würde der CSU dann wichtige Stimmen aus dem bürgerlichen Lager wegnehmen. Strauß fürchtet um die absolute CSU-Mehrheit in Bayern. © dpa
Deswegen nimmt die CSU den Trennungsbeschluß zurück. Ein Sieg für Kohl und die CDU. Doch die Auseinandersetzung mit Strauß ist noch lange nicht zu Ende. © dpa
1979 will Kohl den niedersächsichen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (Foto) zum CDU-Kanzlerkandidaten für die Wahl im kommenden Jahr machen. Da presst die CSU Franz Josef Strauß als Unions-Kandidaten durch.  © dpa
Für Strauß ist es die einzige und letzte Chance Kanzler zu werden. Und er scheitert. Zwar wird die Union mit 44,5 Prozent stärkste Partei, aber auch Strauß verfehlt die absolute Mehrheit, die nötig wäre, um die SPD/ FDP-Regierung abzulösen. Damit ist Strauß für Kohl als Kanzler-Konkurrent aus dem Weg geräumt. © dpa
Kohls Stunde kommt 1982. Die sozialliberale Regierung hat sich zerstritten, die FDP kündigt die Koalition mit der SPD auf. Kohl hat längst die FDP für eine Koalition umworben. Und die Liberalen schwenken nun um. © dpa
Mit einem konstruktiven Misstrauensvotum wird SPD-Kanzler Schmidt (rechts) am 1. Oktober 1982 mit den Stimmen von Union und FDP abgewählt - und gleichzeitig Kohl zum neuen Kanzler gewählt. © dpa
Kohl setzt per Vertrauenfrage Neuwahlen an - allerdings erst in einem halben Jahr. Denn die Wut der Wähler gegen die "Wendehälse" der FDP ist riesengroß. Kohl will warten. bis sich der Ärger wieder gelegt hat.  © dpa
Der Plan geht auf. Bei der Bundestagswahl holt die schwarz-gelbe Koalition die Mehrheit. SPD-Kandidat Hans-Jochen Vogel scheitert klar gegen Kohl. © dpa
Die ersten Jahre von Kohls Kanzlerschaft sind von einem wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. Zudem setzt Kohl den noch unter der Regierung Schmidt gefassten NATO-Nachrüstungsbeschluss gegen die Proteste der Friedensbewegung durch. © dpa
In den 1980er Jahren erschüttert die Flick-Parteispendenaffäre die Republik. Dabei kam heraus, dass sich Union, SPD und FDP über das Parteiengesetz hinweggesetzt hatten. Kohl übersteht die Affäre. © dpa
Große Geste: Am 22. September 1984 treffen sich Kohl und der französische Präsident François Mitterrand am Ort der Schlacht um Verdun (Frankreich), um gemeinsam der Toten der beiden Weltkriege zu gedenken. Das Foto ihres minutenlangen Händedrucks wird zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung. © dpa
1985 kommt es dagegen zu einer hitzigen Debatte: Am 5. Mai 1985 legen Kohl und US-Präsident Ronald Reagan zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Bitburg einen Kranz auf dem Soldatenfriedhof nieder. Da dort auch Angehörige der Waffen-SS begraben sind, wurden Proteste aus der ganzen Welt laut. © dpa
Bei der Bundestagswahl 1987 scheitert NRW-Ministerpräsident Johannes Rau ( SPD) klar als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl. © dpa
Im Spätsommer 1989 sind die Umfragewerte für die CDU/ CSU miserabel. Viele Unionspolitiker fürchten: Es gibt keine Chance mehr, mit Helmut Kohl die nächsten Wahlen zu gewinnen. Auf dem Bremer CDU-Parteitag 1989 (Foto) planen "Parteifreunde" seinen Sturz. © dpa
Sein langjähriger Weggefährte Heiner Geißler (Foto rechts) bereitet den Putsch vor. Der Parteitag soll den beliebten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Lothar Späth, als neuen Kanzler vorschlagen. © dpa
Doch Kohl (der damals an Prostata-Beschwerden leidet) bringt mit äußerster Kraft und an der Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit die Partei hinter sich. Späth (links) verlässt der Mut. Er verzichtet auf die Kandidatur. Kohls Getreue spotten über das schwäbische "Brutusle". © dpa
Im Herbst 1989 schlägt Kohls größte Stunde. Am 9. November fällt die Berliner Mauer, das DDR-Regime steht vor dem Kollaps. Kohl sieht nun eine einmalige Chance für die Wiedervereinigung gekommen, die viele Politiker längst abgeschrieben hatten.  © dpa
Kohl erkennt die nationale Euphorie im Land und handelt mit äußerster Konsequenz.  © dpa
Ohne Absprache mit dem Koalitionspartner FDP und den westlichen Bündnispartnern legt Kohl  schon am 28. November 1989 im Bundestag ein „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ vor. © dpa
Wichtig sind auch Kohls vertrauensvolle Beziehungen zu US-Präsident George Bush. Der Kanzler gewinnt Bush als Fürsprecher der Wiedervereinigung.  © dpa
Dann kann Kohl auch den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow überzeugen: Es ist allein die Sache der Deutschen, über die Einheit ihres Landes zu entscheiden. Mit der Zustimmung der USA und der Sowjetunion steht der Wiedervereinigung nichts mehr im Weg.  © dpa
Am 3. Oktober 1990 dann ist es soweit: Die Teilung Deutschlands ist zu Ende. Die deutsche Einheit ist Realität geworden. © dpa
Der gläubige Christ Kohl sagt rückblickend (im Bezug auf Bismarck) über die Ereignisse der Jahre 1989 und 1990: Wenn der Mantel Gottes durch die Geschichte wehe, müsse man zuspringen und ihn festhalten. © dpa
Im Zuge der Wiedervereinigung wächst Kohls Beliebtheit. Bei der Bundestagswahl 1990 gewinnt Kohl gegen den SPD-Kandidaten Oskar Lafontaine (links). © dpa
1991 wird Berlin wieder zur Bundeshauptstadt. Dafür hatte Kohl sich klar ausgesprochen. Der Bundestag beschließt seinen Umzug vom Rhein an die Spree.  © dpa
Nach der knapp gewonnenen Bundestagswahl 1994 wird Kohl erneut zum Bundeskanzler gewählt. Diesmal setzt er sich gegen den Ministerpräsidenten von Rheinand-Pfalz, Rudolf Scharping ( SPD, rechts), durch. © dpa
Am 31. Oktober 1996 feiert Kohl feiert sein Amtsjubiläum: An diesem Tag überrundet er als dienstältester Kanzler mit 5145 Amtstagen jeden seiner Vorgänger. © dpa
Ein wichtiges Anliegen Kohls (links: der damalige Finanzminister Theo Waigel, CSU) ist das Zusammenwachsen Europas. Am 23. April 1998 stimmt der Bundestag mit großer Mehrheit für die Teilnahme Deutschlands an der Europäischen Währungsunion. Damit wird der Euro eingeführt. © dpa
Nach 16 Jahren Kohl-Regierung wächst im Land die Wechselstimmung. Der Kanzler denkt nicht daran, seinen Platz für einen jüngere Unions-Politiker zu räumen. Von der Anti-Kohl-Stimmung will die SPD bei der Bundestagswahl 1998 profitieren (Foto: SPD-Wahlplakat). © dpa
Mit Erfolg: SPD-Kandidat Gerhard Schröder (rechts) kann nach der Wahl am 27. September 1998 eine rot-grüne-Koalition bilden. Es ist das Ende der Ära Kohl. © dpa
Zunächst wird allenthalben Kohls Lebenleistung gerühmt: Im Oktober 1998 beschließen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Kohl zum Ehrenbürger Europas zu ernennen. Zudem wird er Ehrenvorsitzender der CDU. Die Hymnen auf den Einheitskanzler Kohl erklingen ungefähr ein Jahr lang. © dpa
Dann kommt es Ende 1999 zum Spendenskandal: Es kommt heraus, dass die CDU unter Kanzler Kohl geheime Konten geführt und illegale Spenden angenommen hat. © dpa
Der Affäre wird umso größer, als der Altkanzler gesteht, zwischen 1993 und 1998 Spenden in Höhe von bis zu zwei Millionen Mark in bar angenommen und nicht deklariert zu haben. Die Namen der Spender verrät Kohl bis heute nicht. Er habe ihnen sein Ehrenwort gegeben, betont er. © dpa
Von Dezember 1999 bis Juni 2002 beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestages mit der Frage, ob die Regierung Kohl käuflich war oder nicht. Für die CDU sind die Folgen katastrophal. © dpa
Zudem kommt heraus, dass CDU-Chef Wolfgang Schäuble (Mitte) eine 100.000-Mark-Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber angenommen hat. Dafür muss Schäuble seinerseits den Hut als Parteichef nehmen. Kohl selbst legt den CDU-Ehrenvorsitz nieder. © dpa
Weil Kohl die Spendernamen verschweigt, verhängt die Bundestagsverwaltung gegen die  CDU im Juli 2000 eine Strafe in Höhe von rund 6,5 Millionen Mark, die die Union akzeptiert. Als Ausgleich für den Schaden überweist Kohl aus privaten Spenden aufgebrachte acht Millionen Mark an die Parteikasse. © dpa
Im Jahr 2001 wird schließlich ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Kohl gegen Zahlung einer Geldbuße von 300.000 Mark eingestellt. © dpa
Am 5. Juli 2001 dann ein großer Schicksalsschlag: Helmut Kohls Frau Hannelore nimmt sich im Alter von 68 Jahren das Leben. Sie hatte jahrelang unter einer Lichtallergie gelitten. © dpa
Nach der Bundestagswahl 2002 scheidet Kohl aus Altersgründen aus dem Bundestag aus. In den folgenden Jahren widmet er sich dem Schreiben seiner "Erinnerungen", die in mehreren Bänden erscheinen. © dpa
Seit 2005 lebt Helmut Kohl in einer festen Beziehung mit der 35 Jahre jüngeren Volkswirtin Maike Richter. © dpa
Am 8. Mai 2008 heiratet Kohl seine Lebensgefährtin in der Kapelle der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. © dpa
Seit einem schlimmen Sturz im Jahr 2007 sitzt Kohl im Rollstuhl. (Auf dem Foto rechts: Bundespräsident Horst Köhler) © dpa
Welche Auszeichnung würde Helmut Kohls Lebenswerk noch krönen? Jahr für Jahr wird er als Kandidat für den Friedensnobelpreis ins Gespräch gebracht. Bislang hat der Kanzler der Einheit diesen Preis noch nicht bekommen. Bislang... © dpa

Die Höhepunkte von Knopps Karriere? Beispielsweise seine Tage unmittelbar nach dem Mauerfall 1989 in Berlin: „Man dreht und ist mitten in der Geschichte, die passiert um einen herum. Ich habe noch nie so viele Männer weinen sehen.“ Oder die Reihe „Der verdammte Krieg“, die gemeinsam mit dem sowjetischen und dann russischen Fernsehen zu den Jahren 1939 bis 1945 entstand. „Die lief zeitgleich in beiden Ländern.“ Besonders im Gedächtnis ist Knopp auch die Auszeichnung mit dem Emmy 2005 für „Das Drama von Dresden“ geblieben.

Über die Vergangenheit wird auch privat im Hause Knopp in Mainz geredet. „Jeder Bürger sollte ein Grundverständnis von Geschichte haben. Man wird ja auch im Ausland darauf angesprochen“, sagt der Sohn eines Pharmareferenten. „Meine Kinder gucken auch gelegentlich meine Sendungen, aber sie treten nicht unbedingt in die Fußstapfen ihres Vaters.“ Tochter (17) und Sohn (18) ziehe es beruflich eher in die freie Wirtschaft. Vater Knopp will jetzt wieder mehr Cello und Golf spielen. Beides kam in drei Jahrzehnten beim ZDF zu kurz. Nun, im Ruhestand, wird der Historiker Knopp selbst Geschichte.

Von Jens Albes

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