ZDF-Drama „Ellas Entscheidung": Schicksal im Reagenzglas

Nach der Überschreibung des gemeinsamen elterlichen Erbes: Johanna Mosbach (Anna Schudt, rechts) fühlt sich von ihrer Schwester Ella Herlinger (Petra Schmidt-Schaller) erpresst. Foto: zdf/Erika Hauri

Gibt es das Recht auf ein gesundes Kind? Im Drama „Ellas Entscheidung" behandelt Regisseurin Brigitte Maria Bertele das umstrittene Thema Präimplantationsdiagnostik. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Geschichte wird im Film erzählt?

Ella (Petra Schmidt-Schaller) und Marcus Herlinger (Christian Erdmann) wünschen sich ein Kind. Doch Ella ist Überträgerin der unheilbaren Erbkrankheit Duchenne, an der ihr zwölfjähriger Neffe Lennart Mosbach (Joshua van Dalsum) bereits erkrankt ist. Um dies beim eigenen Kind zu verhindern, hat sich das Paar für die Präimplantationsdiagnostik (PID) entschieden: Dabei werden Eizellen im Reagenzglas befruchtet - allerdings werden nur Embryos ohne den Gendefekt eingepflanzt. In Deutschland ist dieses Verfahren zulässig, aber nur dann, wenn die Eltern Träger eines schweren Gendefekts sind.

Was verbirgt sich hinter der Erbkrankheit Duchenne? 

Dies ist die häufigste muskuläre Erbkrankheit im Kindesalter, fast immer sind Jungen betroffen. Die Krankheit endet tödlich.

Warum kommt es im Film zwischen Ella und ihrer Schwester zum Streit? 

Ohne das Wissen ihrer älteren Schwester Johanna Mosbach (Anna Schudt) versucht Ella, mithilfe von PID schwanger zu werden. Für die mehrere Tausend Euro teure Behandlung beleiht Ella den von den Eltern geerbten und von Johanna geführten Bauernhof - ohne ihr den wahren Grund zu nennen.

Wie reagiert Johanna auf Ellas Schwangerschaft? 

Sie sieht diese als einen Angriff auf die Würde ihres Sohnes. Ellas Schwangerschaft spricht sich in dem kleinen bayerischen Ort schnell herum und nicht nur ihre Schwester geht auf Distanz.

Lohnt sich das Einschalten für den Zuschauer? 

Im Rollstuhl: Lennart Mosbach (Joshua van Dalsum). Foto: zdf

Auf jeden Fall, denn „Ellas Entscheidung“ ist ein einfühlsames, fachkundig recherchiertes und mutiges Drama. Deutlich wird der Gewissenskonflikt, in den Eltern geraten können. Der Film lebt vom sensiblen Spiel Schmidt-Schallers und der sympathischen Darstellung des jungen Joshua van Dalsum als Lennart. Sehenswert ist auch Schudt in der Rolle der Mutter, die für ihren Sohn ohne Wenn und Aber einsteht.

Einzige Schwäche des Films: Es braucht einige Zeit, bis der Konflikt zwischen den Schwestern in Gang kommt. Dies ist aber aufgrund der komplexen Themen - der Wert des Lebens, die Würde von Behinderten und unser Umgang mit ihnen - verzeihbar. Letztlich bleibt es eine persönliche Entscheidung: Darf man Schicksal spielen und eine Unterscheidung von lebenswertem und unlebenswertem Leben vornehmen?

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