"Ziemlich beste Freunde": Die wahre Geschichte zum Kino-Hit

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In dem Film „Ziemlich beste Freunde“ spielt François Cluzet den querschnittsgelähmten Adeligen Philippe Pozzo di Borgo, Omar Sy seinen Pfleger.

München - Ein wunderbarer Film aus Frankreich sorgt nun auch in Deutschland für Furore. „Ziemlich beste Freunde“ erzählt eine wahre Geschichte - und dieser ist unsere Autorin auf den Grund gegangen.

Die Nacht war schlecht. Der Herbst ist nicht seine Jahreszeit. Khadija, seine Frau, hat bis zum frühen Morgen dieses wolkigen 11. November an seinem Bett gewacht, um seine Schmerzen zu lindern. „Wenn Sie den Film gesehen haben“, sagt Philippe Pozzo di Borgo, „verstehen Sie.“

In dem Film „Ziemlich beste Freunde“ (Originaltitel: „Intouchables“, „Die Unberührbaren“) spielt François Cluzet den querschnittsgelähmten Helden, der im Bett liegt und fast erstickt, das Gesicht gekrümmt vor Schmerz. Driss (Omar Sy), sein häuslicher Pfleger, ein großer Schwarzer in Unterhose, eilt herein, rüttelt ihn, versucht, ihn zur Ruhe zu bringen, ihn atmen zu lassen, herzt ihn dann und wischt ihm die Stirn ab, als kümmere er sich um einen Sterbenden.

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Der „Schuh des Manitu“ (2001) von Michael Bully Herbig ist eine Parodie zu Karl Mays Winnetou und entstand aus den Sketchen der Comedy-Sendung „Bullyparade“. Abahachi (Bully) und Ranger (Christian Tramitz) reiten durch die Steppe und sind “mit der Gesamtsituation unzufrieden“. In weiteren Rollen spielen u.a. Rick Kavanian, Sky du Mont und Marie Bäumer. © dpa
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Auch der “Pate“ von Francis Ford Coppola zählt zu den Klassikern in der Filmgeschichte und ist Kult. Das Zitat stammt aus dem ersten Film der dreiteiligen Romanverfilmung aus dem Jahr 1972. In Teil eins spielt Marlon Brando den Mafiaboss Don Vito Corleone. Später wird sein jüngster Sohn Michael Corleone (Al Pacino) sein Nachfolger (Das Bild zeigt eine Szene aus Teil drei) © ap/Paramount Pictures
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Das Zitat stammt aus der Science-Fiction-Trilogie „Zurück in die Zukunft“, deren erster Teil im Jahr 1985 in die Kinos kam. In den Hauptrollen spielen Michael J. Fox als „Marty McFly“ und Christopher Lloyd als „Doc Brown“. © dpa
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„Hasta la vista Baby“: Eines der Top-Zitate in der Filmwelt aus dem zweiten Teil von „Terminator“, der 1991 in die Kinos kam. Mit "Terminator" schaffte Arnold Schwarzenegger seinen Durchbruch im Filmgeschäft. © dpa
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Diese Lebensweisheit stammt von „Forrest Gump“. „Forrest Gump“ ist eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Winston Groom. Das Drama um den geistig zurückgebliebenen Außenseiter (gespielt von Tom Hanks) kam 1994 in die Kinos und wurde mit sechs Oscars ausgezeichnet. © 
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„Yeah Baby“ kommt in allen drei Teilen der James-Bond-Parodie „Austin Powers“ (1997, 1999, 2002) vor. In der Hauptrolle ist jeweils Mike Myers zu sehen. © dpa
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Diesen Zaubertrick zeigt Heath Ledger als „Joker“ in „Batman the Dark Knight“ aus dem Jahr 2008. Ledger starb kurz nach den Dreharbeiten und wurde posthum mit einem Oscar ausgezeichnet. © ap/Warner Broth. Pictures
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Mit diesem Spruch verführt Richard (Rick) Blaine (Humphrey Bogart:) seine Angebetete Ilsa Lund (Ingrid Bergman). Die Liebesromanze „Casablanca“ ist ein absoluter Klassiker. © dpa
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Das Zitat stammt aus „James Bond - Casino Royale“ (2006). In den Hauptrollen spielen Daniel Craig und Eva Green. © dpa
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Der Tanzfilm „Dirty Dancing“ aus dem Jahr 1987 ist ein Klassiker in der Filmgeschichte. Frances „Baby“ Houseman (Jennifer Grey) verliebt sich in den Tanzlehrer Johnny (Patrick Swayze). © dpa
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So lässt Kevin Costner als Frank Farmer eine Frau in “Bodyguard“ (1992) abblitzen. Frank Farmer ist der Leibwächter von Popstar Rachel Marron (gespielt von Whitney Houston). © Pro Sieben
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Das Zitat verrät auch gleichzeitig den Filmtitel. „Fight Club“ kam 1999 in die Kinos. Edward Norton und Brad Pitt gründen den „Fight Club“, eine Art Selbsthilfegruppe, in der sich regelmäßig Männer treffen um gegeneinander zu kämpfen. © dpa/20th Century
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Der nackte Hetero ist Til Schweiger als Axel in der Komödie „Der bewegte Mann“ aus dem Jahr 1994. (Produzent Bernd Eichinger, Foto). Nachdem Axel von seiner Freundin Doro (Katja Riemann) inflagranti erwischt wird und aus der gemeinsamen Wohnung fliegt, kommt er beim homosexuellen Norbert unter. Verwechslungen und Missverständnisse sorgen für ein höchst amüsantes Chaos. © dpa
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„Yippi ya yeah, Schweinebacke“: Dieses Zitat stammt aus dem Actionfilm „Stirb langsam“ (1988). Bruce Willis spielt den Polizisten John McClane, der zufällig in einen Terroranschlag verwickelt wird und auf eigene Faust gegen die Verbrecher vorgeht. Der Film wurde später mit den Filmen "Stirb langsam 2", "Stirb langsam: Jetzt erst recht" und "Stirb langsam 4.0" fortgesetzt. © dpa
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Die Liebeskomödie aus dem Jahr 1989 dreht sich um die Freundschaft von „Harry und Sally“ (Filmtitel). Harry ist überzeugt, dass Frauen und Männer nie nur befreundet sein können. Die Szene, in der Sally in einem Restaurant einen Orgasmus vortäuscht, ging in die Filmgeschichte ein. © ap
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In der Liebeskomödie „Keinohrhasen“ muss Boulevardreporter Ludo Decker (Til Schweiger) bei seiner früheren Schulkameradin und Kinderhortleiterin Anna Gotzlowski (Nora Tschirner) eine Bewährungsstrafe abarbeiten. Anfangs können sich die beiden nicht ausstehen, was sich im Laufe des Films natürlich ändert... © dpa
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Der Fantasyfilm „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ ist der erste Teil der dreiteiligen Verfilmung des Romans „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien. Die Geschichte um Hobbit Frodo (Elijah Wood) und seine Begleiter (Gandalf, Aragorn, Sam, Pippin, Merry, Boromir, Legolas und Gimli) kam im Jahr 2001 in die Kinos und wurde ein riesiger Erfolg. © dpa
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In Quentin Tarantinos Action-Zweiteiler „Kill Bill“ spielt Uma Thurman die Killerin Beatrix Kiddo. Nachdem sie schwanger wird, verlässt sie das Attentatskommonado „Tödliche Viper“ und lässt ihren Boss im Glauben, sie sei tot. Kurz darauf spürt das Attentatskommando sie jedoch auf und erschießt bei der Probe von Kiddos Hochzeit die versammelte Gesellschaft. Nach vier Jahren im Koma, beschließt Kiddo sich zu rächen und erstellt eine „Todesliste“. © ap
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„Supercalifragilisticexpialidocious“ ist bekannt aus dem Musical-Film „Mary Poppins“ aus dem Jahr 1964. Das außergewöhnliche Kindermädchen Mary Poppins (Julie Andrews) kann mit aufgespanntem Regenschirm vom Himmel schweben. © dpa
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Diesen Spruch darf sich der Millionär Edward Lewis (Richard Gere) von der Prostituierten Vivian (Julia Roberts) anhören, als sie zusammen in seinem Wagen zum Hotel fahren. Eigentlich soll Vivian nur eine Woche als professionelle Begleiterin bei dem Finanzmogul bleiben, doch es entwickelt sich mehr... „Pretty Woman“, aus dem Jahr 1990 war der Durchbruch für Julia Roberts. Für viele sind die beiden Hauptdarsteller noch heute ein Traumpaar. © dpa
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Die deutsche Komödie „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ gehört zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 1997. Im Münchner Restaurant „Rossini“ (der gleichnamige Besitzer wird von Mario Adorf gespielt) trifft sich die oberflächliche Medienszene der Stadt. Darsteller sind u.a. Götz George, Heiner Lauterbach, Jan Josef Liefers, Veronica Ferres oder Gudrun Landgrebe. © dpa
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Dieses Zitat stammt aus einem Film von Quentin Tarantino. In der Gangstergeschichte „Pulp Fiction“ aus dem Jahr 1994 spielen John Travolta, Samuel L. Jackson und Uma Thurman in den Hauptrollen. © dpa
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In der Science-Fiction-Komödie „Spaceballs“ aus dem Jahr 1987 werden die Star-Wars-Filme parodiert. Produzent und Regisseur Mel Brooks tritt auch als Darsteller auf. In weiteren Rollen sind Bill Pullmann als Lone Starr, John Candy als Waldi (er bezeichnet sich als Möter) und Daphne Zuniga als Prinzessin Vespa zu sehen. © Pro Sieben
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Die mit Abstand erfolgreichste Verfllmung des Untergangs der „Titanic“ aus dem Jahr 1997 wurde mit elf Oscars ausgezeichnet. Das Drama von James Cameron ist mit der Liebesgeschichte von Habenichts Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) und der Erste-Klasse-Passagierin Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet) verflochten. © ap / Paramount Pictures
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Das Zitat stammt aus dem Actionfilm „Last Boy Scout“ aus dem Jahr 1991. Die Hauptrollen spielen Bruce Willis und Damon Wayans. © Pro Sieben
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Die Komödie „Zoolander“ aus dem Jahr 2001 mit Ben Stiller und Owen Wilson in den Hauptrollen, dreht sich um das männliche Model Derek Zoolander, der sich mit Jungspund Hansel rumärgern muss. © dpa
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Monty Python’s „Das Leben des Brian“ (1979) setzt sich mit Figuren und Ereignissen der biblischen Geschichte auseinander. Die Satire stand anfangs wegen des Vorwurfs der Blasphemie in der Kritik. © 
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Bekannt aus „Apollo 13“. Der Film (1995) ist unter anderem mit Stars wie Tom Hanks, Bill Paxton oder Kevin Bacon besetzt. © dpa
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„Guten Morgen Engel“ - „Guten Morgen Charlie“ ist das Zitat aus der Kultserie „Drei Engel für Charlie“. Im Jahr 2000 gab es eine Neuverfilmung mit Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu in den Hauptrollen. © dpa/Columbia Tri-Star
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Der knallharte Typ, von dem hier die Rede ist, heißt Rambo. (Das Zitat stammt aus dem 3. Teil) © dpa
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Noch ein Zitat aus dem mehrfach oscargekrönten Fantasyfilm "Herr der Ringe - Die Gefährten". Das Zitat stammt aus der Szene, in der Zauberer Gandalf und die Gefährten in den Minen von Moria auf den Dämon Balrog treffen. © dpa
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Hier sucht Harry Potter in der Bestseller-Verfilmung "Harry Potter und der Stein der Weisen" das Gleis 9 3/4, von dem der Zug ins Zauber-Internat Hogwarts abfährt. © dpa
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In der Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" erlebt Billy Murray ein und denselben Tag immer und immer wieder. (Das Bild zeigt William Cooper mit Murmeltier Phil in Gobbler's Knob, einem Waldstück bei Punxsutawney, Pennsylvania) © 

Philippe Pozzo di Borgo, 60, das ist der wahre Querschnittsgelähmte, der, der die Filmemacher zu diesem Streifen inspiriert hat. In weniger als zwei Wochen hat die Geschichte um die Freundschaft zwischen einem Adeligen im Rollstuhl und einem Gangster aus der Pariser Banlieue mehr als drei Millionen Zuschauer in Frankreich begeistert. Mittlerweile sind es weit über 17 Millionen. Auch in Deutschland ist der Film „sensationell“ gestartet, heißt es beim Senator Filmverleih. Knapp 330 000 Zuschauer haben ihn in der ersten Woche gesehen.

Der Blick von Philippe hellt sich auf. Goldene Augen hat er, etwas Kastanie ist darin zu erkennen und etwas Honig. Es sind Augen, die einen anstarren und nicht mehr loslassen. Lachende Augen, eindringliche Augen, nachdenkliche Augen, verführerische Augen... Philippe hat keine Hände und keine Schultern, um seine Worte zu unterstreichen, für ihn gibt es nur einen großen elektrischen Rollstuhl, gesteuert von der Spitze seines Kinns. Verführerisch? Das Adjektiv gefällt ihm. „Ein Querschnittsgelähmter hat keine andere Wahl, sonst ist er tot.“ Er muss seinen Gegenüber vergessen lassen, dass er den Kaffee mit dem Strohhalm trinkt, um ihm glaubhaft zu erzählen, wie er seine zweite Frau erobert hat.

„Der Erfolg des Films ist unglaublich“, sagt Philippe Pozzo di Borgo. Wie man ihn erklären kann? Er hat da eine These: „Dies ist keine Geschichte über Behinderte. Eher eine allgemeine Lehrstunde über zwei Verzweifelte, die sich unterstützen. Im französischen Filmtitel ,Intouchables‘ ist der Buchstabe der wichtigste, den man nicht hört. Das S, für Solidarität. Unsere Gesellschaft spielt verrückt, alles gerät in Unordnung, die Finanzmärkte und der ganze Rest. Es ist richtig, sich zu empören, das reicht aber nicht. Man muss auch zusammenstehen.“ Ist das ein Rest bürgerlicher Erziehung? Das Erbe dieses einen Großvaters, der Kompagnon des kommunistischen Fabrik-Chefs war? Die Pozzo di Borgo sind Linke, alte Familientradition. Aber Philippe hat 2007 Sarkozy gewählt. Ob er das noch mal tun würde? Er weiß es nicht.

Das wunderbare Abenteuer hat hier begonnen. In diesem hübschen Architektenhaus ein paar Kilometer von Essaouira entfernt, dem alten Mogador, an der marokkanischen Atlantikküste. Die Stadt ist in Mode. Aber die Pozzo di Borgo leben auf dem Land, weit weg von der Aufregung, am Ende eines steinigen Weges, den ortskundige Taxi-Fahrer nur sehr zögerlich benutzen. Hier, in diesem nach Eukalyptus, Jasmin und Rosmarin duftenden Garten hat der ehemalige Patron des Champagner-Hauses Pommery, der Erbe der Herzöge Pozzo di Borgo und der Marquis von Vogüé, zwei große Familien der französischen Aristokratie, endlich eine Zuflucht gefunden, mit Khadija und den beiden gemeinsamen Töchtern.

Im Jahr 1993, mit 42, ist Philippe mit seinem Gleitschirm abgestürzt, „zwischen dem grünen Gras und der Hölle“, wie er sagt. Der Gleitschirm war seine Droge geworden, ein Mittel, dem Alltag zu entfliehen und den Regeln der Schwerkraft zu trotzen und dem Krebs, der seit einem Jahrzehnt an seiner Frau Béatrice nagte. Ein falsches Manöver. Das Rückenmark wurde sehr weit oben durchtrennt, zwischen den Wirbeln C3 und C4. Drei Jahre später starb seine Frau.

Nach dem Unfall, im Dezember 1994, trat Abdel in Philippes Leben ein, ein Algerier in seinen Zwanzigern, der gerade aus dem Knast entlassen worden war. Im Film verkörpert ihn der eingangs erwähnte Omar Sy. Philippe nennt Abdel einen „Trampel“, 1,70 Meter hoch und ebenso breit, einer, der mehr haut als dass er spricht. „Wie im Film hat er nur auf meine Anzeige reagiert, um weiter sein Arbeitslosengeld zu kassieren. Dann meinte er, das spezielle Hotel im 7. Arrondissement von Paris sei ein Geldschrank, den man einfach knacken könne. Am Ende ist er zehn Jahre geblieben.“

„Anfangs“, erzählt Philippe Pozzo di Borgo, „konnte ich mich nicht bewegen, musste mich aber um meine kranke Frau und unsere beiden Kinder kümmern. Ich brauchte zwei Arme, die mich herumschleppten, ein Körper, der mir half.“ Die Freundschaftsgeschichte, die der Film erzählt, beginnt später. „Als meine Frau starb, ahnte Abdel, dass ich zusammenbrechen würde. Er nahm mich an der Hand, fuhr mich überall hin, nahm mich mit zu den Mädchen. Wir brausten mit dem Rolls-Royce davon, den er ohne Führerschein lenkte, um seine Freundinnen in seiner Siedlung zu besuchen. Er gab mir Gras zu rauchen und belästigte die Haus-Angestellten. Unser Leben, das ist dieser Film – und lauter andere, unbeschreibliche Geschichten.“ Abdel war aber auch anstrengend. Die Kult-Antwort des Films, „Keine Arme, keine Schokolade“, stammt nicht von ihm, aber sie hätte es sein können. Er hat dafür andere Witze gemacht, etwa diesen: „Weißt Du, wo man einen Querschnittsgelähmten findet? Da, wo man ihn abgestellt hat.“

Olivier Nakache und Éric Toledano, die zwei Regisseure, haben seit 2003 mit dem Gedanken gespielt, den Stoff zu verfilmen. Sie hatten eine Dokumentation von Mireille Dumas über Philippe und Abdel gesehen. Das Projekt reifte über die Jahre. Im August 2010 kamen sie mit François Cluzet und Omar Sy für ein Mittagessen nach Essaouira. Philippe Pozzo di Borgo kannte weder den einen noch den anderen. „Ich habe Omar gesagt, er solle sich neben mich setzen und mich füttern. François hat gegenüber Platz genommen und mich während des Essens beobachtet, ohne ein Wort zu sagen. Ich habe mich unwohl gefühlt, er saugte mich förmlich aus. Als wäre er ein Vampir.“ Nach dem Mittagessen lud Philippe die Mannschaft in sein Zimmer ein, um „bei allem“ dabei zu sein: „An dem Tag hatte ich überall wundgelegte Stellen“, erinnert sich Philippe. „François ist zum Fenster gegangen. Ich glaube, das war ein Stück zu hart für ihn.“

Vor Toledano und Nakache gab es bereits Regisseure, die die Rechte an Philippe Pozzo di Borgos Buch „Le second souffle“ („Der zweite Atem“) haben wollten. „Es waren große Namen, aber ich wollte nichts Rührseliges, nichts Nettes. Ich wollte keine Neuauflage von ,Schmetterling und Taucherglocke‘. Das ist ein außergewöhnlicher Film, ohne Frage, aber so habe ich nicht überlebt.“ Von Nakache, Toledano und dem Produzenten Nicolas Duval verführt, gab Pozzo di Borgo grünes Licht für den Film – gegen fünf Prozent der Einnahmen für seinen Verein „Simon de Cyrène“, der Behinderte fördert und die Vorführung des Films in seinem Reha-Zentrum in der Bretagne. Seinem zweiten Zuhause. „Ich habe sofort gespürt, dass diese drei die richtigen sind. Sie trafen den Ton, waren zugleich sachbezogen und erfrischend frech. Wir würden mit ihnen auf jeden Fall nicht ins Pathos abdriften“, sagt Pozzo di Borgo.

Abdel lebt heute in Frankreich und in Algerien. Er hat eine Marokkanerin geheiratet und mit ihr drei Kinder. „Abdel und ich haben Marokko jahrelang durchpflügt, weil das Klima mir guttat“, sagt Philippe. Der ehemalige Vorstadt-Gangster hat inzwischen seinen eigenen Masthähnchenbetrieb mit 18 000 Tieren, 130 Kilometer südöstlich von Algier. „Er hat nichts gefordert für den Film. Das ist nicht sein Ding.“

Die beiden Männer sehen sich an Geburtstagen und treffen sich ab und an zum Essen in Essaouira: „Abdel setzt dann einfach alle ins Auto und fährt 1400 Kilometer, um einen Nachmittag hier zu verbringen“, erzählt Philippe. „Jahrelang hat er, der Straftäter, sich von den Bullen verfolgen lassen, heute setzt er die Hähnchen in Legebatterien.“ Um das so lustig zu finden wie Philippe Pozzo di Borgo, muss man nur wissen, dass die „Bullen“ in Frankreich „Hähnchen“ heißen, „poulets“.

Die Journalistin Marie-Christine Tabet, 46, arbeitet für den „Journal du Dimanche“ (JDD), die einzige französische Sonntagszeitung. Ihre Artikel erscheinen auch im renommierten „Le Figaro“. Dieser Text erschien am 13. November 2011 im JDD. Er wurde an einigen wenigen Stellen aktualisiert und/oder leicht verändert.

Übersetzung: Thierry Backes

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