TV-Kritik zum Bremer "Tatort": Es gab kein Entrinnen

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Das Ermittlerteam, gespielt von Oliver Mommsen (von links), Luise Wolfram, Sabine Postel.

Muss eine Themenwoche der ARD unbedingt in einen passenden Tatort münden? Das ist nicht immer eine gute Idee, meint HNA-Kulturredakteur Mark-Christian von Busse.

In der schönen neuen Welt reden sogar die Toten. Die Omnipräsenz des digitalen Abbilds von Vanessa Arnold (Adina Vetter) wirkte nach deren Unfalltod weiter, vom Tablet lächelte die am Computer erzeugte „Nessi“. Die Start-up-Gallionsfigur hatte sich wehren wollen, als die künstliche Intelligenz, die ihr Konterfei nutzte, sich unkontrollierbar verbreitete und verselbstständigte. Aber es gab kein Entrinnen, sie musste deshalb sterben – wofür die Verantwortung gar niemandem mehr persönlich zuzurechnen war.

Berührend, wie die Tochter der Toten mit der nur virtuellen Vanessa kommunizierte und den Leichnam in der Rechtsmedizin sehen musste, um sich der Realität zu versichern. Im Grunde aber war der Bremer „Tatort: Echolot“ von Anfang an so verunglückt wie das Opfer der vom System selbst manipulierten Software. Es ist einfach keine gute Idee, eine ARD-Themenwoche zwanghaft mit einem Thesen-„Tatort“ unterfüttern zu wollen.

Ein Quartett versuchte sich am Drehbuch, darunter Claudia Prietzel und Peter Henning, die die krude Story umsetzten. Nur die sozial gestörte Superspezialistin Linda Selb (Luise Wolfram) blickte durch – blitzschnell. Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) wirkten verloren in der schicken Welt der Krypto-Dateien und Datenbrillen. Vielleicht ganz tröstlich: Die hippe Firma stand kurz vorm Exitus.

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