TV-Kritik zum Kieler "Tatort": Trostloses Milieu

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Ermittelten in Problemstadtteil: Brandt (Sibel Kekilli) und Borowski (Axel Milberg).

Eine dichte, beklemmende Milieustudie war der Kieler "Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden". Die Folge bot 90 fesselnde Minuten über Verwahrlosung und sexuellen Missbrauch, findet HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse.

Im Südwesten wird eifrig um die Nachfolge der Ermittler vom Bodensee ab 2016 gebuhlt, als sei der „Tatort“ eine Art Fremdenverkehrswerbung. Im bedrückenden Fall „Borowski und die Kinder von Gaarden“ war der gleichnamige Kieler Problemstadtteil alles andere als einladend.

Bewerbungen würden aufgrund dieser Adresse sofort aussortiert, sagte ein Jugendlicher: „Du kannst entweder alles falsch oder ganz falsch machen. Ein Richtig gibt es hier nicht.“ Wie der kleine Leon (Amar Saaifan) verschmutzt, niedergedrückt, allein mit dem ironischerweise Lassie benannten Hund durchs Viertel schlich, schon das sagte viel aus. Schauspielerisch stark.

Ein alkoholabhängiger Pädophiler tot, ein paar verrohte Kinder, ein möchtegern-cooler Polizist als Rambo im Revier (Tom Wlaschiha) – wie sollten daraus 90 fesselnde Krimiminuten gestrickt werden? Das ließ sich zu Beginn befürchten. Eva und Volker A. Zahn (Buch) und Florian Gärtner (Regie) gelang aber genau das – eine dichte, beklemmende Milieustudie über Verwahrlosung und sexuellen Missbrauch. Und der Wahrheitssuche kam eine Kommissarin im „Tatort“ wohl noch nie beim Black Jack nahe.

Mit dem lakonischen „Ist mir bekannt“ reagierte Klaus Borowski (Axel Milberg) auf den Satz „Sie sind ein blödes Arschloch“. Am Ende lehnte sich Sarah Brandt (Sibel Kekilli) an seine breite Brust. Es sah so gar nicht danach aus.

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