TV-Kritik zum Kölner "Tatort": Schrecklich schön

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Und ein Bild der beiden Hauptfiguren Adrian (Rick Okon) und Laura (Ruby O. Fee).

Zuletzt hätte man die Kölner "Tatort"-Kommissare am liebsten in Rente geschickt. "Kartenhaus" war jedoch ein ungewöhnliches Sozialdrama, findet unser Kritiker Matthias Lohr

Ganz am Ende dieses sehr guten Kölner „Tatorts“ hörte man den 80er-Jahre-Hit „Wonderful Life“. Der englische Musiker Black, der mit ihm berühmt geworden war, starb vor wenigen Wochen. Nun coverten Tom Smith von den Editors und Andy Burrows diesen sarkastischen Titel über die Einsamkeit, die eben gar nicht so schön ist, wie es im Text heißt. Dazu geschah das, was in „Kartenhaus“ unvermeidlich war: Jemand stürzte von einem Hochhaus in den Tod.

Das Ende war so schrecklich schön wie der ganze Krimi, der eigentlich ein Sozialdrama und Roadmovie war. Drehbuchroutinier Jürgen Werner erzählte von dem armen Adrian (Rick Okon), der den Stiefvater seiner reichen Freundin Laura (Ruby O. Fee) erstach, weil der die junge Frau missbraucht haben sollte. Die anschließende Flucht des Bonnie-und-Clyde-Pärchens inszenierte Regisseur Sebastian Ko in flirrenden Sommerbildern. Einmal ließ er eine Plastiktüte eine kleine Ewigkeit in der Luft tanzen.

Solche Bilder gab es zuletzt selten am Rhein. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) schienen reif für die Rente an der Currywurst-Bude. Diesmal aber zerredeten ihre Figuren nicht den Plot. Einmal sagte Schenk über Bonnie und Clyde vom Rhein nur: „Sie lügt, er träumt, eine gefährliche Mischung.“

„Kartenhaus“ zeigte eindrucksvoll, dass das Leben eben nicht immer wundervoll ist und die Liebe manchmal alles nur noch schlimmer macht.

Das Lied "Wonderful Life", das im "Tatort" vorkommt.

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