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TV-Kritik zum Münster-"Tatort": Lächerlich, aber lustig

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Naturbursche: Karl Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers). © wdr

Viele Handlungsstränge und eine plötzlich erwachte Jagdleidenschaft. Jeder andere Krimi wäre wohl mit der Geschichte des Münsteraner "Tatort" ins Alberne abgeglitten. Zum Glück gab es das sympathische Spiel des Ermittlerduos Boerne und Thiel, meint HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse.

Es wäre ein Leichtes, den Münsteraner „Tatort: Fangschuss“ – schon der 31. des populären Duos Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl) – bloß noch lächerlich zu finden. Die Eitelkeit des Rechtsmediziners wurde absolut albern übertrieben, seine plötzliche Verwandlung in einen Naturburschen mit Jagdleidenschaft war total unglaubwürdig. Thiel nahm man seine vorsichtigen Vatergefühle nach dem plötzlichen Auftauchen einer vermeintlichen Tochter, der „Rotzgöre“ Leila (Janina Fautz), auch nicht ab. Vom kruden Fall um Wundermittel gegen Haarausfall und dioxinhaltiges Tierfutter ganz zu schweigen.

Und doch: Thiel und Boerne reißen es mit ihrem charmanten Spiel eben immer raus. Stefan Cantz und Jan Hinter haben die präzisen Dialoge voll Schlagfertigkeit und Biss verfasst, US-Regisseur Buddy Giovinazzo, der schon mehrere deutsche Krimis gedreht hat, setzte die Folge routiniert um. Wie Boerne von Bohnen aus Honduras als „Grand Cru unter den Kaffees“ schwärmte, einen Erfolg als „japanisches Kirschblütenfest“ bejubelte, über Stummelschwanzmakaken philosophierte und am Schießstand schwächelte („das Gewehr schießt, wie es will“), war wirklich geistreich. Waidmannsdank dafür.

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