TV-Kritik des Polizeirufs 110: Die Scala muss warten

Meist geht es in Halle, wo die Hauptkommissare Schmücke und Schneider (Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler) ermitteln, gemächlich zu. Bis kürzlich Isabell Gerschke als ihre junge Kollegin Lindner frischen Wind in die Behördenflure brachte, drohte der MDR-„Polizeiruf 110“ vollends in Routine zu erstarren.

Aber diesmal war alles anders. „Bei diesem verdammten Fall stimmt überhaupt nichts“, ärgerte sich die neue Oberkommissarin.

Für die Zuschauer jedoch stimmte vieles - sieht man von einigen arg holzschnittartigen Dialogen ab. Autor Matthias Herbert und Regisseur Jorgo Papavassiliou inszenierten die Entführung der 17-jährigen Lissi als nervenstrapazierenden Wettlauf mit der Zeit: für Opfer, Eltern und Ermittler. Als Schmücke, niedergeschossen und knapp gerettet, in der Intensivstation aufwachte, dämmerte ihm sogleich, dass der scheinbar so fürsorgliche Anwalt und Freund der Mutter (Michael Lesch in ungewohnter Rolle) nicht sauber sei.

Die Kollegen wussten es längst, auch am Bildschirm hatte man es früh geahnt. Der Spannung tat es keinen Abbruch. Schmücke träumte zwischenzeitlich vom Ruhestand, von einem Besuch der Scala. Doch das Opernhaus in Mailand wird warten müssen. In dieser Form wird er in Halle noch gebraucht.

Von Mark-Christian von Busse

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