So rasant wie Berlin

TV-Kritik: Premiere des  Berliner „Tatort“-Teams überzeugt und schockt

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Die verzweifelte Jo (Emma Bading) hat ihren Bruder Ronny (Theo Trebs) herbeigerufen. Zusammen fliehen sie vor skrupellosen Drogenhändlern.

Nicht nur das neue Ermittlerduo überzeugt beim Berliner "Tatort". Die Episode "Das Muli" war spannend bis zur letzten Sekunde, findet Volontärin Gudrun Skupio.

Mit einem krassen Bruch zwischen der althergebrachten Titelmelodie des „Tatorts“ und der Eingangsszene debütierte das Berliner Ermittlerduo in der Episode „Das Muli“. Derart erschütterte das blutverschmierte, wimmernde Mädchen (nahezu erschreckend authentisch gespielt von Emma Bading), das ziellos und unbeachtet von den zahlreichen Menschen am helllichten Tag durch Berlin irrte.

War der Zuschauer beim Szenenwechsel regelrecht erleichtert, es endlich den Passanten der anonymen Hauptstadt gleich tun zu können und sich nicht mehr mit der nackten Verzweiflung des Mädchens beschäftigen zu müssen, blieb ihm jedoch kaum Zeit zum Durchatmen: Bei einem extrem derben Hinterhof-Quickie, der eher einer Vergewaltigung glich, inklusive Einsatz eines Gürtels, trat die neue Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) in Erscheinung.

Auch mit der Figur des überheblichen Kollegen Robert Karow (Mark Waschke), der mit Stiften um sich schmeißt, haben Regisseur Stephan Wagner und Drehbuchautor Stefan Kolditz eine realistische Persönlichkeit mit Ecken und Kanten geschaffen. Anhand drastischer Bilder lösen sie in einer zur pulsierenden Metropole passenden, rasanten Erzählgeschwindigkeit mit Zeitraffern die verstörende Eingangsszene auf: Die 13-jährige Jo wurde mit ihrer Freundin Barbara als Drogenkurier angeheuert, Barbara nach gesundheitlichen Problemen kurzerhand bei lebendigem Leib ausgeweidet, um an die kostbaren Beutel mit Kokain zu gelangen.

Bis zur letzten Minute bleibt die Folge spannend, was Karows undurchschaubaren Art zu verdanken ist. Seine Kontakte zu den Dealern sowie der mysteriöse Tod seines ehemaligen Kollegen bleiben ungeklärt. Aufgewühlt und überfahren von der Fülle drastischer Eindrücke bleibt der Zuschauer zurück und wartet mit Spannung auf die nächste Folge.

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