Im Zentrum der Griechen-Krise: TV-Kritik zur Schäuble-Doku

Max Holscher über die ARD-Dokumentation, in der die Darstellung von Schäuble über die normale Politikberichterstattung hinausgeht.

Es ist eine Szene, die charakteristisch für das ARD-Porträt „Wolfgang Schäuble - Macht und Ohnmacht“ steht. Schäuble trifft erstmals den griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis. Die Presse will ein Foto. Varoufakis fragt auf Englisch: „Sollen wir einen Handschlag machen?“. Schäuble schüttelt mit dem Kopf. „Nein. Keinen Handschlag.“ Was vermeintlich als Witz begann, entwickelt sich in der Folge zu einer harten politischen und verbalen Auseinandersetzung der beiden.

Im Zentrum der Griechen-Krise: Wolfgang Schäuble. Foto:  swr

Schäuble gegen Varoufakis - das ist der rote Faden des 75-minütigen Politikerporträts. Dem Autor Stephan Lamby gelingt die Darstellung eines ungewöhnlichen Duells. Da der Medienpopstar aus Athen, auf der anderen Seite der CDU-Politiker aus Freiburg, mürrisch und bisweilen müde. Das Porträt geht über die normale Politberichterstattung hinaus. Der Zuschauer erhält Einblicke hinter die Kulissen, und das in einer Zeit, in der die griechische Regierung um Milliarden kämpft: Schäuble, wie er abgekämpft im Flugzeug sitzt, gute Miene macht, als er in den USA einen Pulk Investmentbanker trifft. Immer wieder wechselt sich die Euro-Krise mit kürzeren Rückblenden ab: Der Bruch mit Helmut Kohl, das Attentat, das ihn in den Rollstuhl brachte. Offene Worte, dass er am Sinn des Weiterlebens zweifelte.

Es wurde hart um die Zukunft der Griechen gerungen. Das wird in dem Beitrag deutlich. Dem Autor ist ein Politkrimi gelungen, der einem nicht nur die Krise verständlicher macht, sondern auch Schäuble als Menschen näherbringt. 

Der Film ist noch online in der ARD-Mediathek unter www.mediathek.daserste.deanzuschauen.

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