TV-Kritik zum Schweizer „Tatort“: Besessen vom Tod

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Tatort: Freitod

Der Schweizer „Tatort“ dekliniert das kontroverse Thema Sterbehilfe anhand eines ungeklärten Tötungsdelikts durch. Mark-Christian von Busse hat sich den Krimi angesehen.

Eines vorab: Die Schweizer „Tatort“-Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Meyer) werden einem vertrauter. Man blieb gestern Abend ganz beim eigentlichen Fall, nach Startschwierigkeiten und qualitativ unterschiedlichen Krimis sind die Luzerner Ermittler mittlerweile in der ARD-Reihe angekommen. Zumal sie sich in der Folge „Freitod“ zurücknahmen.

Und auch, weil Sabine Boss ihr Regie-Handwerk verstand. Mit dem Buch von Josy Meier und Eveline Stähelin setzte sie einen typischen Themen-„Tatort“ um, der eine Kontroverse – hier: das Thema Hilfe zum Suizid durch Schweizer Sterbehilfeorganisationen – aus vielen Blickwinkeln und mit den Extrempositionen umkreiste: Tod als Geschäft und „Lebensschutz“ als selbstgerechte Bigotterie. Da gab es die Sterbebegleiterin, die sich mit dem Abschied vom eigenen Partner nicht abfindet, und die Krankenschwester als „Todesengel“ (stark: Anna Schinz), die besessen ist vom Sterben und für die Eros und Thanatos, Sex und Tod, dicht beieinander liegen.

Das war mitunter thesenhaft-holzschnittartig und überzeichnet, in manchen Szenen aber auch durchaus feinfühlig. An Schockmomenten und Grusel sparte dieser Krimi auch nicht. Wirr und heruntergekommen geisterte ein psychisch kranker Verdächtiger (Martin Butzke) in seiner verzweifelten Trauer durch den „Tatort“. Auch dies Bilder, die sich einprägen.

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