Richy Müller undercover

TV-Kritik zum Stuttgarter "Tatort": Moralischer Zwiespalt

Bettina Fraschke, E-Mail: fra@hna.de

Dass ausgerechnet Herbert Knaup als Knast-Sicherheitschef Franke, genannt "der King", recht hölzern agierte, war das Einzige, was man dem spannenden und gelungenen Stuttgarter "Tatort: Freigang" anlasten könnte. Meint HNA-Redakteurin Bettina Fraschke in ihrer TV-Kritik.

Ebenso, dass seine Figur im Drehbuch von Sönke Lars Neuwöhner und Martin Eigler (auch Regie) leicht überzeichnet angelegt war (absurde nächtliche Überrumpelungsbesuche bei seinem Mitarbeiter, gleich zwei Grazien im Arm im Bordell). Der Pfingstmontag bot zum "Tatort"-Saisonschluss hochklassigen Krimistoff.

Wie kann DNA eines Inhaftierten an den Tatort eines Mordes gelangen? Unter großen persönlichen Risiken lüfteten die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ein finsteres Geheimnis.

Undercover-Einsätze sind im "Tatort" oft eine zwiespältige Sache. Dass Lannert sich hier mit einer falschen Identität als Vollzugsbeamter einschleuste und langsam das korrupte System von Vergünstigung und Abhängigkeit entzifferte, das Franke zwischen Beamten und Häftlingen aufgebaut hatte, war aber glaubhaft gestaltet.

Es waren die spannendsten Szenen dieser in der JVA Rosdorf bei Göttingen gedrehten Folge: Wie Lannert immer tiefer in die Mechanik dieser Gefälligkeiten und der gnadenlosen Gewalt hineingeriet und wie er den moralischen Zwiespalt - kann ich es vertreten, bei einer Prügelei wegzuschauen - bewältigte.

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