TV-Kritik zum „Tatort“ vom Bodensee: Vertane Zeit

Champagner, Koks und Sex mit Fesselspielchen – die Handschellen sind mit Glitzersteinchen besetzt: Im Bodensee-„Tatort“ spielte diesmal die Dekadenz eine Hauptrolle. Ihn sich anzuschauen, war vertane Zeit, findet HNA-Kulturredakteur Matthias Lohr.

Das Schönste am „Tatort“ aus Konstanz ist, dass der Bodensee so groß ist. Es gibt viel Platz, wo man Leichen hinlegen kann. Auch in „Todesspiel“ wurde ein Toter am Seeufer gefunden. Der Bodensee liefert malerische Bilder (selbst wenn es um den Tod geht), aber für einen guten Krimi reicht das nicht.

Der 27. Fall von Kommissarin Klara Blum wirft erneut die Frage auf, wieso sich eine tolle Schauspielerin wie Eva Mattes das eigentlich antut: Sie sagt Allerweltsfragen aus dem Drehbuch von Leo P. Ard auf wie: „Ist Ihnen was Besonderes aufgefallen?“ Sie hört sich Antworten an wie: „Herr Wolters liegt sonst nicht tot auf dem Boden.“ Manchmal starrte Mattes alias Blum ihre Kollegen an, als könne sie das alles selbst nicht fassen.

Regisseur Jürgen Bretzinger inszenierte den Fall um den „letzten Playboy von Konstanz“, dekadente junge Menschen und einen Ex-Casting-Star, der im Supermarkt auftritt, so routiniert, als sei der „Tatort“ Fließbandarbeit wie eine Folge der Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Als Karikatur hätte der Krimi funktioniert, aber offensichtlich war er ernst gemeint.

„Carpe Diem“ (Nutze den Tag) hatte eine der eiskalten schönen Frauen an ihre Wohnungswand gepinselt. Für den Zuschauer kam die Erkenntnis zu spät. Dieser „Tatort“ war vertane Zeit.

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