Erpressung, Mafia, Vergewaltigung

TV-Kritik zum "Tatort" aus Bremen: "Porträt des Müllmilieus"

Es ging um den Müll der Stadt, eine Straße voller Ex-Häftlinge – und einen Mann, der alle Fäden in der Hand hält. Nach dem Tod eines Müllmanns waren die Bremer Ermittler Lürsen und Stedefreund im Müllmillieu unterwegs. Der Tatort "Alle meine Jungs" ist ein gelungenes Müllmafia-Porträt, findet HNA-Volontärin Sina Beutner.

Tote Müllmänner, Erpressung, Mafia, Vergewaltigung: Der Bremer "Tatort: Alle meine Jungs" hatte viel zu bieten. Allerdings erst in der zweiten Hälfte, denn es dauerte, bis das "Who is who" der Mafiawelt aufgeschlüsselt war. Danach zog die Handlung an und machte den Film von Florian Baxmeyer zu einem spannenden Milieuporträt. In diesem bot Mafiaboss "Papa" Uwe Frank, großartig gespielt von Roeland Wiesnekker, Ex-Knackis ein halbwegs normales Leben an. Dafür sollten sie nach seinen Regeln spielen.

Der tote Müllmann zu Beginn zeigte, was sonst passiert. Zwar wirkte die Inszenierung mit der häufig eingesetzten Müllmetaphorik, den Anspielungen auf Mafia-Filme und den Aufnahmen in Zeitlupe eine Spur "drüber". Dennoch kaufte man den Drehbuchautoren Erol Yesilkaya, Boris Dennulat und Matthias Tuchmann ihre ambivalent gezeichnete Mafiawelt voller Klischees ab. Dazu trug auch der vordergründige und szenentragende Musikeinsatz bei.

Überraschend und genial, aber fast ein wenig zu schnell abgehandelt war die Schlusssequenz, als die Kommissare Inga Lürsen und Nils Stedefreund (Sabine Postel und Oliver Mommsen) tiefer in die Mafiastrukturen vordrangen und dort Köpfe rollen mussten, um zum Tagesgeschäft zurückkehren zu können. Die Frage, wer jetzt eigentlich der Mörder ist, rückte so in den Hintergrund dieses gelungenen Müllmafia-porträts.

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Rubriklistenbild: © HNA

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