TV-Kritik zum "Tatort" aus Kiel: Krasse Kicks

Er sprach ein gewagtes Thema an, doch beschränkte sich der Kieler "Tatort" dabei nicht auf eine einseitige Darstellungsweise: In "Borowski und der Himmel über Kiel" ist es gelungen, ein umfassendes und authentisches Bild von Drogen und ihrer Wirkung zu geben, findet HNA-Redakteur Mark-Christian von Busse.

Drogen in Krimis sind heikel. Ihre Faszination zu zeigen, ist womöglich als Verharmlosung zu verstehen. Gefahren und Abgründe auszumalen, wirkt leicht einfältig – als ließe sich ein Abhängiger von wohlfeilen Appellen abhalten. Diese Gratwanderung lösten die erfahrenen Macher des Kieler Crystal-Meth-„Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel“ mutig und konsequent: Autor Rolf Basedow („Im Angesicht des Verbrechens“) und Regisseur Christian Schwochow („Der Turm“, „Westen“) erzählten in krassen Bildern von beidem, von den Kicks und den Abstürzen, von Ekstase und Halluzinationen, Euphorie und Kontrollverlust.

Es war ein aufregender, sehr trauriger Film, der tief unter die Haut ging. „Das geilste Gefühl der Welt“ beschrieb die junge Rita: Wärme, Licht, Energie und grenzenlose Wachheit. Elisa Schlott verkörperte dieses Mädchen sensationell. Die Gesichter der Junkies sagten das Gegenteil: den Verfall in schwindelerregendem Tempo.

Die dealenden Fieslinge um Furkan (Matthias Weidenhöfer) spielten gespenstisch gut. Axel Milberg als Kommissar Borowski, neben der tollen Sibel Kekilli als Sarah Brandt, wirkte wie aus einer anderen Zeit – in der Dorfpolizisten keine Drogenlabore beschützen. Schrecklich auch die Eltern in ihrer Verzweiflung, ihrer Ahnungslosigkeit. Viele Gründe zum Gruseln.

Kontakt zum Autor: vbs@hna.de

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