Überzeugende Folge

TV-Kritik zum "Tatort" aus Köln: Studie des Wegsehens

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Aufgeschlossen: Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Claudia Denk (Ursina Lardi) kommen sich näher.

Den Tod einer Person durch die Untätigkeit anderer Personen in einem Krimi darzustellen, erfordert Geschick. Dies ist dem Kölner "Tatort" alles in allem gut gelungen. Die Episode "Freddy tanzt" regt zur Selbstreflexion an, findet HNA-Redakteurin Bettina Fraschke.

Ein Krimi wie ein Tango. Forsch und verzweifelt, aggressiv und sehnsüchtig: So wie der argentinische Tanz pendelten auch die Figuren im Kölner „Tatort: Freddy tanzt“ zwischen diesen emotionalen Polen.

Der Film endete passend mit der wunderbaren Tango-Neukomposition, die Frank Heckel eigens für den WDR-Film geschaffen hat. Dass dem früheren Kasseler Kapellmeister Rasmus Baumann als Dirigenten des WDR-Funkhausorchesters das allerletzte Bild gewidmet war, war eine freudige Überraschung.

Insgesamt überzeugte die Folge von Autor Jürgen Werner und Regisseur Andreas Kleinert mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als Kommissare Ballauf und Schenk – trotz einiger Schwächen wie der wenig glaubwürdig gestalteten Figur der Professorin Claudia Denk (Ursina Lardi).

Es ist stets anspruchsvoll, eine Krimihandlung zu entwerfen, in dem nicht ein Einzeltäter tötet, sondern mehrere Personen durch ihr Nichthandeln den Tod eines Menschen verursachen. Das ist hier insgesamt gut geglückt, wenn auch das Wegsehen nicht ganz so plakativ hätte durchbuchstabiert werden müssen.

Doch warum jede der vier Parteien in diesem „ehrenwerten Haus“ dem Schwerverletzten nicht geholfen hat, war in seiner jeweiligen Nachvollziehbarkeit beunruhigend.

So blieb die wichtige Frage: Was hätte ich getan?

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