TV-Kritik zum "Tatort" aus München: Leitmayrs Alleingang

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Selbstmord oder Mord? Diese Frage stand am Beginn des BR-"Tatorts: Am Ende des Flurs": Die Edel-Prostituierte Lisa stürzte vom Balkon, die Münchner Ermittler Batic und Leitmayr glauben nicht daran, dass sie freiwillig sprang. Auftakt eines ganz starken Krimis, wie HNA-Kulturredakteur Mark-Christian von Busse findet.

Bis zu Minute 18 versprach die Münchner „Tatort“-Episode „Am Ende des Flurs“ herausragend zu werden. Dann aus heiterem Himmel die typische Unsitte der Reihe: Die Kommissare werden persönlich in den Fall verquickt. Also kam raus: Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) hatte was mit der Toten, der vom Balkon gestürzten Lisa (stark in den Rückblenden: Fanny Risberg). Es folgten das Zerwürfnis mit Kollege Ivo Batic (Miroslav Nemec), Suspendierung, Ermittlungen auf eigene Faust, am Ende gar ein Messerstich, der für einen aufregenden, ganz „Tatort“-untypischen Cliffhanger sorgte. Immerhin: Es wurde ein sehr guter, bis in die Feinheiten (der sensible Musikeinsatz!) ausgefeilter Film.

Regie-Routinier Max Färberböck (auch Buch, mit Catharina Schuchmann) gelang es, durch knappe, eindringliche Bilder klassische Polizeiarbeit zu zeigen und nebenbei neue Teammitglieder einzuführen: den übermotivierten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer), Profilerin Christine Lerch (Lisa Wagner). Färberböck drehte mit tollen Schauspielern, die man gern öfter sähe (ein großartiger Auftritt von Franz Xaver Kroetz!), alles lief auf ein überraschendes, dramatisches Finale hinaus. 

Vor allem zeichnete er ein sorgfältiges Bild jenes Umfelds der Edel-Prostituierten Lisa, von dem der junge Ermittler während der Sicherung von Spuren bemerkte: „Irgendwie ist hier was Einsames.“ Trotz all der schmachtenden Männer, die sie gierig umgarnten.

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