Matthias Lohr über Til Schweigers überraschend tolles Debüt

TV-Kritik zum neuen "Tatort": Thriller mit Tschiller

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Gleich macht er wieder peng peng: Til Schweiger als Hamburger LKA-Ermittler Nick Tschiller.

Viel wurde über ihn geredet, viel über ihn geschrieben: Am Abend hatte der neue Hamburger „Tatort“ mit Til Schweiger Premiere. Wie es war? Einfach toll, sagt HNA-Kulturredakteur Matthias Lohr.

Ich hatte mir geschworen, keinen Til-Schweiger-Film mehr anzuschauen. Ich hatte es satt, die immer gleichen Harter-Kerl-mit-weichem-Kern-Geschichten und die immer gleichen zwei Gesichtszüge des Hauptdarstellers zu sehen. Ich verstand nicht, warum jemand Pressevorführungen abschafft, nur weil nicht alle Journalisten alles supertoll finden. Und jetzt muss ich sagen: „Willkommen in Hamburg“, der erste „Tatort“ mit Til Schweiger war toll.

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Das Debüt von Deutschlands erfolgreichstem und umstrittenstem Schauspieler bot ein Spektakel, das man in der 42 Jahre alte Krimireihe so noch nicht gesehen hat. Regisseur Christian Alvart und Autor Christoph Darnstädt haben mit Nick Tschiller, wie Schweiger als Hamburger LKA-Ermittler heißt, ein gelungenes deutsches Pendant zu „Stirb langsam“ mit Bruce Willis geschaffen. Das ist erstaunlich, weil es sonst doch oft unfreiwillig komisch wird, wenn sich heimische Filmer an einem Action-Thriller versuchen.

Til Schweiger als "Tatort"-Kommissar

Bilder: Til Schweiger als "Tatort"-Kommissar

Dieser Tschiller ist der Populist unter den „Tatort“-Ermittlern. Er interessiert sich nicht für Psychologie und will nicht reden, sondern machen. Bereits in den ersten Minuten erschoss er drei Zuhälter, für die osteuropäische Mädchen nur Wegwerfware sind. So ähnlich ging das spannende 90 Minuten bis zum furiosen Finale weiter. Es war ein einsamer Kampf gegen die Menschenhändler. Sein Kollege Yalcin Gümer, der von Fahri Yardim sehr komisch gespielt wurde, scherzte einmal: „Redet ihr jetzt oder machst du gleich wieder peng peng?“

Überhaupt glänzte der mit Stars wie Mark Waschke erstklassig besetzte Film mit Selbstironie. Schweiger machte sich über sein Nuscheln lustig. Und ein Kollege sagte über den Neuen: „Lass mal, der macht das eh nicht lang.“ Das war eine hübsche Anspielung auf die Schauspieler-Kollegin Ulrike Folkerts, die eben das über Schweigers „Tatort“-Engagement gesagt hatte.

Und trotzdem war es doch wieder ein typischer Schweiger-Film mit einem allein erziehenden Vater und der 16-jährigen Luna Schweiger als Filmtochter, deren schauspielerische Fähigkeiten etwa die des Vaters sind. Einmal befreite Tschiller zu Fuß eine Prostituierte aus einem fahrenden Wagen. Das war so gestellt, dass es doch peinlich war.

Vielleicht gilt für den Hamburger „Tatort“ und Til Schweiger das, was der Fußballer Clarence Seedorf sagte, als er unter Trainer Jupp Heynckes mit Real Madrid die Champions League gewonnen hatte: „Wir haben nicht wegen, sondern trotz Heynckes gewonnen.“

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