TV-Kritik: Roboterserie „Humans“ verhandelt Grundfragen der Gesellschaft

Neu: Der Verkäufer (Dan Tetsell) packt Haushaltsroboter Anita (Gemma Chan) aus. Foto: Vox

Das Remake einer schwedischen Erfolgsserie wirft einen spannenden Blick in eine beängstigend schöne Zukunft. Eine TV-Kritik zur neuen Serie "Humans".

Künstliche Intelligenz und inwieweit sie uns Menschen gefährlich werden kann, ist ein Thema, das unter anderem in der ARD-Themenwoche und in zwei „Tatort“-Folgen kürzlich diskutiert wurde. Mit erschreckend wenig Nachhall und viel Thesenhuberei.

Hier gibt es mehr Infos zur Serie

Ganz anders könnte es der britischen Serie „Humans“ ergehen, die Vox seit Montagabend zeigt. In großartiger Vielschichtigkeit spielte das Epos schon zum Auftakt die Stärken aus, für die die modernen Serien gelobt werden: Sie können komplexer erzählen als ein Spielfilm, mehr Aspekte einbringen, mehr Figuren aufstellen. Und die Regiearbeit von Lewis Arnold und Samuel Donovan traut sich all dies auch, fordert die Zuschauer und belohnt sie mit anspruchsvollem Gedankenfutter.

„Humans“ ist das Remake der schwedischen Erfolgsserie „Real Humans“ die auf Arte lief. Und „Humans“ kann mithalten. Was nur wenigen Neuaufgüssen starker skandinavischen Vorlagen gelingt, etwa bei Stieg Larssons „Verblendung“. Doch setzt sie leider eher auf Action als auf Herz.

Von Anfang an werden wir in „Humans“ hineinkatapultiert in eine Welt, die erstaunlich nah an unserer ist. Im Alltagschaos der Familie Hawkins hat Papa Joe die Schnauze voll. Er kauft einen dieser neuen Roboter, Synths genannt: eine hübsche Haushaltshilfe namens Anita (Gemma Chan). Durch sie soll den Familienmitgliedern mehr Zeit füreinander bleiben. Aber was, wenn die kleine Tochter sich plötzlich lieber von Anita vorlesen lassen möchte? Mutter Laura fühlt sich zurückgesetzt.

Roboter sind in der nur ganz leise auf Science-Fiction-Ästhetik setzenden Welt von „Humans“ in vielen Lebensbereichen unterwegs, übernehmen stupide Jobs, arbeiten in der Altenpflege. Keine unrealistische Vision. Wir lernen zudem Synths kennen, die anders sind: An ihnen wurde so experimentiert, dass in ihren verdrahteten Hirnen ein Bewusstsein erwacht ist. Hierdurch kommt eine Krimihandlung zu den Serienthemen, Verfolgungsjagden, Manipulation.

Was ist eigentlich menschlich? Was tun gegen die immer stärker wachsende Angst der Unterprivilegierten, von den Neuankömmlingen ausgebootet zu werden? Wie gehen wir mit Billiglöhnern um? Leichtfüßig erzählt die Serie von den großen Themen unserer Gesellschaft.

 

Vox, montags, 22.10 Uhr.

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