TV-Kritik zum ZDF-Dreiteiler "Honigfrauen": Ein bisschen dick aufgetragen

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Urlaub am Balaton: Catrin (Cornelia Gröschel, links) und Maja (Sonja Gerhardt) rufen zu Hause in Erfurt an.

Ein Film über deutsche Geschichte, der nicht in Berlin spielt? Dafür war es höchste Zeit, meint Viktoria Degner. Einziger Wermutstropfen: Das Drama wirkt an vielen Stellen überfrachtet. Eine TV-Kritik zum ZDF-Dreiteiler "Honigfrauen".

Endlich. Endlich holt mal jemand einen der Mehrteiler des ZDFs raus aus Berlin. „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013), „Ku’damm ‘56“ (2016) oder „Der gleiche Himmel“ (2017): Sie alle spielten in der Bundeshauptstadt, als beschränke sich der Horizont deutscher Geschichte sich nur auf diesen Flecken Erde. Dass Regisseur Ben Verbong die Figuren in „Honigfrauen: Urlaub im Paradies“ (2017) in Erfurt ansiedelt und dann in den Urlaub nach Ungarn an den Balaton verfrachtet, ist sehr erfrischend. 

Der Film macht Lust auf Zeltlager und Muttis Bikinis, genäht aus Vorhangstoff. Diese Arbeit macht sich Anja Kling als Kirsten Stresemann für die Töchter Catrin (Cornelia Gröschel) und Maja (Sonja Gerhardt) Mitte der 80er-Jahre. Und doch kann der Zuschauer sich nicht ganz und gar auf dieses große Urlaubsabenteuer einlassen, das ausgeschmückt ist mit schlagfertigen Dialogen und einer glaubhaften Kulisse. Der Grund dafür ist simpel: Der Regisseur wollte zu viel – Sonne, Sommer und Liebe am Strand des Plattensees einerseits, verpackt in historisch höchst relevanten Stoff auf der anderen Seite. 

Dabei geht die Erklärung des Filmtitels, Honigfrauen, fast unter: So nannten Westurlauber damals „sexuell offene“ DDR-Frauen im Ungarn-Urlaub. 

Der Film wirkt an vielen Stellen überfrachtet. Das fängt schon an bei der alten Liebe zwischen Kirsten und dem „Westler“ Erik, gespielt von Dominic Raacke, der auch noch Catrins leiblicher Vater ist. Zu kitschig ist das Hotel für wohlhabende West-Urlauber, die „Balaton Residenz“, das Catrin und Maja in Versuchung führt. Verführerisch für sie ist auch Hotelier Tamás Szabo (Stipe Erceg), der Republikflüchtlinge schleust. Trotzdem ist man als Zuschauer gefesselt, sodass wohl viele auch bei Teil zwei (ZDF, Sonntag, 30. April, ab 20.15 Uhr) einschalten werden. Nicht zuletzt, weil das Schicksal der Figuren packend ist.

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