Neu im Kino:

Sacha Baron Cohen ist "Der Diktator" - Ein Tyrann als Witzfigur

Er witzelt sich noch mal um Kopf und Kragen: Mit dieser Handbewegung lässt der britische Komiker Sacha Baron Cohen als bärtiger Machthaber Aladeen in „Der Diktator“ nicht nur seine Feinde hinrichten. Foto: Paramount

Man muss den Film „Der Diktator“ nicht gesehen haben, um zu wissen, wie durchgeknallt dieser Admiral General Aladeen ist. Der britische Komiker Sacha Baron Cohen hat ihn sich ausgedacht, und wie schon bei seinen Figuren Borat und Brüno gab es auch beim bärtigen Diktator eine große PR-Kampagne.

Bereits bei der Oscar-Verleihung im Februar trat Cohen als sein neues Alter Ego auf und verstreute die Asche des verstorbenen nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il auf dem roten Teppich. Später trat er mit Martin Scorsese als Geisel bei „Saturday Night Live“ auf. Der Star-Regisseur, der wie die irakischen Gefangenen von Abu Ghraib einen Sack über den Kopf trug, pries voller Angst den Diktator.

Genauso durchgeknallt sind die von Regisseur Larry Charles als Gag-Parade inszenierten 80 Kino-Minuten. Cohen spielt den Herrscher der fiktiven ostafrikanischen Republik Wadiya. Der lässt alle hinrichten, die meinen, sie seien klüger als er - wie den Chef seines Nuklearprogramms, der ihm runde statt spitze Raketen andrehen will.

Auf der Wii-Konsole spielt er das Attentat auf israelische Sportler bei Olympia 1972 in München nach, und abends vergnügt er sich mit schönen Frauen wie Megan Fox, die er sich mit Silvio Berlusconi teilt.

Als Aladeen für eine Rede vor der UN nach New York reist, lässt ihn sein Berater und Onkel Tamir (Ben Kingsley) durch einen genauso aussehenden Ziegenhirten ersetzen. Während der wahre Diktator aus dem Verkehr gezogen ist, soll der Doppelgänger eine demokratische Verfassung für Wadiya unterschreiben, damit dort Gazprom Geschäfte machen kann. Ausgerechnet mithilfe einer feministischen Besitzerin eines Öko-Ladens, in die sich Aladeen verliebt, will der Tyrann das verhindern.

Wie bei Monty Python

Anders als mit Borat und Brüno liefert Cohen diesmal keine fiktive Doku. Sein Film, der sich schon im Titel vor Charlie Chaplin und dessen Hitler-Satire verneigt, ist eine geniale Groteske mit Fäkalhumor, Seitenhieben auf die USA und komischen Momenten in bester Monty-Python-Tradition.

Die unglaublichste Pointe spielt sich im Ökoladen seiner neuen Freundin Zoe (Anna Faris) ab. Als Aladeen dort einer hochschwangeren Kundin beim Gebären hilft und währenddessen telefoniert, rutscht ihm das Handy in den Geburtskanal. Gemeinsam versuchen der böse Diktator und die gute Zoe, das Telefon herauszuholen und halten in der Vagina zum ersten Mal Händchen.

Bei Cohen muss man hart im Nehmen sein. Politiker, die Giftmüll oder Genozidopfer loswerden wollen, können sich auf der eigens eingerichteten Website www.republicofwadiya.com über Aladeens Staat informieren. Es gibt Links zu Diktatoren wie Simbabwes Robert Mugabe. Nur Osama bin Laden fehlt. Der ist aber gar nicht tot, so erzählt es Aladeen im Film. Er wohnt in dessen Gästehaus: „Wenn du nach ihm auf dem Klo warst, weißt du, was Terrorismus ist.“

Genre: Satire

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: 5 Sterne

www.hna.de/kino

Von Matthias Lohr

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