Mit U2 in der "Heiligen Halle des Rock" auf der Bühne

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Höhepunkt des Museums ist eine 3D-Live-Show von U2. Mit der dazu nötigen Brille auf der Nase findet man sich Seite an Seite mit Bono und “The Edge“ auf der Bühne in Buenos Aires.

Cleveland - Musiker werden in den USA an mehreren Orten mit einer “Hall of Fame“ geehrt. Cleveland wartet dabei mit der lautesten auf - denn hier dreht sich alles um Rock'n'Roll.

“Who Are You“ donnern The Who aus den Boxen, die gläserne Eingangshalle des Museums in Cleveland zittert. Es ist unüberhörbar: Hier regiert der Rock. “The Boss“ Bruce Springsteen, U2, die Rolling Stones und die Beatles: Generationen von Krachmachern sind in der Pyramide am Ufer des Eriesees im US-Staat Ohio zu Hause.

Beim Stichwort Museum denken viele Menschen an Ölgemälde, Sarkophage und Saurier. Nicht hier in Cleveland: Die jugendliche Rebellion der vergangenen 50 Jahre beherrscht die sieben Stockwerke dieser eigenwilligen Konstruktion des Architekten I.M. Pei. Die “Heilige Halle des Rock“ besteht aus der Eingangspyramide, einem Zylinder und einer Box, die wagemutig über das Seeufer ragt. Außen ist alles aus kühlem Glas und Stahl, innen alles funky und bunt.

Die Beatles - ein Mythos

George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und im Hintergrund am Schlagzeug Ringo Starr (von links nach rechts). Am 24.6.1966 war es soweit: The Beatles traten im Münchner Circus Krone-Bau vor deutschem Publikum auf. © dpa
So berichtete die HNA am 25. Juni 1966 über den ersten Deutschland-Auftritt der Beatles. © 
Im Beatles Museum in Halle/Saale sind Miniaturen der Beatles zu sehen. © dpa
Die Beatles bei ihren Auftritt im Münchner Circus Krone Bau am 24.06.1966. © dpa
Die Beatles nach der Verleihung des Ordens MBE (Member of British Empire) durch die englische Königin im Saville Theatre in London im November 1965. © dpa
Posthume Ehre: George Harrison bekommt 2009 einen Stern - gehalten von seiner Witwe Olivia Harisson - auf dem Walk of Fame in Los Angeles. © dpa
Die Beatles begeistern live. © dpa
Und im Jahr 1964 © dpa
...und als begehrtes Fotoobjekt. © dpa
Die Beatles in New York: Als sie 1964 dort auftraten, waren sie die ersten britische Gruppe in Neu-England. Damit begann im Musikgeschäft die so genannte "britische Invasion". © dpa
Paul McCartney mit Vollbart 1969. © dpa
Ringo Starr auf dem Cover von "The Beatles Book" 1965. © dpa
Wer viel arbeitet, darf auch mal Urlaub machen: Patti Boyd und das Beatles-Mitglied George Harrison auf Barbados (undatiert). © dpa
Paul McCartney bei einem (undatierten) Auftritt in London. © dpa
Die frühen Jahre: George Harrison (von links), Paul McCartney, John Lennon and Ringo Starr. © dpa
Entspannt: Paul McCartney und John Lennon auf einem Foto von 1967.  © dpa
In Hamburg: Ringo Starr (von links), Paul McCartney, George Harrison und John Lennon. © dpa
Strawberry Fields im New Yorker Central Park: Hier ist der Gedenkstein für den in der Nähe ermordenten John Lennon eingelassen.  © dpa
Der "späte" George Harrison (1988). © dpa
Das Stern-Titelblatt aus dem Jahr 1965 zeigt "Die vier Frauen der Beatles". © dpa
Die Beatles Paul McCartney (von links), George Harrison, John Lennon und Ringo Starr mit den Orden "Member of the Order of the British Empire". © dpa
Liebespaar: Yoko Ono und John Lennon. © 
Die legendäre Abbey Road in London. Noch heute stellen Passanten das Cover des "Abbey Road Albums" nach.  © 
Der Eingang zum Jacaranda Club in Liverpool. Dort trat die weltberühmte © dpa
Am 25. Juni 1966 begeisterten die Pilzköpfe ihre Fans in der Essener © dpa
Liverpool 1965 in der Beatles-Euphorie: Jugendliche suchen ihre Chance im © dpa
Die Mitglieder der britischen Popgruppe The Beatles, (von links) Paul © dpa
Die Beatles waren bei ihren Fans sehr beliebt und mussten auch schon mal flüchten. © dpa
Immer auf Tour. Die Beatles spielten weltweit Konzerte. Hier steigen sie am 15. März 1965 in Salzburg aus dem Flieger. © dpa
Die Frauen waren verrückt nach den Pilzköpfen. © dpa
Mit diesen alten Aufnahmegeräten nahmen die Beatles in den Londoner Abbey Road Studios ihre Songs auf. © dpa
Auf jeder Party war das Quartett gern gesehen. © dpa
In diesem Liverpooler Haus verbrachte John Lennon seine Kindheit Dessen Witwe Yoko Ono kaufte es nach dem Tod ihres Mannes. © dpa
Auch heute stehen Beatles noch vereinzelt auf der Bühne. Hier ein Bild aus der Hamburger ColorLine Arena vor dem Konzert von Paul McCartney am 2. Dezember 2009. © dpa
Ein Paar, das für viele Schlagzeilen sorgte: John Lennon und Yoko Ono. © dpa
Paul McCartney singt während eines Gedenkkonzerts für seine verstorbene Frau Linda. © dpa
Auf diesem Foto rocken die Beatles bei einem Auftritt im Londoner Lyris Theatre. © dpa
Nach einer Meditationsübung folgen die Beatles ihrem Guru Maharishi Mahesh Yogi. © dpa
Am 9.10.2000 eröffnete Lennon-Witwe Yoko in Tokio ein Museum zu Ehren ihres ermordeten Mannes. © dpa
Voller Stolz zeigen die Pilzköpfe auf diesem Foto ihre Orden "Member of the Order of the British Empire" in die Kamera, die ihnen von der britischen Königin verliehen wurden. © dpa
Cooler Typ: Ringo Starr bei einer Pressekonferenz am 28.9.1976 in Hamburg. © dpa

John Lennons alte Lederjacke, David Bowies waghalsige Hosen, Jim Morrisons recht ansehnliche Schulzeugnisse und Michael Jacksons berühmter Handschuh sind ausgestellt. Von der Decke baumelt ein Trabant, der von U2's “Zooropa“-Tour stammt.

“Mir war wichtig, die Wurzeln der Rockmusik zu präsentieren“, sagt Jim Henke, seit 17 Jahren der Kurator des Museums. Dazu gehören Mischpulte, Schallplatten und Tonbandmaschinen aus dem legendären Sun Studio in Memphis. Dort wurde Elvis Presley entdeckt, dort kamen Blues-Größen wie B.B. King, Countrystars wie Johnny Cash und Rock'n'Roller wie Jerry Lee Lewis zu Ruhm. Zahllose Male pilgerte Henke vor der Eröffnung des Rockmuseums nach Memphis und brachte Erinnerungsstücke des Studiobesitzers Sam Phillips in den Glaspalast.

Michael Jackson versteigerte sein Leben

Mit einem Victory-Zeichen hat er sich gern gezeigt, der "König des Pop". Doch Michael Jackson, der überraschen im Alter von 50 Jahren gestorben ist, war pleite. Noch vor seinem Tod im April wurde ein Teil seines Besitzes versteigert. Zu ersteigern gab es ... © dpa
... unter anderem die Pforte in sein Kinderreich "Neverland Ranch". Geschätzter Wert: 20.000 bis 30.000 US-Dollar. © ap
Laut dem amerikanischen Auktionshaus "Julien's Auction" ist dieser mit Kristallen besetzter Handschuh 10.000 bis 15.000 Dollar Wert. Jacksons Wertsachen ... © ap
... (hier: weitere Handschuhe, die er getragen hat) wurden vom 22. bis 25. April im "Beverly Hilton Hotel" in Los Angeles verteigert.  © ap
Dabei kam auch die Rolls-Royce-Limousine des Künstlers unter den Hammer. Wert: 140.000 bis 160.000 US-Dollar. Günstiger war diese ... © ap
... hübsche Harley-Davidson im Polizei-Look. Auktionswert: geschätzte 6.000 bis 8.000 Dollar. Ein anderes Fahrzeug ... © ap
... war mit 8.000 bis 10.000 Dollar angesetzt. "Custom Built by Montana Carriage Company" steht auf dem Auto, das mit Audio-System ausgestattet ist und auf Jacksons "Neverland Ranch" eingesetzt wurde. Jackson verkaufte ... © ap
... insgesamt 2000 Liebhaberstücke. Darunter eine Ausgabe von "Peter Pan: The Story of Peter and Wendy" von J. M. Barrie aus dem Jahr 1911 (Wert: 50-100 Dollar), ... © ap
... ein von Michael Jordan unterzeichneter Basketball (Wert: 800 bis 1.200 Dollar), ...  © ap
... eine Grammy-Nominierung aus dem Jahr 1979 (Wert: 600 bis 800 Dollar) und ...  © ap
... Edwards Scherenhände. Die hat der Schauspieler Johnny Depp in Tim Burtons "Edward mit den Scherenhänden" getragen. Geschätzter Wert: 4.000 bis 6.000 US-Dollar. Michael Jackson soll ... © ap
... die ganzen Sammlerstücke (hier: ein Gemälde, auf dem Mona Lisa und E.T. Jacksons charakteristische Brille und seinen Handschuh tragen; Wert: 600-800 Dollar) angeblich nicht aus Geldnot zur Versteigerung angeboten haben, sondern ... © ap
... aus freien Stücken. Aha. Dieser Kaugummi-Automat (Wert: 800 bis 1200 Dollar) konnte ersteigert werden, ebenso ... © ap
... dieser Schwarz-Weiß-Fotoautomat (2000 bis 3000 Dollar), ... © ap
... eine Juke-Box (1500 bis 2000 Dollar), ... © ap
... dieses Gemälde von Macaulay Culkin ("Kevin allein zu Haus" aus dem Jahr 1991 (Wert: 200 bis 300 Dollar), ... © ap
... und ein Modell von Schloss Neuschwanstein (!) für 2000 bis 4000 US-Dollar. © ap
Außerdem das Öl-Gemälde "Prince, The Boy King". Es zeigt einen schlafenden Michael auf seinem Thron. Geschätzter Wert: 3000 bis 5000 Dollar. © ap
Und dieses Jackson-Porträt von dem Künstler Norman Oak im Wert von 4000 bis 6000 Dollar. Armer, armer Michael. © ap

Ausgerechnet in einer - von der Rezession schwer gebeutelten - Industriestadt in Ohio werden die Ursprünge des Rock'n'Roll gefeiert. “Cleveland war innerhalb der Rockszene immer ein Begriff“, erläutert Henke. David Bowie gab hier zum Beispiel sein erstes US-Konzert. Alan Freed, ein lokaler Discjockey, machte die Musik in den 50er Jahren im Radio populär. Und als die “Rock'n'Roll Hall of Fame“ Mitte der 80er Jahre beschloss, den von ihr geehrten Stars eine Heimat zu geben, war Cleveland entschlossen, das Rockmuseum als Touristenattraktion an sich zu ziehen. Die Stadt und einige Gönner brachten 65 Millionen Dollar auf, und das gab den Ausschlag. In der Konkurrenz mit New York, Memphis und San Francisco bekam Cleveland - sonst vor allem für seine großen Sportveranstaltungen bekannte - den Zuschlag.

Die Höhepunkte liegen im Tiefgeschoss: Virtuelle Spielereien und interaktive Abhörkabinen lassen die Besucher die Gegenwart vergessen. Durch 500 Songs lässt es sich surfen und klicken. Wer es nicht schon wusste, lernt zum Beispiel, dass Bob Dylan von Woodie Guthrie beeinflusst wurde und die Beatles von Chuck Berry. Samtgewänder und Seidenschals erinnern an den eigenwilligen Stil von Freddy Mercury und beweisen, dass Fleetwood Macs Steve Nicks eine Wespentaille besaß. Auf großen Monitoren flimmern die Höhepunkte legendärer Konzerte von Ike und Tina Turner, “Jacko“, Mick Jagger und Madonna.

Wie ist Jim Henke bloß an all diesen Kram gekommen, an Bruce Springsteens Hotelschlüssel, die gekritzelten Liedertexte und die Sgt.-Pepper-Uniform der Beatles? “Yoko Ono war die erste, die mir alle möglichen Sachen von John zur Verfügung stellte“, erzählt der Kurator von den Dingen, die an John Lennon erinnern. “Und das wirkte fast wie ein Köder.“ Wenn er dann bei ZZ Top, Bono von U2 oder Roger Daltrey von The Who vorsprach, konnte er auf seine Lennon-Beute verweisen. “Das brachte sie dann dazu, auch ein paar persönliche Gegenstände locker zu machen.“ Henke hat ohnehin aus seiner Zeit als Musikjournalist für das “Rolling Stone“-Magazin beste Kontakte.

Noch bis Ende 2010 steht Bruce Springsteen in den obersten beiden Stockwerken im Rampenlicht. Die Sonderausstellung “From Asbury Park to the Promised Land“ erzählt die Karriere des Arbeiterkindes aus New Jersey. “Springsteen war extrem großzügig“, freut sich Henke. “Als er im Januar vom Kennedy-Center ausgezeichnet wurde, hatte ich die Trophäe drei Tage nach der Feier auf meinen Schreibtisch.“ Der “Boss“ hat offensichtlich entrümpelt: Sein Küchentisch, an dem er die meisten Songs schrieb, ist in Cleveland ausgestellt, ebenso seine karierten Hemden und die Fender-Esquire-Gitarre von “Born to Run“. Dazu kommen Jeans und T-Shirt vom Plattencover und noch vieles mehr.

“Die einzige Beschwerde, die wir manchmal hören, geht dahin, dass wir nicht alles und jeden würdigen können“, erzählt Henke. Zu den ersten, die zu Ehren kamen, zählten 1986 Chuck Berry, James Brown und Elvis Presley. Zuletzt kamen Abba, Genesis und die Hollies hinzu. Höhepunkt des Museums ist eine 3D-Live-Show von U2. Mit der dazu nötigen Brille auf der Nase findet man sich Seite an Seite mit Bono und “The Edge“ auf der Bühne in Buenos Aires. Es ist Nacht, es ist laut, und die Musik wummert durch den Magen: “It's a beautiful day“.

dpa 

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