Über alle Brücken: Die Berliner Karat will auch im Westen Fuß fassen

Die Gesichter von Karat: Sänger Claudius Dreilich (vorn) mit seinen Bandkollegen (von links) Christian Liebig, Michael Schwandt, Martin Becker und Bernd Römer. Foto: nh

Ende August vorigen Jahres merkte Karat-Sänger Claudius Dreilich, dass etwas schief gelaufen war in der öffentlichen Wahrnehmung seiner Band.

Das Berliner Quintett spielte beim Open-Air-Festival im Göttinger Kaiser-Wilhelm-Park, und nach dem Konzert lobte ihn eine ältere Frau: „Sie haben sich aber gut gehalten, Herr Dreilich.“ Die Zuschauerin hatte Claudius Dreilich mit dessen Vater Herbert verwechselt, der 30 Jahre das Gesicht von Karat war, ehe er 2004 an Krebs starb. Danach trat sein Sohn in seine Fußstapfen.

Claudius Dreilich wusste damals nicht, was er sagen sollte. Mittlerweile kann er über die bittere Pointe lachen, die viel erzählt über seine Band. Karat gibt es nun seit 37 Jahren, die Musiker hatten zahllose Hits wie „Über sieben Brücken musst du geh’n“ und „Der blaue Planet“, aber auch mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung gelten sie als Ostband.

Das soll sich nun ändern. „Wir sind eine gesamtdeutsche Band mit ostdeutschen Wurzeln“ sagt Bassist Christian Liebig. Mit Dreilich und Gitarrist Bernd Römer besuchte er zuletzt Redaktionen in Hessen, um Werbung für Konzerte in Gießen und Niedernhausen im Taunus zu machen. Die Hallen sollen mit mehr als 1000 Fans voll werden.

Dabei sind Karat eigentlich in anderen Spielstätten zuhause. Wenn sie in der Berliner Wuhlheide auftreten, singen 17 000 Fans unaufgefordert „Über sieben Brücken“. „Da bekommst du eine Gänsehaut“, sagt Bernd Römer, der schon Anfang der 80er zum besten Gitarristen der DDR gewählt wurde.

Auf dem aktuellen Album „Weiter geh’n“ liefert er mit seinen Kollegen anspruchsvollen Rock und etwas seichte Balladen. Auf Konzerten spielen sie zu zwei Dritteln die alten Hits. Vielleicht wird der eine oder andere im Westen überrascht sein, „Über sieben Brücken“ zu hören. Hier verbinden viele den Song vor allem mit Peter Maffay, der ihn 1980 gecovert hat. Gerade hat Chris de Burgh sogar eine englische Version eingespielt.

So wie andere DDR-Bands wie die Pudhdys, Silly und City wollen Karat nun eine Brücke zwischen Ost und West schlagen. Darin hat Claudius Dreilich Erfahrung: Bevor er bei Karat das Erbe seines Vaters antrat, war er Ikea-Manager in einer Moskauer Filiale.

Karat live: 28. April Niedernhausen, 29. April Gießen.

Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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