Neues Stück für Kinder und Jugendliche

Über das Du und Ich: Premiere von "Sagt der Walfisch zum Thunfisch" im tif in Kassel

+
Wohin führt der Weg von Ich und Du? (von links) Alexandra Lukas (Ich) Olaf Pyras (Mu-Mu-Mu-Mu-Mu), Artur Spannagel (Noe) und Meret Engelhardt (Du).

Bibelgeschichte mit Groove: Philipp Rosendahls Neufassung von "Arche Noah". 

Wer bist du, wenn ich ich bin? Und warum schlägt mein Herz wie deins, wenn es doch deins ist? Mit dem neuen Stück „Sagt der Walfisch zum Thunfisch“ bringt Philipp Rosendahl mit dem Jungen Staatstheater eine moderne Variante der biblischen Geschichte der Arche Noah auf die Bühne und wendet sich dabei an ein Publikum ab acht Jahren.

Das 2017 mit dem Brüder-Grimm-Preis ausgezeichnete Stück von Carsten Brandau verfolgt philosophisch und sprachgewandt menschliches Miteinander durch alle Höhen und Tiefen. Rosendahls Inszenierung verbindet die Wortgewandtheit von Carsten Brandaus Stück mit der Klangkunst des Kasseler Musikers Olaf Pyras. Dafür gab es am Sonntag bei der Premiere im tif viel Beifall.

„Bumm, bumm“ schlagen die Herzen von Ich und Du, hervorragend gespielt von Alexandra Lukas und Meret Engelhardt, bald im gleichen Takt. „Pling“ zwinkert Ichs Auge zurück und „Umpf“ meldet sich Dus Bauch zu Wort. Doch dann macht es auf einmal „Plitsch“ und „Platsch“ – das ist der Regen, der auf die Erde tropft und gar nicht mehr aufhören will zu tropfen. Als Ich und Du bis zum Bauch im Wasser stehen, flüchten sie in Richtung Zuschauertribüne, wo sich die Arche befindet.

Doch da versperrt ihnen Noe (Artur Spannagel) den Weg und erklärt, dass das Boot bereits voll und darauf sowieso nur Platz für Musiker sei. Sind Ich und Du verloren? Oder kann ein Witz über den Walfisch und den Thunfisch Rettung bedeuten?

Ein wunderbares Stück über Freundschaft und Ausgrenzung, über mich und dich, über meinen und deinen Gott, der aber nicht unser Gott ist. Die tiefgreifend existenziellen Fragen werden von Artur Spannagel stimmgewaltig gerappt, begleitet von Olaf Pyras. Dieser hat für das Stück die akustische Untermalung und Komposition geliefert. Er experimentiert mit unterschiedlichsten Materialien und schafft so einen Klangraum, welcher dem Stück Spannung verleiht und einen unglaublichen Groove liefert. Dies wird von Sibylle Pfeiffer bei der Gestaltung der Bühne aufgegriffen und wunderbar durch zwei bewegliche Wände umgesetzt, welche Ich und Du verschieben und sich dahinter verbergen können.

Philipp Rosendahl, der am Staatstheater zuletzt die „West Side Story“ inszenierte, zeigt auch hier ein ausgeprägtes Gespür für Feinheiten im menschlichen Miteinander und bei der Umsetzung anspruchsvoller Inhalte.

Weitere Vorstellungen am 9., 17., 18. und 19.3. Karten gibt es unter Tel. 0561 / 1094-222.

Von Kirsten Ammermüller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.